Analyse

Der Aufbruch kommt von links

Rot-Grün jubelt.

Rot-Grün jubelt.

Das Viererticket mit seinem optimistischen «Aufbruch»-Slogan hat nicht funktioniert. Die Einbindung der SVP führte nicht zur bürgerlichen Wende. Im Gegenteil: Basel-Stadt ist links wie nie.

Für den zweiten Wahlgang sei die Prognose gewagt: An der aktuellen parteipolitischen Zusammensetzung der Regierung wird sich nichts ändern. Zumindest nicht, wenn die Bürgerlichen an SVP-Mann Lorenz Nägelin festhalten.

Und auch mit einer neuen Kandidatin – es müsste fast Patricia von Falkenstein sein, die Präsidentin der äusserst erfolgreichen LDP – stehen die Chancen schlecht, würde sie doch eher dem angeschlagenen FDP-Regierungsrat Baschi Dürr Stimmen abnehmen als Rot-Grün. Hans-Peter Wessels (SP) dürfte die Wiederwahl im zweiten Anlauf problemlos schaffen, zumal er wohl die überraschend starke Heidi Mück (Basta) zur Seite gestellt bekommt.

Doch das wird sich am 27. November entscheiden. Interessanter ist, was nach dem heutigen Wahlsonntag festgehalten werden kann. Die Zeit für einen bürgerlichen Schulterschluss ist nicht reif. Die Wählerinnen und Wähler schätzen es ganz offensichtlich nicht, wenn sich ihre Parteien zu einer amorphen Masse ohne Ecken und Kanten harmonisieren und in einem sauglatten Wahlkampf sämtliche Unterschiede verwedeln – selbst die offensichtlichsten.

Wer FDP oder CVP wählt, wählt eben nicht die SVP. Der grosse Trugschluss, dem die Parteistrategen, aber auch die Medien, unterlegen sind: Sie haben das Potenzial der SVP überschätzt. Wäre Riehen nicht, wäre die Rechtspartei in Basel-Stadt eine Randnotiz.

Basel als Vorhölle hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun

Gezeigt hat sich zudem, dass kein Verlautbarungsorgan und kein Gewerbeverbandsdirektor es schaffen, aus dem prosperierenden Basel eine Vorhölle zu machen, in der ein Bürokratiemonster regiert und man an jeder zweiten Strassenecke damit rechnen muss, überfallen zu werden.

Die Lehre für alle Wahlkämpfer muss sein: Man kann um der Botschaft willen zwar etwas überzeichnen, doch eine Parallelwelt jenseits der erlebten Wirklichkeit zu schaffen, ist nicht unbedingt zielführend.

Dass Wessels in eine zweite Runde muss, dürfte wohl der einzige Erfolg dieser Taktik sein. Und selbst das ist nicht sicher, weil der Baudirektor unbesehen der Person stets in der Kritik steht.

Die einzige bürgerliche Partei, die das Experiment Viererticket unbeschadet überstanden hat, ist die LDP. Hier stellt sich die Frage, ob sie trotz oder wegen ihrem Mittun diesen sagenhaften Wahlerfolg eingefahren hat. Sicher ist, dass die Partei neben Sonnyboy Conradin Cramer über weitere herausragende bis originelle Köpfe verfügt.

Weshalb ändern, was die letzten Jahre funktioniert hat?

Bleibt noch Rot-Grün, die weiterhin spielbestimmende Kraft. Es dauerte zwar, bis die erfolgssatte Linke realisierte, dass ein Machtwechsel in der Luft liegt, und sie
in die Gänge kam. Doch der Schlussspurt war beeindruckend. Dafür spricht auch die Wahlbeteiligung von über 44 Prozent, die in den letzten Tagen geradezu sprunghaft angestiegen ist. Und natürlich die Wahl von Elisabeth Ackermann.

Fazit: Basel-Stadt hat sich für Kontinuität entschieden. Weshalb ändern, was die letzten zwölf Jahre gut funktioniert hat? Basel-Stadt hat aber auch dem Zeitgeist getrotzt, gegen Abschottung und Ausgrenzung, für Weltoffenheit und Toleranz.

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