Lärm
Der Aeschenplatz ist besonders laut

Messungen zeigen, wo Basel am lautesten ist: Der Bahnhof SBB belegt den Spitzenplatz der lautesten Orte der Stadt. Die Verwaltung aber zweifelt.

Yen Duong
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Heinz Dürrenberger

Wer sich am Bahnhof Basel SBB beim Einfahren eines Zuges Ohropax in die Ohren stopft, muss sich nicht idiotisch fühlen – zumindest wenn man Messungen von «Hear the World» Glauben schenkt. Denn auf dem Perron stehend müssen die Ohren 89,6 Dezibel (Db) aushalten. Somit belegt der Bahnhof SBB den Spitzenplatz der lautesten Orte der Stadt. Auf Platz 2 folgt der Euro-Airport – dort verursacht ein startendes Flugzeug 79,3 dB (von der Zuschauerterrasse aus gemessen). Auf dem dritten Platz landet der stark befahrene Aeschenplatz am Nachmittag mit 79,0 dB. Des Weiteren wurden 77,2 dB beim Heuwaage-Viadukt, 76,6 dB beim Claraplatz und 76,5 dB auf der Passerelle am Bahnhof SBB gemessen.

Nach Städten wie New York, London, Chicago, Hamburg, München und Zürich hat «Hear the World» – eine Initiative für besseres Hören des Hörgeräteherstellers Phonak – anlässlich des gestrigen internationalen Tags gegen Lärm ebenfalls den Lärmpegel in der Rheinstadt unter die Lupe genommen. Fazit: «Basel-Stadt liegt verglichen mit anderen Städten im Mittelfeld», meint Elena Torresani von «Hear the World».

Messungen seien fraglich

Wieviel Dezibel zumutbar ist, kann Torresani nicht sagen. Grund: «Es kommt immer darauf an, wie lange man dem Lärm ausgesetzt ist.» So könnten die Ohren bei 100 dB bereits nach 15 Minuten geschädigt werden, weiss Torresani. «Man denkt meistens, dass es nur an Konzerten laut ist. Wir wollen mit den Messungen aufzeigen, dass auch der Alltag eine grosse Lärmbelästigung mitbringen kann.» Bei so viel Lärm gibt es aber auch Oasen der Ruhe in der Stadt: Am leisesten ist es am Kleinbasler Rheinufer mit 44,8 dB. Mit 46,5 dB folgt der Münsterplatz.

Peter Mohler, Abteilungsleiter Lärmschutz im Amt für Umwelt und Energie, weiss mit den Messungen nicht sehr viel anzufangen. «Es ist schwierig, etwas daraus abzuleiten. Es ist unklar, was mit diesen Angaben aufgezeigt werden soll.»

So wisse man nicht, wie lange eine Person bei den Messungen mit der Schallwirkung beeinträchtigt wurde. Zudem sei unklar, ob tatsächlich dort gemessen wurde, wo die Leute länger vom Lärm beeinflusst waren. Im Weiteren werde die Lärmbelastung eigentlich in der Mitte des offenen Fensters von lärmempfindlichen Räumen gemessen, sagt Mohler.