Versicherungsbetrug

Der Brand, der die Taschen füllte: 20‘000 Franken für ein Familiengarten-Häuschen

Im Dezember wird der Fall vor dem Basler Appellationsgericht verhandelt. Anwältin des beschuldigten: «Mein Mandant hat das vorinstanzliche Urteil nicht aus Gründen des Strafmasses weitergezogen, sondern weil er bestreitet, etwas mit der Tat zu tun zu haben. Es wird ein vollumfänglicher Freispruch gefordert.» (Symbolbild Appellationsgericht)

Im Dezember wird der Fall vor dem Basler Appellationsgericht verhandelt. Anwältin des beschuldigten: «Mein Mandant hat das vorinstanzliche Urteil nicht aus Gründen des Strafmasses weitergezogen, sondern weil er bestreitet, etwas mit der Tat zu tun zu haben. Es wird ein vollumfänglicher Freispruch gefordert.» (Symbolbild Appellationsgericht)

Ein Basler Familiengarten-Besitzer soll einen Freund dafür bezahlt haben, sein eigenes Häuschen anzuzünden. Der Gartenhaus-Pächter wehrt sich gegen das Urteil, ein Versicherungsbetrüger zu sein.

Die Freude über den Geldsegen dauerte nur kurz. Der heute 73-jährige Basler bekam von der Versicherung 20'000 Franken, nachdem sein Häuschen auf dem Familiengartenareal des Rankhofs abgebrannt war. Doch die Kriminaltechniker schauten genau hin und schöpften Verdacht. In einer Klappe unter dem Haus entdeckten sie Handschuhe mit der DNA eines vorbestraften Mannes. Die Untersuchung förderte weiter zutage, dass die Versicherungssumme noch am selben Tag beim Geldautomaten abgehoben wurde. Bereits 2008 war das gleiche Gartenhäuschen abgebrannt – daraufhin hatte der Pächter sich mit der Versicherungssumme von 12'000 Franken ein neues gebaut. Nun aber errichtete der Rentner, der nach einer längeren Krankheit auf das Geld angewiesen war, kein neues Häuschen – sondern kündigte seinen Pachtvertrag.

Bei den Untersuchungen verstrickten sich die beiden Beschuldigten in Widersprüche. Der Mann, welcher der Brandstiftung beschuldigt wird, sagte beispielsweise einmal, er habe vom Familiengarten-Pächter Geld dafür bekommen, dass er seine Schuld gestehe. Kurz darauf revidierte er diese Aussage. Auch stellte sich heraus, dass der mutmassliche Brandstifter und der Familiengartenbesitzer zum Zeitpunkt des Brands 2012 gute Freunde waren. Das Strafgericht entschied unter diesen Umständen auf eine bedingte Gefängnisstrafe (für den Pächter) sowie 14 Monate unbedingt für den Mann, der das Gartenhaus im Rankhof angezündet hatte.

Gericht war beim Urteil voreingenommen

Im Dezember wird der Fall vor dem Basler Appellationsgericht verhandelt. Martina Horni, Anwältin des beschuldigten Pächters, sagt: «Mein Mandant hat das vorinstanzliche Urteil nicht aus Gründen des Strafmasses weitergezogen, sondern weil er bestreitet, etwas mit der Tat zu tun zu haben. Es wird ein vollumfänglicher Freispruch gefordert.»

Horni stützt sich unter anderem auf ein Bundesgerichtsurteil, das dem Basler Strafgericht Voreingenommenheit vorwirft. Tatsächlich bewertete das Strafgericht den Umstand, wonach sich der Pächter des Gartenhauses und der Brandstifter nahe standen, als Indiz, dass sie bei der Brandstiftung paktiert hatten. Auch habe das Strafgericht bereits Ermittlungen aufgenommen, bevor der Beschuldigte überhaupt Stellung nehmen konnte. Es telefonierte zu diesem Zeitpunkt schon bei der Versicherung des Brandstifters nach.

Das Bundesgericht sprach von der «erforderlichen Offenheit», die unter diesen Umständen gefehlt habe. Das Strafgericht blieb bei der neuerlichen Behandlung aber bei seiner Meinung. Zwar seien im erstinstanzlichen Verfahren Fehler unterlaufen, doch das ändere nichts am Urteil. Das Gericht kam gemäss den vorliegenden Unterlagen zum Schluss, dass der «Beurteilte das ihm vorgeworfene Delikt begangen hat».

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