Kündigungsschreiben
Der Auszug aus den Rosental-Häusern ist nur noch eine Frage der Zeit

Seit zehn Jahren kämpfen die Bewohner der Rosental-Häuser um ihre Wohnungen. Nun müssen sie diese bis September 2013 verlassen. Auch Frau T.*, die schon ihr ganzes Leben an der Rosentalstrasse wohnt, muss gehen.

Mélanie Honegger
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Ihre geräumige 4-Zimmer-Wohnung mit den vielen Teppichen wird Frau T. vermissen. Fotos: MHO
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Frau T. muss ihre Bleibe an der Rosentalstrasse per September 2013 verlassen.
Das Wohnzimmer, unter dessen Fenstern stets das Tram anhält.

Ihre geräumige 4-Zimmer-Wohnung mit den vielen Teppichen wird Frau T. vermissen. Fotos: MHO

bz Basel

Gross und üppig dekoriert ist die Wohnung von Frau T.*, die schon ihr ganzes Leben an der Rosentalstrasse wohnt. Via Radio hat sie letzten Freitag mitbekommen, dass die Bewohner per September 2013 aus den Gebäuden ausziehen müssen. Am Tag darauf der bestätigende Anruf von Beat Leuthardt, dem Co-Geschäftsleiter des Mieterverbands Basel.

Der zehnjährige Kampf um den Erhalt der dortigen Häuser geht nun also in die nächste Runde. Leuthardt ärgert sich über das Vorgehen der Zurich Versicherungen, die anstelle der Häuser einen Büroturm bauen wollen.

«Unser Ziel ist es ganz klar, die Kündigungen so lange wie möglich hinauszuzögern. Solche Massenkündigungen sollte es gar nicht erst geben», sagt er klar. Besonders die Auszugsfrist von einem Jahr bereitet den Betroffenen Sorgen.

Vor finanzielle Probleme gestellt

Franco Tonozzi, Mediensprecher der Zurich Versicherungen, betont den guten Willen seiner Institution: «Zurich hat bereits nach alternativem Wohnraum Ausschau gehalten. Wir sind fest entschlossen, für alle Mieterinnen und Mieter eine angemessene Lösung zu finden», erklärt er.

Doch der Verlust günstiger Wohnungen bleibt Hauptstreitpunkt in der Diskussion. «Durch das neue Bürogebäude wird günstiger Wohnraum fehlen», sagt Leuthardt. Die neuen Wohnungen, die in den oberen Stockwerken des Bürogebäudes entstehen sollen, sehen die Leute vom Mieterverband als keinen valablen Ersatz. Sie rechnen mit edlen 4-Zimmer-Wohnungen für mindestens 3000 bis 5000 Franken.

Zum Vergleich: Frau T. spricht bei einer 4-Zimmer-Wohnung von Mietkosten im Bereich von 1200 bis 1600 Franken. «Die neue Situation stellt viele Leute vor ein finanzielles Problem, auch mich», erklärt sie. Tonozzi beteuert derweil: «Wir erachten es als unsere Pflicht, die Menschen in ihrer Wohnungssuche zu unterstützen. Den Mieterinnen und Mietern steht es aber selbstverständlich frei, die Schlichtungsstelle anzurufen.»

Mit Lift und per Tram erreichbar

Genau das will der Mieterverband nun tun: «Wir versuchen, das Bestmögliche rauszuholen», sagt Leuthardt zur aktuellen Situation. Eine Verlängerung der Auszugsfrist ist eines der Ziele, die die Verantwortlichen des Mieterverbandes mit einer Sammelklage erreichen wollen. An dieser ist auch Frau T. beteiligt, die sich bereits mit der Suche nach einer neuen Wohnung beschäftigt.

Sie würde gerne wieder im Kleinbasel wohnen, und auch ein Lift und die Nähe zum Tram sind für die nicht mehr ganz junge Frau wichtig. «Es ist schwierig, eine ebenbürtige Wohnung für den gleichen Preis zu finden», sagt sie und fügt dann an: «Wenn ich aber eine finde, dann gehe ich.» Ob die vielen Teppiche, die Ferienmitbringsel aus Bali und alle anderen Dinge, welche die Wohnung der Anwohnerin prägen, dort noch Platz haben werden, weiss im Moment niemand.

*Name der Redaktion bekannt