Das kommt selten genug vor: In einer ersten Einschätzung sind sie alle zufrieden mit den gestern vorgestellten Plänen für das Klybeckareal – von links bis rechts. Sei es nun FDP-Grossrat Andreas Zappalà vom Hauseigentümerverband Basel-Stadt, sei es SP-Grossrat Jörg Vitelli als Präsident der Wohnbaugenossenschaft Nordwestschweiz oder aber Conradin Cramer, LDP-Grossrat und Präsident der Bau- und Raumplanungskommission. Sie alle sehen die Pläne als richtigen und wichtigen Schritt, als grosse Chance für Basel.

Noch sind viele Fragen offen. «Es ist aber sehr spannend zu beobachten, wie hier Regierung und Private gemeinsam aktive Stadtentwicklung betreiben», kommentiert Vitelli. «Das ist natürlich anders als bei Roche, die ein Hochhaus plant, das die Politik dann de facto nur noch abnicken kann.» Mit dem Grossprojekt werde mitten in der Stadt ein grosses Potenzial für Wohnraum und Gewerbe geschaffen, betont Grünen-Grossrat Thomas Grossenbacher. «Das ist natürlich viel besser, als Grünfläche in Basel Ost oder Süd zu überbauen und ganz in unserem Sinn.»

«Klybeck Plus»: Links das Novartis-Hochhaus, in der unteren Bildmitte der ehemalige Ciba-Sitz, weiter rechts der Horburg-Park. Oben im Bild das Areal mit den belasteten Bödenho

«Klybeck Plus»: Links das Novartis-Hochhaus, in der unteren Bildmitte der ehemalige Ciba-Sitz, weiter rechts der Horburg-Park. Oben im Bild das Areal mit den belasteten Bödenho

Cramer wiederum spricht von einer «fast schon visionären Schaffung eines neuen Stadtteils». Gemeinsam versuchten Staat und Private hier offensichtlich, den verschiedenen Interessen gerecht zu werden. Das gelte gerade auch für den Wohnbereich, bei welchem unterschiedliche Segmente vorgesehen sind. Es sei zu begrüssen, dass hier eine Durchmischung angestrebt werde und auch Wohnungen für höhere Einkommensklassen geschaffen werden sollen, sagt der LDP-Regierungskandidat. «Mit dem Projekt wird ein Riegel aufgebrochen, was der ganzen Stadt Schub verleihen kann.»

Nur leise Kritik

Zufrieden zeigt sich in einer ersten Stellungnahme auch Patrick Erny vom Gewerbeverband: Städtebaulich sind diese Pläne sinnvoll», findet er. Mit der Schaffung von neuem Wohnraum könnte im Gegenzug das klassische Gewerbe etwa in den Gebieten Lysbüchel oder Dreispitz entlastet werden. Wegen Lärmklagen ist es dort wiederholt zu Konflikten mit der Wohnnutzung gekommen.

Infrage gestellt wird einzig das Vorhaben der Regierung, auf dem Klybeckareal 50 000 Quadratmeter zur Wirtschaftsentwicklung zu kaufen. «Ist das wirklich Aufgabe des Staates?», fragen Erny und Zappalà unisono, um gleich selber die Antwort zu liefern: Nein, eigentlich sei es nicht am Kanton, derart stark in die Immobilienentwicklung einzugreifen. Erny: «Wir müssen das sicher im Auge behalten.»

Cramer seinerseits hofft darauf, «dass das Grossprojekt nun nicht sofort von einem politischen Kleinkrieg und Partikularforderungen ausgebremst wird». Der Kanton solle nun erst einmal planen können. Denn die Ausgangslage sei für den Kanton besonders toll: «Novartis entwickelt sich weiter und macht gleichzeitig eine solch grosse Fläche frei: Für Basel ist das wie der Batzen und das Weggli.» Nun müsse es mit der Planung aber rasch vorangehen, ergänzt SP-Grossrat Vitelli. «Ich bin da zuversichtlich.»