Wer die kleine Bäckerei an der Güterstrasse 120, gleich beim Ausgang Gundeli beim Bahnhof SBB, betritt, fühlt sich wie zu Hause. An der Wand ein Klavier, daneben ein kleiner Tisch mit Stühlen und einer Bank, hinter der Theke ein holziges Buffet, wie es in einem Wohnzimmer stehen könnte. Das Backwaren-Outlet ist anders als andere Bäckereien – nicht nur optisch: Das Gipfeli zum Kaffi kommt hier nicht frisch aus dem Ofen der Backstube, denn eine solche sucht man hier vergeblich. Das liegt daran, dass das Gebäck, die Sandwiches, Kuchen und Gipfeli in den Körben alle schon einmal in einer Bäckerei waren. Sie wurden nicht verkauft und landen seit knapp zwei Wochen hier.

Begeisterte Bäcker

Ursula Moser und Berto Beat Dünki sind die Köpfe hinter dem Backwaren-Outlet. Sie wollten etwas gegen Foodwaste tun. In der Schweiz landet nämlich ein Drittel aller Lebensmittel im Müll statt im Magen, obwohl sie noch ausgezeichnet wären. Höchste Zeit, dass es für Basler Bäckereien eine Alternative gibt. In Zürich, Bern und Winterthur gibt es bereits seit knapp zwei Jahren die «Äss-Bar», die Backwaren vom Vortag günstiger verkauft. Das Backwaren-Outlet bezieht die Gritti-Manne, Gipfeli und Sandwiches bei kleinen Bäckereien in der Stadt, im Baselbiet und im Fricktal. «Praktisch alle waren begeistert von der Idee und sofort dabei.» Das hat Moser und Dünki motiviert, ihre Idee weiterzuverfolgen.

Auch von der Kundschaft gibt es Rückhalt: «Die Leute sind begeistert und die meisten von ihnen kommen nicht, weil wir günstig sind, sondern weil sie die Idee toll finden», sagt Dünki. Viele gäben ein grosszügiges Trinkgeld oder schreiben einen freien Betrag auf einen Post-it-Zettel, den sie an den Kühlschrank neben dem Eingang kleben. «Mit den Zetteln können Leute bezahlen, die – aus was für Gründen auch immer –, nicht genug Geld haben, um selbst vergünstigte Backwaren zu kaufen», sagt Moser.

Kreative Brot-Ideen gesucht

Im Kampf gegen Foodwaste haben sich die beiden ein hohes Ziel gesetzt: «Wir möchten am Abend nichts wegwerfen.» Im Moment verschenken sie übrig gebliebene Ware nach Feierabend an Passanten. «So können wir auch gleich noch etwas Werbung für uns machen», sagt Moser. In Zukunft möchten sie aber Alternativen finden. «Brot ist vielseitig und kann auch weiterverarbeitet werden.» Brotsuppe, Brottorte oder Paniermehl sind nur einige Beispiele. «Wir sind offen für Ideen und bereits im Gespräch mit einem Whisky-Brauer», sagt Dünki. Auch sonst gehen den beiden die Ideen nicht aus: Wer zum Beispiel seinen Geburtstag im Backwaren Outlet feiern möchte, kann sich anmelden und zusammen mit fünf Freunden vorbeikommen, kostenlos Kaffee oder Tee trinken und dazu Gebäck geniessen.

Das kleine Team – im Moment arbeiten fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das Backwaren-Outlet – ist bunt gemischt. «Wir verstehen uns nicht als Sozialbetrieb, versuchen aber, Menschen eine Chance zu geben, die es schwieriger haben einen Job zu finden.» Dabei stehen die Bedürfnisse der einzelnen Personen im Vordergrund – einige arbeiten im Stundenlohn, um ihr Einkommen aufzubessern, andere beziehen einen monatlichen Fixlohn. Moser und Dünki sind Springer – mit Herzblut.

Backwaren-Outlet Güterstrasse 120, Montag bis Freitag 6.30 bis 18.30 Uhr, Samstag 6.30 bis 17 Uhr.