Hatten Sie auch kürzlich Post vom Circus Royal in ihrem Briefkasten? Ein Couvert mit ein bis zwei Freikarten, einer Einladung und weiteren Rabatt-Coupons? Gut möglich, denn der zweitgrösste Schweizer Zirkus setzt voll auf das Freikarten-Prinzip.

Bereits im März wurde Olten regelrecht von den Freikarten überschwemmt. Dort wurden rund 30'000 Gratis-Eintritte – fast doppelt so viele wie Olten Einwohner hat – für sechs Aufführungen per Post oder von Zirkus-Angestellten persönlich verteilt, wie das «Oltner Tagblatt» berichtete.

Auf Nachfrage beim Circus Royal, wie viele solcher Freikarten in Basel (siehe Box) im Umlauf seien, gibt sich Mediensprecher Reto Hütter deutlich zurückhaltender: «Natürlich gehen Freikarten raus. Wie viele das sind, variiert aber von Stadt zu Stadt.» Eine konkrete Zahl möchte er nicht nennen. Sicher sei aber, dass man in Basel und Umgebung die Karten nur in bestimmten Stadtvierteln nach dem Zufallsprinzip verteile.

Hinter den Gratis-Tickets steckt eine einfache Marketing-Strategie: Sie sollen auf den Zirkus aufmerksam machen und dafür sorgen, dass die Vorstellungen gut besucht werden. «Dennoch greifen nur ungefähr drei bis fünf Prozent der Leute auf die Freikarten zurück», räumt Hütter ein. Es gebe viele, die nicht kämen oder den Zirkus lieber am Nachmittag besuchen wollten – die Karten könnten jedoch nur für die Abendvorstellungen eingelöst werden. «Diejenigen, die mit einer Freikarte kommen, haben aber auf jeden Fall Platz im Zirkuszelt», garantiert Hütter.

Die Gratis-Eintritte geben den Besuchern die Möglichkeit, in der niedrigsten Preiskategorie einen Platz zu ergattern. Hütter fügt hinzu: «Viele Leute sind bereit , auf die nächst höhere Kategorie draufzuzahlen.»

Wo bleiben Löwen und Tiger?

In den letzten Jahren waren Löwen und Tiger die Hauptattraktion des Circus Royal. 2018 muss die Show ohne Raubtiere auskommen. Dass es in diesem Jahr keine gefährlichen Katzen in der Mange zu bewundern gibt, liegt daran, dass die neue Raubtiernummer des Circus Krone noch nicht fertig war. Diese hätte der Circus Royal gerne engagiert.

Seit seiner Gründung vor 55 Jahren setzt der «Royal» in Sachen Raubtiernummer auf Know-how und Infrastruktur anderer. Martin Lacey vom Zirkus Krone beispielsweise hat für den Circus Royal schon so mache Raubtiershow auf die Beine gestellt. Royal-Zirkusdirektor Oliver Skreinig hofft aber, dem Schweizer Publikum im nächsten Jahr wieder eine der beliebten Nummern zu präsentieren.Dem Willen zahlreicher Aktivisten, endlich auf Tiernummern zu verzichten, wird der Circus Royal nicht nachkommen. Skreinig will in Zukunft wieder auf den klassischen Zirkus setzen.

Die Tournee 2018 – unter dem Motto Emotionen – wird zeigen, ob sich der Circus Royal auch ohne Raubtiere über gut gefüllte Zelte freuen darf. Statt Raubkatzen sollen spektakuläre Artisten die Besucher anlocken. «Wir haben wirklich ein super Programm. Da ist für jeden was dabei», sagt Hütter.