Momo, Thukpa und Tsampa: Das sind nicht etwa Charaktere in Fantasy-Romanen, sondern tibetische Köstlichkeiten. Zu geniessen werden sie während des Tibet-Fests sein, das von heute bis zum 17. August in Basel stattfinden wird. Schon zum siebten Mal laden die Gesellschaft Schweizerisch-Tibetische Freundschaft (GSTF) und die Tibetergemeinschaft Basel (TiGBa) zu den Kulturfestlichkeiten ein.

Seit der letzte grosse Volksaufstand im Tibet 1959 vom chinesischen Militär niedergeschlagen wurde, sind bis heute 80 000 Tibeter ins Ausland geflohen. 4000 davon haben eine neue Heimat in der Schweiz gefunden – sie ist in Europa das grösste Exilland für tibetische Flüchtlinge. Alleine im Grossraum Basel leben um die 450 Tibeter. Einer davon ist Geleg Chodak, der als Kind in den 60er-Jahren in eine Basler Pflegefamilie gekommen ist. «Damals wurde ich von meinen tibetischen Wurzeln abgenabelt», sagt er. Als er nach 38 Jahren seine leibliche Familie wieder traf, war die kulturelle und sprachliche Barriere so gross, dass er sich nicht einmal mit seinen Verwandten unterhalten konnte. Nach diesem schicksalhaften Erlebnis stand sein Entschluss fest: «Es muss etwas geschehen!» Seither engagiert er sich bei der TiGBa für die Förderung der Tradition Tibets in der Schweiz und engagiert sich auch dieses Jahr wieder am Tibet-Fest.

«Ein Geben und ein Nehmen»

Die tibetische Kultur hat viel zu bieten – das wissen auch immer mehr Schweizer. «Viele bedienen sich gerne auch an der spirituellen Tradition Tibets. Immer öfter hört man von einer ‹Entspannungsreise› in ein tibetisches Kloster», erzählt Chodak. Obwohl es ihn freut, dass Interesse am kulturellen Reichtum seines Heimatlandes besteht, glaubt er: «Es braucht ein Geben und ein Nehmen. Ich würde es begrüssen, wenn die Leute, die sich von der tibetischen Kultur angesprochen fühlen, sich auch für die politische Lage und das Schicksal des Landes interessieren und am liebsten auch für Tibet einsetzen würden.» Dieses Anliegen soll nun auch während des Tibet-Fests zum Ausdruck kommen. So wird beispielsweise die Tibetkennerin und Filmemacherin Ashi Hunger ihre Dokumentation über das Leben der letzten Nomaden Tibets vorstellen – ein Schwerpunkt der Festlichkeiten. Ein weiterer Höhepunkt wird ein Vortrag zur tibetischen Medizin sein. Dieser wird von Herbert Schwabl, Forschungsleiter des Schweizer Pharmaunternehmens Padma AG, gehalten.

Gleichzeitig soll den Besuchern des Festes aber auch ein praktischer Einblick in das traditionelle tibetische Leben ermöglicht werden: Auf dem Basar und am gemeinsamen Abendessen kann man verschiedene kostbare und kulinarische Entdeckungen machen. Untermalt werden die Festivitäten während der drei Tage von traditionellen Tanzgruppen und musikalischen Darbietungen.

Zurück zu den Wurzeln

Am Sonntag, dem letzten Tag des Tibet-Fests, referiert schliesslich der Abt des Klosters in Rikon über die Haltung des Buddhismus gegenüber der Umwelt. Das Kloster wurde 1966 vom 14. Dalai Lama gegründet und ist eines der Sinnbilder tibetischen Lebens in der Schweiz: «Spiritualität ist im tibetischen Alltag stark verankert», sagt Chodak.

Neben dem vielfältigen Unterhaltungsprogramm soll das Fest auch die Möglichkeit bieten, neue Kontakte zu knüpfen: nicht nur zwischen Schweizern und Tibetern, sondern auch zwischen integrierten Tibetern und solchen, die erst vor kurzem in die Schweiz gekommen sind. «Es ist unsere Pflicht, unseren Landsleuten hier bei der Integration zu helfen. Genauso ist es für uns wichtig, uns an unsere Wurzeln zu erinnern», ist Chodak überzeugt.

Zu den tibetischen Wurzeln gehört auch die Sprache. Deshalb ist die TiGBa zurzeit daran, eine Sprachschule in Basel aufzubauen. Und auch für Jugendliche, denen Vokabeln und Grammatik büffeln zu trocken ist, gibt es mit der bereits etablierten Jugendtanzgruppe eine Möglichkeit, die Kultur des eigenen Heimatlandes zu pflegen. An diese zwei Projekte soll dieses Jahr auch der Erlös des Tibet-Fests gehen, sagt Chodak.