Strafgericht
Der Basler Kiosk-Schläger muss zwölf Monate ins Gefängnis

Weil er am Kiosk zu lange warten musste, schlug ein Betrunkener beim Claraplatz einen Passanten nieder. Der Täter wurde zu 12 Monaten Haft unbedingt verurteilt.

Patrick Rudin
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Das Urteil im Messerstecher-Prozess ist gefällt (Symbolbild)

Das Urteil im Messerstecher-Prozess ist gefällt (Symbolbild)

Keystone

Es war ein warmer Abend im Juni 2012, als ein Passant beim Kiosk am Claraplatz sein Guthaben auf dem Mobiltelefon aufladen wollte. Weil er das mit Euro tat, dauerte die Geschichte ein wenig länger. Ein hinter ihm wartender Mann mit rund zwei Promille Alkohol im Blut verlor die Geduld und drängte zur Eile. Es ergab sich ein kleines Wortgefecht, schliesslich donnerte der heute 27-jährige Betrunkene dem Passanten ohne Vorwarnung seine Faust ins Gesicht.

Mehrere Zeugen bestätigten, wie er den Kopf des Mannes danach gegen eine Stange schlug, das Opfer landete auf dem Boden, schliesslich setzte es noch Tritte, danach rannte der Schläger weg. Ein weiterer Passant folgte ihm, die Polizei nahm ihn schliesslich an der Greifengasse fest: Er hatte inzwischen sein blutiges Hemd ausgezogen und in eine Tasche gestopft.

Täter wollte «nicht schädigen»

Vor dem Strafgericht lachte der 27-Jährige nur, als ihm Gerichtspräsidentin Kathrin Giovannone die Vorwürfe schilderte. «Nein, niemals. Ich habe noch nie eine Person grundlos geschlagen. Er hat mich zuerst angegriffen. Er hat mich geschubst, mehrmals», betonte er. Die Zeugen würden lediglich ihn beschuldigen, weil er in der Auseinandersetzung eben deutlich der Stärkere gewesen sei. «Wenn man stärker ist, könnte man ja auch aufhören», meinte Giovannone dazu. «Ich hab die Person wirklich nicht schädigen wollen», betonte der Angeklagte. Seine Vorstrafen sprechen aber eine andere Sprache: Er ist in den letzten Jahren mehrmals verurteilt worden, unter anderem wegen Raubes und Gewalt gegen Beamte.

Das Opfer kam mit einer Rissquetschwunde an der Stirn davon und war eine Woche lang arbeitsunfähig. Der Anwalt des Opfers sagte, wenn man eine am Boden liegende Person mit Schuhen ins Gesicht kicke, dann nehme man deren Tod in Kauf. Er forderte eine Genugtuung für das Opfer von 5000 Franken. Staatsanwältin Claudia Schneider ging wegen der Tritte von einer versuchten schweren Körperverletzung aus und verlangte insbesondere wegen der Vorstrafen eine unbedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten für den Täter.
Die Verteidigerin plädierte auf eine bedingte Strafe von sechs Monaten. Ihrem Mandanten sei nach der Schlägerei nicht klar gewesen, wie schwer der andere verletzt gewesen sei. Ausserdem habe das Opfer das Spital noch am selben Tag verlassen können.

Das Dreiergericht beliess es bei einer Verurteilung wegen einfacher Körperverletzung, einen Vorsatz punkto schwerer Körperverletzung könne man dem Angeklagten bei den vorliegenden Beweisen nicht unterstellen. Auch eine Lebensgefahr des Opfers sei in den Akten nicht dokumentiert, sagte Giovannone. Der Mann wurde zu 12 Monaten Haft unbedingt verurteilt. Zusätzlich muss er dem Opfer eine Genugtuung von 2500 Franken zahlen und die Verfahrenskosten übernehmen. Hinzu kommt eine Busse wegen Drogenkonsums. Der Angeklagte hatte betont, er habe inzwischen einen Entzug gemacht und für Oktober eine Lehrstelle im Rahmen einer IV-Umschulung in Aussicht. Sollte das stimmen, kann er die Strafe wohl mit der elektronischen Fussfessel verbüssen – ansonsten kommt er um den Freiheitsentzug nicht herum. Er kann das Urteil noch weiterziehen.