Barfüsserplatz
Der Barfüsserplatz taugt auch als Opernbühne

Die Aufführung von Verdis «Nabucco» zeigt, dass der Barfüsserplatz nicht nur für Feste taugt. Der Barfi ist nämlich zweifellos auch eine traumhafte Kulisse für Veranstaltungen wie eine Oper, auch wenn sie in Babylon spielt.

Nicolas Drechsler
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«Nabucco» in Szene gesetzt.

«Nabucco» in Szene gesetzt.

Gleich mal vorneweg: Für Opern-Puristen war Nabucco auf dem Barfüsserplatz nichts. Wer sich im Genuss gestört fühlt, wenn der Sitznachbar im Opernhaus laut atmet, der wird es kaum aushalten, wenn mitten im Gefangenenchor die Klingel des Sechser-Trams erklingt. Für jene, die ein musikalisches Experiment inmitten der Altstadt-Kulisse mögen, war der Abend perfekt. Mitveranstalter Thomas Dürr von Act Entertainment war jedenfalls begeistert: «Der Barfi ist ein toller Platz, der bei der Inszenierung mitwirkt und Atmosphäre schafft».

Früher auch Ballett-Bühne

Es sei ja nicht so, dass die Aufführung von Verdis erstem grossen Erfolg etwas völlig Neues sei für den Barfüsserplatz: «Früher fand hier «Basel tanzt» statt, auch ein Anlass aus dem Bereich der sogenannten Hochkultur und das funktionierte ja auch bestens». Bei den Zuschauern fand die Aufführung grossen Anklang. Offenbar war allen klar, dass hier nicht Paata Burchuladze den Zacharias singen würde, wie in der Mailänder Scala, sondern Jurij Kruglov von der Festspieloper in Prag. Den kennt die Opernwelt zwar nicht als grossen Star, doch gemacht hat er seine Sache gut. Genauso wie die übrigen Solisten. Keine Weltklasse, aber solides Handwerk. Und mehr erwartete auch keiner der 2000 Zuschauer auf dem restlos ausverkauften Barfüsserplatz. Eine alte Dame, die nach eigenem Bekunden 1956 zum ersten Mal Nabucco gesehen hat, meinte: «Erst hat es mich gestört, dass mit Mikrofonen gesungen wird, aber nach kurzer Zeit habe ich es einfach genossen, mitten in der Stadt eine Oper zu hören». Operngenuss in der Innenstadt, eindeutig eine Frage der Eingewöhnung, denn auch der Herr daneben brauchte eine kurze Startphase: «Es war etwas laut rundherum am Anfang, aber irgendwie kann man das rasch ausblenden und sich auf die Musik konzentrieren»

Veranstalter wollen Wiederholung

Die Kieler Veranstalter waren zufrieden und aus ihrem Kreise kam gleich die Ankündigung, man werde auch im nächsten Jahr eine Oper auf dem Barfüsserplatz aufführen. Das freut das Basler Standortmarketing. Die Leiterin Sabine Horvath bestätigte, dass bereits Interesse für eine Wiederholung angekündigt worden sei. Der Barfüsserplatz sei «grundsätzlich ein geeigneter Platz für Konzerte, wie man bei «Imagine» und dem Jugend Kultur Festival sieht. Andererseits ist es ein sehr gut belegter Platz, es ist mehr die Frage, ob wir im vollen Bespielungsplan noch einen freien Tag finden».

Stimmen auf dem Barfi?

Wenn es nach Thomas Dürr geht, dann könnte der Plan noch enger werden. Der Veranstalter war von der Stimmung auf dem Barfi so restlos begeistert, dass er mutmasste «eigentlich würde ja auch das Stimmen-Festival hier durchaus hinpassen». Nach dem Opern-Erlebnis mitten in der Stadt bleiben zwei Eindrücke: Erstens, der Barfüsserplatz ist eine traumhafte Kulisse für eine Oper, auch wenn sie in Babylon spielt. Und zweitens: Nebukadnezars Arie «Dio di Giuda», in der er zu Gott findet, wirkt auch dann noch ergreifend, wenn im Hintergrund von einer Restaurant-Terrasse schallendes Gelächter ertönt. Giuseppe Verdis Musik ist einfach deutlich stärker als der Lärm der Stadt.