FC Basel
Der Cupfinal reisst in Basel keinen vom Hocker

Gewinnt der FC Basel den Cupfinal gegen den FC Luzern heute Abend, wäre es definitiv die erfolgreichste Saison der Klubgeschichte. Eigenartig ist nur, dass diese Aussicht im sonst so fussballbegeisterten Basel keine Euphorie auslöst.

Moritz Kaufmann
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Die Euphorie, mit der der 15. Meistertitel gefeiert wurde, scheint für den Cupfinal noch zu fehlen...
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Haben die Basler genug vom Feiern?
Zehntausende Fans jubeltem dem neuen und alten Schweizer Meister zu.

Die Euphorie, mit der der 15. Meistertitel gefeiert wurde, scheint für den Cupfinal noch zu fehlen...

Juri Junkov

Ausgerechnet der Verein mit den meisten Fans und dem grössten Stadion konnte nicht alle ihm zustehenden Tickets für den Final verkaufen. Aus diesem Grund verzichtet der Verein auch auf das geplante aber kostspielige Public Viewing im St.Jakob-Park.

Zwar nutzt die Markthalle die Gunst der Stunde und organisiert ein eigenes Public Viewing, doch ob dieses bei den Fans Anklang findet, sei dahin gestellt. Der Cupfinal, so scheint es, geniesst in Basel nach der Machtdemonstration in der Meisterschaft und der grandiosen Champions-League-Saison keinen hohen Stellenwert.

Teurer als die Champions League

«Es werden zwischen 10000 und 10500 Basler Fans im Stadion sein», schätzt FCB-Mediensprecher Josef Zindel. 3000 Tickets gab der FCB dem Verband zurück, die dann in den freien Verkauf gingen. Zindel hat zwei Vermutungen, weshalb es nicht gelungen ist, alle Plätze zu füllen.

Erstens: «Der Termin ist schlecht gewählt.» Der Cupfinal sei traditionell ein Familienfest an einem Sonntag oder einem Oster- beziehungsweise Pfingstmontag gewesen. «An einem Mittwochabend um halb neun nach Bern zu fahren, ist für Familien und junge Leute schwierig», findet Zindel. Und zweitens: «Unsere Fans haben diese Saison schon sehr viel Geld ausgegeben.» Zindel spricht die lange Saison in der Champions League an. Die Tickets für den Cupfinal seien «nicht ganz billig».

Tatsächlich kostet das billigste Billett heute Abend im Berner Stade de Suisse 50 Franken, während der billigste Platz an einem Champions-League-Heimspiel den FCB-Fan etwas über 30 Franken kostete.

«Der Verband ist selber Schuld»

Markus Vogel, Präsident des grössten FCB-Fanclubs «Bebbi» glaubt aber nicht, dass es am Geld liegt, dass die Basler nicht warm werden für das Spiel heute Abend. 50 Franken seien zwar viel, aber nicht unbezahlbar. Der Schweizer Fussballverband sei selber Schuld am mangelnden Interesse. «So wie die Saison verlaufen ist, so ist der Cupfinal organisiert: chaotisch», wettert er.

Wie Zindel findet Fan-Urgestein Vogel, dass der Termin falsch gewählt sei. Er glaubt jedenfalls nicht, dass die FCB-Fans nach der erfolgreichen Saison und den Spielen gegen Mannschaften wie Manchester United und Bayern München zu verwöhnt seien, um sich das Spiel gegen Luzern anzuschauen. «An dem Cuphalbfinal nach Winterthur sind auch viele Leute gekommen. An den Fans kann es also nicht liegen», ist er überzeugt.

2000 Billette sind noch erhältlich

Beim Schweizer Fussballverband sieht man die Sache nüchtern. 2000 Billette in den Basler Sektoren seien heute noch an der Abendkasse erhältlich, informiert Mediensprecherin Jezael Fritsche. Und: «Die Meisterschaft und Länderspiele liessen nur den Mittwochabend zu.»

FCB-Fan Vogel ist nicht überzeugt. Er ist sich sicher, dass man den Match an einem Sonntag hätte ansetzen können. «Jetzt verkommt das traditionelle Volksfest Cupfinal zu einer reinen Pflichtaufgabe.»