Lorenz Nägelin ist der wirtschaftsfeindlichste SVP-Parlamentarier. Von 95 bewerteten Grossräten befindet er sich nicht einmal im vorderen Drittel. Ausgerechnet Nägelin. Der gemeinsame Regierungsratskandidat der bürgerlichen Parteien. Hauptsächlich aus zwei Gründen, so predigen die Verantwortlichen von FDP, LDP und CVP, spannen sie bei den Wahlen im Herbst mit der zuletzt verschmähten SVP zusammen. Zum einen sei die SVP hier im Kanton nicht so masseneinwanderungsinitiativrechts wie die nationale Parteileitung. Zum anderen stünde jetzt die Politik für die KMU im Vordergrund, wo man eine grosse Überschneidung mit der hiesigen Rechtspartei teile.

Eine Statistik des Gewerbeverbands zeigt nun aber: Stimmt nicht. Auf der Rangliste der Wirtschaftsfreundlichkeit belegt Lorenz Nägelin gerade mal Platz 37. Dass dies hauptsächlich seinen Absenzen geschuldet ist, spielt dabei keine Rolle. Viel eher müsste man sich fragen, wieso er trotz SVP-Fraktionspräsidium bei KMU-Themen überdurchschnittlich oft abwesend ist. Dass die Statistik ausgerechnet vom Gewerbeverband kommt, macht sie glaubwürdiger, denn der Verband befürwortet ja das bürgerliche Viererticket. Gleichzeitig beschädigt die Statistik aber die Glaubwürdigkeit des Verbands.

Auf Gewerbler angewiesen

Nun könnte der Gewerbeverband argumentieren, dass Nägelin auch so noch vor seinen Konkurrentinnen Martina Bernasconi (Platz 43), Elisabeth Ackermann (53) und Heidi Mück (94) liegt. Doch auch dieser Hinweis hinkt. Ein Gewerbeverband, der links-grüne Politikerinnen und Politiker unterstützt, ist so selten wie eine Gewerkschaft, die für höhere Managerlöhne einsteht.

Was Nägelin im Hinblick auf die Wahlen sorgen muss, ist der Abstand zu LDP-Mitstreiter Conradin Cramer (Platz 12). Das ist keine gute Visitenkarte, die er bei den Gewerblerinnen und Gewerblern hinterlässt. Und auf deren Stimmen ist er immerhin angewiesen.

Eigentlich müsste auch der Gewerbeverband Konsequenzen ziehen und sich still und leise von Nägelin verabschieden. Das kann er aus politischer Opportunität aber nicht tun. Schliesslich geht es um eine bürgerliche Regierungsmehrheit. Diesem Angriff kann Rot-grün seit gestern etwas gelassener entgegenblicken. Die Rangliste ist schliesslich beste Munition.