Der Basler Wirtepräsident Josef Schüpfer gibt sich kämpferisch: «Es geht um viel. Wir werden eine Kampagne aufziehen, wie sie unser Verband noch nie gesehen hat.» Schüpfer meint die kantonale Abstimmung vom 27. November. Dann entscheidet das Stimmvolk über die vom Wirteverband lancierte Initiative zur Lockerung des seit April 2010 geltenden Rauchverbots im Stadtkanton: In abgetrennten, aber bedienten Fumoirs sowie in kleineren Gastbetrieben bis zu 80 Quadratmetern soll wieder gequalmt werden dürfen.

Wie viel Geld steckt der Wirteverband in den Abstimmungskampf? Gerüchteweise ist von 300000 Franken die Rede. Vorstandsdelegierter Maurus Ebneter will diesen Betrag aus taktischen Gründen weder dementieren noch bestätigen. Er führt aus: Budgetiert sei ein sechsstelliger Betrag. Mit einem ganz tiefen sechsstelligen Betrag lasse sich in Basel-Stadt kein erfolgreicher Abstimmungskampf führen; umgekehrt wäre ein sehr hoher sechsstelliger Betrag nicht zu verantworten. Laut Ebneter will der Basler Wirteverband mit Unterstützung der nationalen Mutter Gastro Suisse für 90 Prozent des Aufwands selber aufkommen. Die restlichen zehn Prozent sollen Private sowie andere Organisationen beisteuern, darunter der Verein Fümoar.

Knappes Ergebnis erwartet

«Es wird am 27. November wieder knapp werden», prognostiziert Ebneter. Deshalb mache eine aufwändige Kampagne Sinn. Zur Erinnerung: Am 28. September 2008 sprachen sich in Basel-Stadt 52 Prozent der Stimmenden für eine Regel aus, die nur unbediente Fumoirs zulässt. Damals habe der Basler Stimmbürger nur zwischen einem sehr restriktiven Rauchverbot oder gar keinem Verbot auswählen können, gibt Ebneter zu bedenken. «Nun hat er erstmals eine echte Wahl.» Er sei deshalb zuversichtlich, die Abstimmung zu gewinnen. Gegen diese These spricht allerdings ein Volksverdikt im Kanton Solothurn: Dort lehnten im Juni 2010 zwei Drittel der Stimmenden eine Lockerung des 2006 ebenfalls an der Urne beschlossenen Rauchverbots ab.

Kommt hinzu, dass eine nationale Initiative der Lungenliga, die in den nächsten zwei Jahren zur Abstimmung gelangt, einen allfälligen Sieg des Basler Wirteverbands am 27. November zunichte machen könnte. Dies tue der Bedeutung der kantonalen Abstimmung keinen Abbruch, findet Ebneter, denn: «Sie wird national Signalwirkung haben.» Ausnahmsweise derselben Meinung ist Markus Brütsch, Geschäftsführer der Lungenliga beider Basel und somit Vertreter der Gegenseite. «Die ganze Schweiz schaut auf die Basler Abstimmung», sagte er kürzlich der «Basler Zeitung».

Wie viel Geld die Lungenliga in die Kampagne vom 27. November steckt, konnte die bz nicht in Erfahrung bringen: Brütsch war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Bei der ersten Basler Rauchverbots-Abstimmung im September 2008 soll die Lungenliga 250000 Franken aufgeworfen haben.