Basel-Stadt betreibt auf dem ganzen Kantonsgebiet 30 Verkehrszählstationen, die jedes vorbeifahrende Auto registrieren. Von diesen 30 Anlagen waren im vergangenen Jahr aber mehr als ein Drittel defekt oder «ausser Betrieb», wie dem Jahresbulletin des Amts für Verkehr zu entnehmen ist. Dabei sind diese Messstationen kein Schnickschnack für Statistik-Fans, sondern sie sind notwendig, um die 2010 vom Basler Volk angenommene zehnprozentige Reduktion des Autoverkehrs innert eines Jahrzehnts nachzuweisen.

Die Behörden scheinen diesen Zahlen allerdings keine allzu grosse Bedeutung beizumessen. Darauf deutet nicht nur die hohe Anzahl von zehn defekten Anlagen, sondern auch die nur nachlässig publizierten Daten hin. Während man im Baselbiet beispielsweise jede einzelne Messstation per Internet monatsaktuell abfragen kann, stammen die neuesten Basler Zahlen von 2014.

Die aktuellste Zahl im Verkehrsindex ist sogar nur für das Jahr 2013 erhältlich und malt ein düsteres Bild: Der motorisierte Individualverkehr auf den Stadtstrassen hat demzufolge seit 2010 zwar um ein Prozent abgenommen, der kumulierte Wert inklusive der Nationalstrassen hat hingegen um ein Prozent zugenommen. Auf eine noch stärkere Zunahme deuten die Verkehrszähler an der französischen Grenze hin. Wurden an den drei Standorten Flughafenstrasse Grenze, Flughafenstrasse 30 und Schlachthofstrasse im Jahr 2012 durchschnittlich pro Tag 25 714 Autos gezählt, waren es 2014 29 629. Dies entspricht einem Plus von 15 Prozent.

«Keine markante Zunahme»

Simon Kettner, Leiter Mobilitätsstrategie beim Basler Bau- und Verkehrsdepartement, lässt diese Zahlen nicht gelten. «Die Zunahme basiert in erster Linie auf Umwegfahrten, die sich aus der Baustelle in der Elsässerstrasse ergeben. Wir haben keine Hinweise auf eine generelle markante Zunahme des Verkehrs von und nach Frankreich.» Der grenzüberschreitende Autoverkehr werde mit diversen Massnahmen wie der Verlängerung der Tramlinien 8 und 3 sowie der Mitfinanzierung von Park-and-ride-Anlagen reduziert. «Hinsichtlich der gemäss Umweltschutzgesetz notwendigen Verkehrsreduktion bietet der Verkehr mit Frankreich keine spezifischen Probleme. Wir starten die Reduktion einfach von einem höheren Niveau.»

Den Rückstand beim Publizieren der Verkehrszahlen begründet Kettner mit einer Software-Umstellung. Eine automatisierte Veröffentlichung wie im Baselbiet erachtet er als nicht sinnvoll, weil die «Plausibilisierung und Hochrechnung der Zähldaten eine gewisse Zeit erfordert.» Auf eine Zunahme oder zumindest auf eine Nichtabnahme des Verkehrs in der Stadt weisen jedoch auch die Zählstationen der stadtnahen Baselbieter Gemeinden hin. So wurden auf der Baslerstrasse in Allschwil im Jahr 2010 täglich durchschnittlich 7433 Personen- oder Lastwagen gezählt, 2014 waren es 500 mehr. Auch auf den wichtigsten Zubringerstrassen aus Münchenstein und Muttenz hat der Verkehr seit 2010 zugenommen. Und auch die Daten des Bundesamts für Verkehr weisen für den Raum Basel eine Zunahme auf den Nationalstrassen aus, für 2014 um bis zu 5,4 Prozent.

«Es bräuchte Mut»

Stephanie Fuchs, Geschäftsführerin des VCS beider Basel, überraschen diese Zahlen nicht. «Wir stellen fest, dass die Regierung nicht im Sinn hat, die gesetzlich vorgeschriebene Reduktion um zehn Prozent umzusetzen. Es gäbe durchaus Massnahmen, die die gewünschte Wirkung hätten, man bräuchte aber den Mut, diese anzupacken und den Ärger bestimmter Kreise auszuhalten.»Als Beispiele nennt Fuchs eine griffigere Parkraumbewirtschaftung, die tatsächlich im Portemonnaie spürbar wäre und einen deutlichen Anreiz für die öV-Nutzung und Fahrgemeinschaften schaffen würde. Zudem bräuchte es an den Einfallsstrassen ein Dosierungssystem, das nur noch 90 Prozent des Autoverkehrs in die Stadt einlassen würde. «Damit sich der Verkehr nicht in den angrenzenden Gemeinden staut, müsste die Agglomeration den Verkehr ihrerseits dosieren oder besser noch auf den öV verlagern. Schliesslich ist ein Grossteil davon ihr Pendlerverkehr.»

Über einen Beitrag zur Verringerung des Fahrzeugaufkommens in der Stadt wird bereits morgen Sonntag entschieden. «Wir hoffen natürlich sehr darauf, dass die Strasseninitiative angenommen wird. Sie enthält klare Vorgaben, wie die Strassen für Fussgänger und Velofahrer sicherer und für die Fahrgäste von Tram und Bus attraktiver werden sollen», sagt Stephanie Fuchs.