Die deutsche Stadt Osnabrück hat gerade 40 Elektrobusse bestellt. In der chinesischen Metropole Shenzhen fahren seit Anfang Jahr nur noch elektrisch angetriebene Busse – in Zahlen deren 16 359. Das sind nur zwei Nachrichten aus den letzten Wochen zum Stichwort Elektrobus. Auch die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) wagen ein Schrittchen in die Zukunft und haben einen Elektrobus gekauft. Dieser soll im Testbetrieb die nächsten Jahre durch Basel kurven und so Erkenntnisse liefern, wie der Bus der Zukunft in der Praxis abschneidet.

Schon alleine der Vergleich mit anderen Städten zeigt, wie defensiv das Projekt der BVB angelegt ist. Doch dies ist nur ein Aspekt. Denn die BVB als Spätstarter abzutun, ist zu einfach. Auffällig ist vor allem der grundsätzlich unterschiedliche Anspruch an die Busse: Die meisten Verkehrsbetriebe setzen auf ein System, bei dem die Fahrzeuge mit einem Schnellladesystem unterwegs «getankt» werden. Der Vorteil: Die Akkus der Busse fallen deutlich kleiner aus. Die BVB dagegen haben einen «entkoppelten» Bus mit drei Tonnen schweren Batterien auf dem Dach gekauft. Nach fünf bis sechs Stunden im Einsatz muss dieser zum Aufladen in die Garage Rank. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Batterien den ganzen Tag halten, meinte Marcel Kuttler, Leiter Technik bei den BVB. Diese Prognose mag stimmen, aber von diesem technologischen Fortschritt profitieren ja auch die Busse mit Schnellladesystem. Die Grundsatzfrage bleibt also die gleiche.

Fragwürdig wird der Pilotbetrieb, wenn man sich vor Augen führt, dass die BVB in den nächsten Jahren ihre halbe Busflotte ersetzen müssen. Angesichts der Aussagen der Verantwortlichen erscheint es äusserst unwahrscheinlich, dass die BVB sich für die Variante Elektro entscheiden. Bis zur übernächsten Beschaffung in zehn Jahren sei die Chance gross, dass die Batterien dann stark genug seien, meinte Kuttler am Mittwoch bei der Präsentation. Im Umkehrschluss: Für die nächste Busbeschaffung 2020/22 wird es wohl leider nicht reichen. Denn niemand wird ernsthaft 50 Busse anschaffen wollen, die dann über Mittag alle zum Aufladen in die Garage müssen. Die Konsequenz wären die billigeren Diesel- oder Gasbusse.

Dabei wäre die Ausgangslage für die BVB gut, ihren Umstieg mit der grossen Kelle anzurichten. Dass sowohl Politik wie auch Bevölkerung für ein Pionierprojekt im Bereich Ökologie durchaus Geld springen lassen, zeigte sich vor zwei Jahren beim 16 Millionen Franken teuren Neubau des AUE. Dass der Strom der IWB zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen stammt, ist längst eine Selbstverständlichkeit. Gerade die in den letzten Jahren arg durchgeschüttelte BVB sollte ein vitales Interesse an einem positiveren Image haben. Aber wer ein Pilotprojekt so aufgleist, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er vor allem an dessen Scheitern interessiert ist.

Der Moment, dass die Technik ausgereift und erschwinglich genug ist und es zum Generationenwechsel bei den Fahrzeugmotoren kommt, steht kurz bevor. Das zeigt ein Blick auf die Automobilbranche. Aufgeschreckt durch den Hype um die US-Marke Tesla, welche kürzlich ihren ersten Elektro-Lastwagen vorstellte, investieren die Hersteller weltweit massiv in die Entwicklung ihrer eigenen E-Flotte. Gleichzeitig wird überall in Europa die Infrastruktur für die Zukunft fit gemacht. Man müsste eigentlich denken, dass ein Unternehmen im Besitz des Kantons Basel-Stadt in Sachen Nachhaltigkeit und Ökologie eine Vorreiterrolle einnehmen würde.