Die Aussage ist eindeutig: Das Bundesamt für Verkehr (BAV) kann nachvollziehen, dass die Basler Behörden zur Einschätzung kommen, dass beim Badischen Bahnhof «untragbare Sicherheitsrisiken» drohen. Grund ist der geplante Ausbau der Bahnstrecke Karlsruhe – Basel, dem wichtigen Neat-Zubringer zum eben eröffneten Gotthard-Basistunnel auf der Nord-Süd-Achse zwischen Rotterdam und Genua.

Schon heute gelangen über diese Route jedes Jahr Tausende Tonnen Gefahrengüter durch den Badischen Bahnhof in die Schweiz. Und wie dem Plangenehmigungsgesuch der Deutschen Bahn zu entnehmen ist, werden die Transportmengen mit dem Ausbau bis zum Jahr 2030 nochmals um 60 Prozent steigen. Die Verkehrszunahme führe gleichzeitig zu einer Erhöhung des Risikos, erklärt auch BAV-Sprecher Andreas Windlinger. Die Basler Behörden sprechen von «untragbaren Personenrisiken». Wie die bz am Donnerstag bekannt machte, hat der Kanton deshalb beim BAV Einsprache gegen das Plangenehmigungsverfahren eingereicht.

Keine Verzögerung zu erwarten

Beim Bund lässt man sich vom Basler Widerstand nicht aus der Ruhe bringen. Denn einerseits sind deswegen keine Verzögerungen des Projekts zu erwarten. Windlinger: «Einsprachen sind in jedem Plangenehmigungsverfahren möglich und deshalb im Zeitplan vorgesehen.» Andererseits ist auch den Bundesbehörden klar, dass es beim Badischen Bahnhof zusätzliche Sicherheitsmassnahmen braucht: «Die Deutsche Bahn führt deshalb in ihren Projektunterlagen verschiedene Sicherheitsmassnahmen auf, um dieses Risiko wieder senken zu können», betont Windlinger. Noch ist unklar, wie diese Massnahmen aussehen sollen und ob allenfalls noch weitere nötig werden. Das werde sich erst im Zuge der laufenden Projektbeurteilung zeigen.

Klar aber ist, dass den Basler Behörden die bisherigen Vorschläge nicht reichen: «Der Kanton beurteilt die von der Gesuchstellerin vorgeschlagenen Massnahmen zur Risikoreduktion des Gefahrguttransportes durch den Badischen Bahnhof als ungenügend», erklärt Anne Tschudin vom Gesundheitsdepartement. Gemäss dem internen Papier erkennt der Kanton bei der bisherigen Risikoermittlung verschiedene Mängel, weshalb die Gefahr vom Bund bisher unterschätzt worden sei.

Beurteilungen gehen auseinander

Tatsächlich will man beim Bund bisher keine Probleme erkennen: «Zum heutigen Zeitpunkt gibt es im Bereich des Badischen Bahnhofs keine untragbaren Risiken», betont BAV-Sprecher Windlinger. Gleiches gelte für das gesamte Schweizer Schienennetz. Die Kantonsbehörden beurteilen die Situation schon heute anders. Die Kontrollstelle für Chemie- und Biosicherheit hatte bereits 2013 Alarm geschlagen. Basler Politiker hatten zudem versucht, in Bern Druck zu machen. «Es handelt sich hier immerhin um die am meisten mit Gefahrengüter befahrene Strecke», erklärte etwa SP-Nationalrat Beat Jans. Spätestens mit einem Ausbau der Kapazitäten muss die Sicherheit zwingend erhöht werden. Zumindest in diesem Punkt sind sich alle Akteure einig.