Polizei
Der DJ-Schweizermeister war einer der ersten Basler Anti-Terror-Spezialisten

Herbert Benz begann seine Berufslaufbahn als Buchhalter und wechselte 1975 zur Polizei. Bereits ein Jahr später gehörte er zu den ersten Basler Anti-Terror-Spezialisten. In jüngeren Jahren spielte er in einer Band und legte erfolgreich als DJ auf.

Pascale Hofmeier
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Herbert Benz übte lieber Sprengen als Abseilen.

Herbert Benz übte lieber Sprengen als Abseilen.

Martin Töngi

Mit Stahlhelm, Panzerweste und bewaffnet mit der Maschinenpistole lag Herbert Benz im März 1980 an der Flughafenstrasse in Deckung, um das Auto der Bankräuber zu stoppen. Die beiden Gangster hatten eine Geisel, die Männer der Anti-Terror-Einheit einen Schiessbefehl.

Schiessen musste niemand, die Räuber gaben selber auf und wurden festgenommen. «Das war einer meiner prägendsten Einsätze», erinnert sich der heute 66-Jährige. Als die erste Anti-Terror-Einheit in Basel 1976 aufgebaut wurde, gehörte er zu den 35 Polizisten, die für die Terrorismusbekämpfung ausgebildet wurden. Der Kalte Krieg und die linksterroristischen Attentate der Roten Armee Fraktion (RAF) in Deutschland hatten die Stadt Basel bewogen, die Einheit aufzubauen. Diese funktionierte im Milizsystem.

Sprengübung am Objekt

«Neben dem Dienst hatten wir Pikett und mussten zweimal pro Monat trainieren.» Fitness, Schiessen, Abseilen und Sprengen standen dann auf dem Programm. Geübt wurde am Objekt: Die Männer seilten sich an Hauswänden oder Felsen ab und jagten Eisenbahnschienen in die Luft.

«Wir mussten sprengen können, um beispielsweise im Häuserkampf Türen öffnen zu können.» Für die Pyrotechnik hatte Benz Spass ein gutes Gespür. Weniger lag ihm das Abseilen: «Das war nicht so mein Ding, selbst wenn ich es den Korpspolizisten unzählige Male vorzeigen musste.» Physisch wurde den Polizisten viel abverlangt.

In den Einsätzen hat Herbert Benz seine Dienstwaffe mehrmals gezogen. Zum Beispiel nach einem Überfall auf die Regiobank auf der Lyss. Dort erschrak der Räuber angesichts des auf ihn gerichteten Laufs so heftig, dass er sich in die Hosen machte. «Ich musste zum Glück nie schiessen.»

Bescheidene Ausrüstung

Froh ist er auch, dass ihm selber bei den Einsätzen nie etwas passiert ist. «Im Vergleich zu heute waren unsere Ausrüstungen sehr bescheiden», sagt Benz. Die Stahlhelme waren schwer und die Panzerwesten wogen noch viel schwerer: «Immer nach dem Ausziehen hatte man das Gefühl davonzufliegen.» Die wirklich guten Ausbildungen hätten zu der Zeit in Deutschland stattgefunden. «Die hatten durch die Zwischenfälle mit der Russenmafia und der RAF viel mehr Erfahrung.»

Seine Berufslaufbahn hatte Benz klassisch begonnen: in einem Einzelbüro als Buchhalter. Doch da gefiel es ihm nicht. «Ich wollte raus zu den Menschen», erklärt er den Wechsel zur Polizei im Jahr 1975. Es gab noch einen anderen Grund: Er suchte Action.

Schweizermeister als DJ in den 70er-Jahren

Als junger Mann spielte er in einer Band und war DJ. Mit seinen Rock’n’Roll-Sets gewann er in den 1970er-Jahren zweimal die Schweizer DJ-Meisterschaft. Still sitzen sei nicht seine Kernkompetenz, sagt Benz, dessen Erscheinung nicht zum Wort Rentner passen will. Heute kanalisiert er die Energie in seinem Garten, dem Haus im Tessin und beim Wake-Boarden mit seinen beiden erwachsenen Kindern. Und denen kann er viele Geschichten über Staatsmänner und -frauen erzählen. Und über Rockstars.

In den ersten Jahren der Anti-Terror-Einheit landeten noch etliche Staatsbesucher am Flughafen Basel. «Wir mussten sie dann eskortieren.» Benz blättert in seinen Alben. Es sind zwei polizeiblaue Ordner mit dem Logo der Kantonspolizei Basel.

Die Bilder zeigen die Staatsbesuche der Queen am 1.Mai 1980 und 1983 mit dem Französischen Präsidenten François Mitterrand. «Regelmässig kam die niederländische Königin Beatrix.» Sie besuchte ihren Mann Claus, der in der Psychiatrischen Klinik behandelt wurde.

«Wir holten sie fast wöchentlich am Flughafen ab.» Einmal, da sei er ohne die Genehmigung der Franzosen mit der Königin im Auto übers Rollfeld gefahren, «unter dem Flügel einer eben gelandeten DC 10 durch. Das gab eine Riesenschelte.» Ein anderes Mal hat er Ronald Reagans Tochter Maureen an die Muba begleitet. Dann sei ein Besoffener aufgetaucht. «Die amerikanischen Bodyguards haben den sofort zu Boden gebracht. Wir waren allgemein sehr viel zurückhaltender.»

Pensioniert als Polizeikommissar

Nach sechs Jahren verliess Herbert Benz die Anti-Terror-Einheit 1985: «Ich kam physisch an meine Grenzen.» Pensioniert wurde er als Polizeikommissar. Und seine Augen leuchten auf, als er von seiner beruflichen Tätigkeit neben und nach der Anti-Einheit erzählt.

«Ich betreute die Absprachen zwischen den Konzertveranstaltern im Joggeli und der Polizei.» Und so kam er zu den Stars hinter die Bühne: den Rolling Stones, AC/DC, Tina Turner und Michael Jackson. «Ich wusste, dass Jackson ein Uniformen-Narr war», erzählt Benz. Darum habe er die Polizeischule aufgeboten, um auf dem Weg von der Garderobe zur Bühne für Jackson Spalier zu stehen. Und diese wurden für den Einsatz belohnt: «Er hat auf dem ganzen Weg vor den Polizeischülern getanzt.»