Pflegepersonal
Den Spitälern fehlt es an höher ausgebildetem Fachpersonal

Noch herrscht kein Notstand in den Basler Spitälern. Mangel herrscht aber bei den Fachkräften. Nun wird nach einer Lösung gesucht.

Jasmin Schraner
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Den Spitälern fehlt das höher ausgebildete Fachpersonal.

Den Spitälern fehlt das höher ausgebildete Fachpersonal.

Keystone

Es ist paradox: Grundsätzlich stehen die Pflegeberufe bei Berufseinsteigern hoch im Kurs. Die Lehre zur Fachangestellten Gesundheit ist eine der beliebtesten. Doch schaut man auf die weiteren Karrierestufen, wird die Situation schwierig. Den Spitälern fehlt das höher ausgebildete Fachpersonal. Der Bedarf an Pflegepersonal wird in den kommenden Jahren parallel zur steigenden Lebenserwartung zunehmen. Nicht nur in Basel, sondern schweizweit droht den Spitälern ein Personalnotstand. Entsprechend intensiv suchen diese nach Lösungen.

Konsequenzen hat der Mangel bereits jetzt, wenn die Angestellten überfordert sind und sich das auf die Qualität der Pflege auswirkt: So geschehen auf der Passerelle des Felix Platter Spitals, wie die «bz» in der gestrigen Ausgabe berichtete.

Die Branche der Pflegeberufe wird von Frauen dominiert. Viele Pflegerinnen steigen frühzeitig aus dem Beruf aus. Ein Lösungsansatz zielt deshalb auf den Wiedereinstieg für Pflegende, die aufgrund einer Familienpause länger nicht im Beruf gearbeitet haben. Das Kantonsspital Baselland sowie das Basler Unispital werden in Zukunft auf dieses Konzept setzen, darüber berichtete das «Regionaljournal» am Dienstag. Im Claraspital findet kommendes Jahr bereits der fünfte Kurs für Wiedereinsteigerinnen statt. Das Claraspital hat den Fachkräftemangel schon früh erkannt und gehandelt. «Unser Angebot richtet sich an diplomiertes Pflegefachpersonal, um dieses für die Zukunft zu sichern», sagt Charlotte Wyss, Weiterbildungsverantwortliche am Claraspital. «Wir haben für unsere Kurse grosse Nachfrage aus der ganzen Schweiz. Auch das Kantonsspital Baselland zeigt grosses Interesse für ihre zukünftigen Mitarbeiter.» Die Frauen fühlten sich nach dem Kurs sicherer und ermutigt, sich zu bewerben. Das Alter sei dabei kein Hindernis: «Von einer Urologie-Station weiss ich beispielsweise, dass sie um lebenserfahrene Bewerberinnen froh ist,» sagt Wyss.

Kinderspital setzt auf Junge

Im Kanton Solothurn ist eine angemessene Beteiligung an der Aus- und Weiterbildung im Spitalgesetz vorgeschrieben — und entscheidet über die Aufnahme in die Spitalliste. Auch das Universitäre Kinderspital (UKBB) sieht in der Ausbildung einen vielversprechenden Lösungsansatz. «Wir setzen auf die Ausbildung, weshalb wir viele neue Lehrstellen geschaffen haben. Die Lehrlingszahlen haben sich verdoppelt», sagt Caroline Stade, Leiterin Pflegedienst UKBB. «Viele von unseren Lehrlingen machen eine Weiterbildung ins Fachniveau.» Denn bei den Fachkräften, die es auf der Notfall- oder Intensivstation braucht, spürt auch das Kinderspital den Mangel. «Die Rekrutierung von Personal für die Spezialgebiete ist eine Herausforderung». Aktuell sei diese aber noch zu meistern, alle Stellen sind besetzt. Die Aufgaben des Pflegepersonals haben sich verändert, die Belastung und die Verantwortung sind höher als früher. Schichtarbeit gab es schon immer im Pflegeberuf, doch sie zahlt sich nicht aus: «Viele wollen nicht mehr Schicht arbeiten, da sie die Löhne nicht angemessen finden», sagt Stade. «Auf der Intensivstation ist beispielsweise die Schichtbelastung extrem hoch», und das mache das Spezialgebiet unattraktiv als Arbeitsplatz. Stade wüsste, wie man das Attraktivitätsproblem lösen könnte, weiss aber auch, dass das einfacher gesagt als getan ist: «Es bräuchte bessere finanzielle Abgeltung und bessere Kompensationsmöglichkeiten, weil die Schichtarbeit die Leute müde macht.»

Im Universitätsspital Basel (UB) sei die Situation im Schweizer Vergleich entspannt, erklärt Sabina Heuss, Leiterin Marketing und Kommunikation UB. Man habe die Rahmenbedingungen deutlich verbessert, beispielsweise mit punktuellen Anpassungen der Löhne und Erhöhung der Ausbildungsstellen. «Dennoch kann es insbesondere beim OP-Personal, in der Intensivpflege und bei den Hebammen stellenweise zu Engpässen kommen», warnt Heuss. Bei Spezialistenfunktionen seien intensive Rekrutierungsbemühungen nötig, um offene Stellen mit qualifiziertem Personal besetzen zu können. Dieses qualifizierte Personal kommt momentan fast zur Hälfte – zu 45 Prozent – aus dem Ausland. Auch in Zukunft sei das UB darauf angewiesen, im Ausland Pflegende zu rekrutieren, um das Leistungsangebot auf gleichem Niveau gewährleisten zu können.