Geplanter Abriss

Denkmalrat erklärt Roche den Kampf – drei Bauten sollen unter Schutz gestellt werden

Roche-Gebäude sollen gegen den Willen der Firma geschützt werden

Vergangenen Freitag informierte der Pharmakonzern Roche über die Entwicklungsideen für das Areal zwischen Grenzacherstrasse und Rhein. Kaum ein Stein soll laut diesen Plänen auf dem anderen bleiben. Ausser dem neuen Bau 1 von Herzog & de Meuron sowie dem Direktionsgebäude von Otto Rudolf Salvisberg aus den dreissiger Jahren will der Konzern alle Gebäude abreissen lassen. Dagegen regt sich ebenfalls seit Freitag aber Widerstand: Der Basler Denkmalrat beantragt zuhanden des Bau- und Verkehrsdepartements die Einleitung eines Unterschutzstellungsverfahrens für den alten Direktionsbau, aber auch für das Hochhaus Bau 52 von Roland Rohn und ein Betriebsgebäude von Salvisberg aus den dreissiger Jahren.

Ganz diskret, fast verschämt und bislang von der Öffentlichkeit unbemerkt hat der Basler Denkmalrat dem Pharmariesen Roche den Kampf erklärt. «Nach eingehender Beratung auf Grundlage von architektonischen Gutachten und einer Besichtigung vor Ort» beantragt das Gremium die Einleitung eines Unterschutzstellungsverfahrens für drei Roche-Bauten.

Inhalt und Zeitpunkt der Meldung, die lediglich auf der Website der staatlichen Denkmalpflege veröffentlicht wurde, sind äusserst pikant. Aufgeschaltet wurden die «News» nämlich am vergangenen Freitag – just an jenem Tag, an dem Roche die Medien und die Öffentlichkeit über ihre Pläne für den Arealteil zwischen Grenzacherstrasse und dem Rheinufer informierte.

Und diese Pläne sind städtebaulich radikal: Ausser dem Direktionsgebäude Bau 21 von Otto Rudolf Salvisberg aus den 1930er-Jahren und dem 2015 eröffneten Hochhaus Bau 1 von Herzog & de Meuron müssen nach dem Willen des Pharmakonzerns ab 2024 sämtliche bestehenden Bauten einer lockeren Hochhausbebauung in einer neuen Parklandschaft weichen. Insbesondere das Laborgebäude am Solitude-Park, das Hochhaus Bau 52 sowie der «weisse Riegel» entlang des Rheins genügten den heutigen betrieblichen und energietechnischen Anforderungen nicht mehr, argumentiert Roche.

Roche zeigt sich etwas irritiert

Der Denkmalrat sieht das ganz anders. Das Gremium, das aus sieben externen Fachexperten wie Architekten und Kunsthistoriker besteht und der staatlichen Denkmalpflege beratend zur Seite steht, beantragt dem Vorsteher des Bau- und Verkehrsdepartements die Einleitung eines Verfahrens zur Unterschutzstellung des Hochhauses Bau 52 von Architekt Roland Rohn sowie des Betriebsgebäudes Bau 27 von Architekt Otto Rudolf Salvisberg. Beide Gebäude spielen aber in den Überlegungen von Roche für das Areal der Zukunft keine Rolle mehr.

Eugen Krieger, Rektor des Gymnasiums am Münsterplatz und Präsident des Denkmalrats, bestätigt gegenüber der bz, dass der Zeitpunkt des Antrags (gleichzeitig zur Medienkonferenz von Roche) keineswegs zufällig gewählt worden und der Entscheid des Gremiums «klar» gewesen sei. Weiter ins Detail gehen wollte er aber «wegen des laufenden Verfahrens» nicht.

Bei der Roche wiederum zeigte man sich gestern irritiert: «Zum Zeitpunkt der Medienkonferenz am Freitagmorgen lagen uns keine schriftlichen Informationen zu einem solchen Antrag vor», sagt Roche-Mediensprecher Karsten Kleine. Das bauhistorische Gutachten, das als Grundlage für den Entscheid erstellt werden sollte, «ist nach unserem Kenntnisstand noch nicht abgeschlossen».

Unterstützung durch Denkmalpfleger und Heimatschutz

Kleine macht erneut deutlich, dass der Konzern keinerlei Interesse an einem Erhalt des Laborgebäudes (erbaut 1936/37) und des Hochhauses (erbaut 1957-60) habe: «Die beiden Gebäude entsprechen nicht mehr den Bedürfnissen des Unternehmens, eine Sanierung ist aus technischen, ökonomischen und ökologischen Gründen nicht umsetzbar.» Er relativiert auch die Tatsache, dass die beiden Gebäude bereits im Inventar schützenswerter Bauten der kantonalen Denkmalpflege, einer Art Vorstufe zur Unterschutzstellung, eingetragen sind: «Der Erhalt unterliegt immer dem Vorbehalt, dass die Bauten betrieblichen Anforderungen mit verhältnismässigem Aufwand angepasst werden können.»

Nun liegt der Ball bei Baudirektor Hans-Peter Wessels (SP). Er wird die staatliche Denkmalpflege mit den weiteren Abklärungen und Gesprächen mit Roche beauftragen. Der Konzern muss dabei nachweisen, dass eine künftige Nutzung oder Umnutzung der entsprechenden Gebäude tatsächlich unter keinen Umständen möglich ist. Am Ende entscheidet der Regierungsrat in einer Interessensabwägung.

Die Haltung von Denkmalpfleger Daniel Schneller ist klar: «Ich unterstütze den Antrag zur Unterschutzstellung.» Christof Wamister, Obmann des privaten Basler Heimatschutzes, schlägt in dieselbe Kerbe. Das Gesetz sieht drei Möglichkeiten vor, wie dieser Interessenskonflikt gelöst wird: Entweder Eigentümer und Staat einigen sich gütlich in einem öffentlich-rechtlichen Vertrag, die Regierung verfügt eine Unterschutzstellung einseitig per Verfügung oder die Unterschutzstellung ist Teil eines Bebauungsplans. Im letzteren Fall entscheidet der Grosse Rat.

Der Status eines anderen Roche-Gebäudes immerhin scheint unbestritten: Den Direktionsbau 21 von Otto Rudolf Salvisberg (1935/1936), den der Denkmalrat ebenso unter Schutz stellen will, möchte auch die Roche erhalten und weiter nutzen. In einem aufwendigen Renovationsprojekt hat der Konzern kürzlich Dutzende von Millionen Franken aufgewendet.

Autor

Patrick Marcolli

Patrick Marcolli

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