Eigentlich ist der Art Parcours bereits die halbe Miete. Wer die Art Unlimited und den Parcours gesehen hat, an der Liste noch eine günstige Zeichnung erworben und sich an einem der zahlreichen Empfänge den Bauch vollgeschlagen hat, der weiss, wie es läuft.

Wer den Art Parcours hingegen auslässt, der wird das ganze Jahr unter Entzugserscheinungen leiden, weil er die Substanz schon wieder verpasst hat.

Glücklicherweise sind die Basler in mancher Hinsicht gleich langsam wie die Berner, sonst wäre der Hafen für die Luxus-Jachten auf dem Kasernenareal schon längst verwirklicht und wir müssten uns die zahlreichen Installationen in Basels Klein-Venedig mit Schwimmweste und Paddelboot ansehen.

Also nichts wie los, das Kind haben wir abgegeben, es produziert grosse Seifenblasen, die wie Installationen von Louise Bourgeois wirken.

Flughafen ins Schlaraffenland

Am Brunnen vor dem Hotel Balade hören wir Marina Abramovics Klanginstallation «The Airport», die 1972 zum ersten Mal gezeigt wurde. Eine Frauenstimme macht die Ansage für den kommenden Flug nach Übersee, wobei die Namen New York und Hongkong so sinnlich und prononciert ausgesprochen werden, als handle es sich um verzauberte Destinationen.

Die Ansage von weit entfernten, exotischen Orten stellte im Belgrad der 1970er-Jahre eine sarkastische Anspielung auf das abgeschnittene kommunistische Jugoslawien dar.

Einige Schritte daneben, in der Velofirma «Obst & Gemüse», ist das vergrösserte und verpixelte Bild einer Lawine – eine Arbeit von Evariste Richer – zu sehen. Die Farbnuancierungen werden durch die Punktvariationen auf den Oberflächen der einzelnen Würfel gebildet.

Die Arbeit erinnert nicht nur an die Weltkarte aus Glaskugeln von Mona Hatoum, die vor Jahren in der Kunsthalle zu sehen war, sondern spielt auch auf die Unvorhersehbarkeit von Naturereignissen an.

Neben der Kasernenturnhalle stehen wir vor Michael Craig-Martins «Hammer (Blue)», die Konturen-Zeichnung eines Hammers, der nicht nur das «Monument to the Last Horse» von Claes Oldenburg parodiert, sondern auch eine wunderschöne Sichtschranke bildet, hinter welcher der Alltag seinen gewohnten Lauf nimmt.

Konsum und Verschwendung

Sterling Rubys «Stove» erinnert an einen Hochofen, das darin flackernde Feuer brennt die gesamte Dauer des Parcours über, die Arbeit ist eine Referenz an die Kindheit des Künstlers, widerspiegelt aber auch sein Interesse an Konsum und Verschwendung.

Auf dem Platz neben den Kindern und ihren Seifenblasen stehen – und der Gegensatz zur bunten Kinderwelt könnte nicht frappanter sein – die schwarzen Materialien von Tom Burrs «Dressage», eine Reverenz an die einstige Kasernenanlage, wo nicht nur Rekruten, sondern auch Pferde ausgebildet wurden. Zaumzeug und Sattel, Geschirr und Leinen werden so präsentiert, als seien es lebende kleine Tierchen.

Doch wir sind schon weiter, steigen die Treppen hoch auf den Dachboden der Kaserne, wo Lisa Oppenheim ihre Videos zeigt, bestehend aus Archivaufnahmen von Rauch auf 35-mm-Film und belichtet mit einem Streichholz und mittels Scannen zu einer Animation zusammengefügt.

Man glaubt, sich türmende Gewitterwolken zu sehen, und die drückende Hitze des Dachbodens lässt einen die baldigen Schauer bereits erahnen. Poesie und Explosion liegen hier nahe beieinander, nicht nur die Installation, auch der imposante Dachbereich ist ein besonderes Parcours-Erlebnis.

Noch schnell zu Danh Vo, in die heiligen Hallen des Kleinen Klingentals, eine funktionale Installation mit Gussformen einer Figur, die seinem Neffen Gustav Vo nachgebildet ist, wobei Aggression und Eros ganz nahe beieinander liegen, wie in vielen anderen Arbeiten Vos auch.

Und zum Schluss noch Martin Waldes Wachsfigur im dunklen Raum des Parterres. Je mehr man sich der Figur nähert, desto mehr Lampen gehen an. Und die Figur selbst beginnt zu schmelzen. Der Betrachter entscheidet also über Gedeih und Verderb der Kunst. Das tut auch unser Kind mit den Seifenblasen, diese grossen Sinnbilder der Vergänglichkeit.