In Basel soll der Lehrplan 21 mit dem Schuljahr 2015/16 eingeführt werden. Noch bis Ende Jahr läuft die Vernehmlassung in den Deutschschweizer Kantonen. Die Basler Stellungnahme sollte bis Ende Jahr vorliegen. Aus Lehrerkreisen heisst es, der Lehrplan sei akzeptabel. Ein Kritikpunkt ist aber auch hier – wie in den anderen Kantonen – die Kompetenzorientierung. Statt Lernziele werden im Lehrplan 21 (LP 21) Kompetenzen definiert, die die Schülerinnen und Schüler erwerben müssen. Zudem werden Fachbereiche geschaffen, in denen bisherige Einzelfächer zusammengefasst werden.

Fächer weichen

Einer davon ist Natur, Mensch und Gesellschaft. Dieser umfasst Fächer von Physik über Geschichte bis zu Hauswirtschaft. «Die Kompetenzorientierung kann ganz unterschiedlich verstanden werden. Sie muss aus pädagogischer Sicht unbedingt der Anwendungsorientierung dienen und nicht der Verstückelung und Messbarkeit von Bildung», sagt Gaby Hintermann, Präsidentin der Kantonalen Schulkonferenz. Auch wenn die Zusammenfassung von Fächern Chancen bringe, berge sie das Risiko, dass Fachwissen verloren gehe, sagt Hintermann. Denn momentan seien nur wenige Lehrpersonen in den entsprechenden Kombinationen ausgebildet und es fehlten Lehrmittel.

Zum Beispiel für das Fach Natur und Technik, das sich aus Physik, Chemie und Biologie zusammensetzt. «Für einzelne Bereiche stellt sich bei der Umsetzung die Frage, wie die Kompetenzen im Zusammenhang mit der kantonalen Stundentafel erreicht werden können», sagt Hintermann; ein Beispiel neben Bildnerischem Gestalten ist Informatik und Technik.

Probleme ortet beispielsweise auch der Basler CVP-Grossrat und Konrektor des Gymnasiums Leonhard, Oswald Inglin, in der Geschichte. «Im LP 21 verschwindet die Bezeichnung Geschichte.» Die Lerninhalte gehen in die Kompetenzbereiche «Natur, Mensch, Gesellschaft» und «Räume, Zeiten, Gesellschaften» über. Stoffinhalte werden nicht vorgegeben. In Klammern werden Beispiele genannt, an denen Kompetenzen erworben werden sollen.

Unvollständiges Wissen?

Ein Beispiel auf der Sekundarstufe I: Es soll die Kompetenz erworben werden, «an einem geschichtlichen Umbruch der frühen Neuzeit darzulegen, wie sich Denken und Leben der Menschen verändert haben.» In Klammern steht «z. B. Renaissance, Reformation, Aufklärung». Nimmt man die Vorgabe wörtlich, so könnte man sich auf eines dieser Gebiete beschränken. «Dadurch ergäbe sich aber ein sehr unvollständiges Wissen», sagt Inglin. Und es sei schwierig, im Gymnasium auf lückenhaftem Wissen aufzubauen.

Die fehlenden Stoffpläne zu erarbeiten ist Sache der Kantone. Vielfach werde auf bald erscheinende, auf den LP 21 abgestimmte Lehrmittel hingewiesen, die den Stoffplan vorgeben sollen. Inglin: «Ob solche Lehrmittel für den kleinen Markt Schweiz von Verlagen in genügender Dichte erarbeitet werden, ist nicht klar.» Ob und welche Lösungen es geben wird, wird die Auswertung der Vernehmlassung zeigen. Diese dauert bis Ende 2014.