Grünraum

Der Central Park wird heute vom Parlament versenkt

Wird wohl noch viele Jahr so aussehen: Das westliche Gleisvorfeld am Basler Bahnhof SBB.Eva Wieser

Wird wohl noch viele Jahr so aussehen: Das westliche Gleisvorfeld am Basler Bahnhof SBB.Eva Wieser

Die Situation ist paradox: Heute wird der Grosse Rat die Initiative für einen Central Park am Bahnhof SBB dem Stimmvolk zur Ablehnung empfehlen. Dies, obwohl das mit 3700 Unterschriften in Rekordzeit zustande gekommene Begehren breit abgestützt ist.

Auch im Parlament dürfte es einige geben, welche die Idee einer parkähnlichen Überdachung der Geleise am Bahnhof gut finden, heute aber trotzdem für ein Nein zur Volksinitiative votieren werden.

Widerstand von SBB und BVD

Die Gründe für diese auf den ersten Blick widersprüchliche Haltung sind vielfältig: So haben die SBB als Eigentümerin klar gemacht, dass mit einer Überdeckung der Geleise die Handlungsmöglichkeiten zur Entwicklung des Bahnhofs eingeschränkt werden. Ein offenes Geheimnis ist, dass man im federführenden Bau- und Verkehrsdepartement wenig von der Idee des Basler Landschaftsarchitekten Donald Jacob hält. Letzterem wird überdies vorgeworfen, sich auf sein Projekt zu versteifen und keine Alternativvorschläge zuzulassen.

FDP-Grossrat Elias Schäfer bringt auf den Punkt, was viele denken: «Ich werde Nein stimmen. Aber es ist kein überzeugtes Nein zur Idee eines Central Parks.» Die vorberatende Bau- und Raumplanungskommission (BRK) lobt in ihrem Bericht die Idee als «konstruktiven und prüfenswerten Beitrag zur Stadtentwicklung». In der vorliegenden Form sei das Projekt hingegen nicht realisierbar, so die BRK. CVP-Grossrat Oswald Inglin, der sich seit langem für eine bessere Anbindung des Gundeli an die Stadt einsetzt, überzeugt dieses Argument nicht: «Die Kommission hat sich von den SBB über den Tisch ziehen lassen.» Er ärgert sich über den Entscheid der BRK, auf die von der Regierung vorgeschlagene Machbarkeitsstudie für den Park zu verzichten.

BRK-Mitglied Schäfer hält entgegen: Es mache keinen Sinn, 1,56 Millionen Franken für eine Studie zu verpulvern, mit der die Verwaltung dann aufzeige, dass sich der Central Park doch nicht realisieren lasse. Er hofft aber, dass die Initianten die Flinte nicht ins Korn werfen. Wer weiss: Vielleicht stimmt das Basler Volk am 22. September der Initiative entgegen der Empfehlung des Grossen Rates zu. «Wenn ein klarer Volkswille da ist, dann müssen sich die SBB als öffentliches Unternehmen bewegen», ist Schäfer überzeugt.

Vergleichbarer Grünpark in Bari

Ähnlicher Meinung ist Mirjam Ballmer, Co-Präsidentin der Grünen: «Die Studie bringt nichts, wenn man weiss, dass SBB und Verwaltung dem vorliegenden Projekt sehr skeptisch gegenüberstehen.» Im Gegensatz zu Schäfer wollte Ballmer gestern ihre Meinung zur Abstimmungsempfehlung offen halten. Sie spricht von einer «einmaligen Chance», die das Projekt biete: «Wo sonst können in unserer Stadt Grünflächen neu erstellt werden?», fragt sie und verweist auf ein auffallend ähnliches Projekt, das in den nächsten Jahren am Bahnhof der apulischen Hauptstadt Bari realisiert wird. Anderseits findet Ballmer, dass durch ein solches Projekt der öV nicht eingeschränkt werden dürfe.

SP-Grossrat Jörg Vitelli hält eine Ablehnung zum jetzigen Zeitpunkt für das richtige Vorgehen: Am Bahnhof SBB stehe künftig ein bedeutender Ausbau der Infrastruktur an. «Solange nicht klar ist, was da genau passiert, sollten wir nicht mit einem Park vollendete Tatsachen schaffen», findet er. Die Idee eines Parks sei gut, sie müsse aber in einem Planungshorizont von 10 bis 20 Jahren gesehen werden.

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