Siegeszug
Der Christbaum verbreitete sich aus dem Dreiland über die ganze Welt

Der Brauch des Weihnachtsbaums entstand vor rund 500 Jahren im Dreiland. Von hier aus verbreitete sich das Schmücken einer Tanne zur Weihnachtszeit über die ganze Welt.

Simon Erlanger
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Ein uralter Brauch, der gar nicht so alt ist: Der Weihnachtsbaum im Hof des Basler Rathauses.
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Weihnachtsbaum im Rathaus, Basel
Er brachte den Weihnachtsbaum nach England: Prinz Albert (rechts) mit König Victoria und ihren Kindern.

Ein uralter Brauch, der gar nicht so alt ist: Der Weihnachtsbaum im Hof des Basler Rathauses.

Roland Schmid

Nichts symbolisiert Weihnachten mehr als der Weihnachtsbaum. Unmengen von Rottannen und Nordmanntannen werden Jahr für Jahr gefällt und enden in den Wohnzimmern der Welt. Allein in der Schweiz sind es rund eine Million Christbäume pro Jahr.

Künstliche Bäume

«80 Prozent der gekauften Bäume sind natürlicher Herkunft», erklärt der Basler Weihnachts-Experte und «Ehrespalebärglemer» Johann Wanner gegenüber der bz. Dabei stammen die Bäume entweder aus dem Wald oder aus den Christbaumkulturen der Schweiz und Skandinaviens. 20 Prozent der in der Schweiz erworbenen Bäume seien aber bereits künstlich, das heisst aus Kunststoffen hergestellt. «Man merkt fast nichts. Sie sehen gleich aus. Nur riechen sie natürlich nicht nach Wald und Tanne», sagt Johann Wanner.

Uralte Wurzeln

Woher kommt aber der mittlerweile universelle Brauch ganze Bäume abzuhacken und sie in den Zentren der Städte und in den Wohnzimmern aufzustellen? Der Weinachtsexperte weist darauf hin, dass der Brauch sehr viel ältere Wurzeln hat als das Christentum. Schon zu Urzeiten seien die Menschen zur Zeit der Wintersonnenwende, der dunkelsten Zeit des Jahres um den 21. Dezember herum, in den Wald gegangen und hätten immergrüne Bäume verehrt und geschmückt und dabei Lichter angezündet. Damit hätten sie sich versichert, dass die Dunkelheit vertrieben werde, und mit dem ergrünenden Frühling auch die Sonne, die Wärme und das Leben wiederkommen werden. Auch Kelten und Römer hätten diese Botschaft übernommen. So ehrte man im Mithras-Kult durch das Schmücken eines Baums zur Wintersonnenwende den Sonnengott «Sol Invictus». Auch in nördlichen Gegenden wurden im Winter Tannenzweige ins Haus gehängt, um bösen Geistern das Eindringen zu erschweren. Es sei denn auch die uralte Botschaft des Neuanfangs, die vom Christentum mit Weihnachten übernommen wurde, als die Kirche um das Jahr 354 herum die Geburt Christi auf den 25. Dezember festlegte.

Brauch aus der Region

Seit wann aber gibt es den Brauch des Weihnachtsbaums? Die allerste Erwähnung soll für 1419 in Freiburg im Breisgau nachgewiesen sein.

Johann Wanner verweist auf einen Strassburger Pfarrer, der um 1500 von der Kanzel herab gegen den Brauch gewettert habe. «Der Mann hiess ironischerweise Tannhäuser. Er war gegen das Schmücken der Bäume», erklärt Wanner.

Die Opposition gegen den angeblich heidnischen Brauch hat nichts genutzt. Der Weihnachtsbaum trat seien Siegeszug im Dreiland und darüber hinaus an. Von 1521 stammt ein Eintrag im Rechnungsbuch der Humanistischen Bibliothek in Schlettstadt. 1527 ist von «Weiennachtbaum» die Rede. 1539 wird im Strassburger Münster ein geschmückter Weihnachtsbaum aufgestellt. Schliesslich finden sich Mitte des 16. Jahrhunderts in elsässischen Zunftbüchern Belege für Weihnachtsbäume. 1605 scheint in Strassburg der Brauch, in den Stuben Tannenbäume aufzustellen und zu schmücken, allgemein verbreitet gewesen zu sein. Vom Elsass aus habe sich der Brauch in ganz Deutschland und in Nordeuropa verbreitet.

Weltweiter Siegeszug

Von Deutschland aus habe ihn um 1840 Prinz Albert, der Mann der britischen Königin Victoria, nach Grossbritannien gebracht und dort popularisiert. Mit britischen, irischen und deutschen Auswanderern sei der Weihnachtsbaum in die USA und nach Kanada gelangt. Es sei dann aber erst Hollywood gewesen, welche Weihnachten und den Weihnachtsbaum als Teil des «American Dream» zu einem weltweiten Phänomen gemacht hätten, betont Johann Wanner. «Japan, China, Thailand: Der Weihnachtsbaum brach nach Westen auf und kehrt nun aus dem Osten nach Europa zurück.»