Wirtewechsel
Der Drache lernt italienisch – und weitere Wechsel in der Basler Gastronomie

Wirte-Wechsel stehen an: Den Goldenen Drachen auf der Lyss übernehmen Stefano und Stefania Giovannini. Das Café Hebel sucht einen Nachfolger. Und bei der Brasserie Hugo im Ackermannshof, die momentan leer steht, ist noch kein Nachfolger in Sicht.

Nicolas Drechsler und Rahel Koerfgen
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Vor zehn Jahren übernahmen sie das legendäre Restaurant «Uff dr Lyss»: Sanh Lam Kha (links) und My Linh Kha-Huynh.

Vor zehn Jahren übernahmen sie das legendäre Restaurant «Uff dr Lyss»: Sanh Lam Kha (links) und My Linh Kha-Huynh.

Roland Schmid

Stefano Giovannini und seine Frau Stefania mausern sich langsam aber sicher zu echten Gastro-Unternehmern rund um das Spalentor. Nachdem das Paar vom «Aroma» an der Sattelgasse das «Charon» am Schützengraben vor dem Gang über den Styx bewahrt hatten, ist jetzt der «Goldene Drache» auf der Lyss dran. Wie der heutige Wirt Sanh Lam Kha bestätigt, übernimmt Giovannini das Ruder in seinem chinesischen Restaurant.

Dieses hatten Kha und seine Frau My Linh 2010 in den Räumen einer legendären Basler Beiz, dem «Restaurant auf der Lyss» eingerichtet und mit viel Fleiss und Erfolg betrieben. Nun, nach einem Leben, das den ehemaligen Bootsflüchtling Kha quer durch Asien bis in die Schweiz gebracht hatte, will er endlich seinen Ruhestand geniessen. Und Giovannini kann sein kulinarisch-apulisches Reich um eine Provinz erweitern. Mit der Küche aus dem äussersten Süden Italiens macht er bereits im Charon gute Erfahrungen, das er 2015 von der Witwe des Basler Gault-Millaut-Kochs Urs Weidmann übernommen hatte.

Café Hebel braucht Nachfolger

Etwas weiter die alte Stadtmauer hinunter sucht an der Ecke Petersplatz/Petersgraben das Café Hebel einen neuen Betreiber. Andres Vonder Mühll, der hier bislang wirtete und Freunde der Basler Geschichte willkommen hiess, hört auf. «Die Mehrfachbelastung war mir irgendwann zu viel. Und so ein Ort funktioniert nur dann richtig, wenn du als Gastgeber auch hinter dem Tresen stehst», sagt er.

Mit seiner Arbeit bei «Em Basler Sy Bier», dem Lokal in der Lehenmatt, seiner Familie und zahlreichen anderen Tätigkeiten habe die Zeit nicht mehr gereicht. «Irgendwann hat alles gelitten», konstatiert Vonder Mühll. Im Café Hebel hatte er auch mit der Internetseite «Verschwundenes Basel» zusammengearbeitet und ganz auf städtische Nostalgie gesetzt.
Mit einem potenziellen Nachfolger sind Vonder Mühll und die Hausbesitzerin nun im Gespräch. Er hoffe, bis im September 2018 über die Zukunft kommunizieren zu können, sagt der Wirt. «Die Baustellen sind ja jetzt weg, da kann ich guten Gewissens die Übergabe machen», sagt er.

Ganz aus der Gastronomie verabschieden will sich Vonder Mühll aber doch nicht. Und macht erste Andeutungen über ein Restaurant mit Puschlaver Spezialitäten auf dem Birsigparkplatz, in das er sein Wirtepatent einbringen wolle.

Ackermannshof AG auf der Suche

Nicht so geordnet wie bei Vonder Mühll lief die Geschäftsabgabe im Frühling bei der Brasserie Hugo im Ackermannshof im St. Johanns-Quartier. Wirt Hugo Buser gab Ende März quasi über Nacht auf, der Konkurs drohte. Und das nach nicht einmal einem Jahr. Seither steht das Restaurant im historischen Gebäudekomplex leer, ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Die Suche laufe noch, sagt Gastrounternehmer Jérôme Beurret von der Rhyschänzli-Gruppe, die den Vertrag von Buser übernommen hat und nun um die Findung eines neuen Mieters besorgt ist – im Auftrag der Hauseigentümerin, der gemeinnützigen Ackermannshof AG. Im Verwaltungsrat sitzt unter anderem der Manager Rolf Soiron, der im Mai 2018 als Präsident des Chemieunternehmens Lonza zurückgetreten ist.

«Es haben sich einige Gastronomen gemeldet, doch bis dato konnte die Eigentümer kein Konzept überzeugen,» sagt Beurret zur bz. Es sei der Wunsch da, dass das neue Konzept länger als ein Jahr Bestand habe. Beurret wollte keine weiteren Angaben zu den Bewerbern machen. Dem Vernehmen nach soll unter ihnen Tom Wiederkehr sein, der im Mai den Predigerhof auf dem Bruderholz neu eröffnet hatte. Ein Insider sagt: «Es ist klar, dass einer, der in seiner Beiz Werbesonnenschirme von Pepita aufstellt, nicht den Vorstellungen der Ackermannshof-Eigentümer entspricht.»

Vielleicht kann Wiederkehr froh drum sein. Das Wirten im Ackermannshof scheint unter keinem guten Stern zu stehen; seit 2007 kam es zu drei Wirtewechseln: Den Anfang machte Starkoch Dominique Lambelet (Paste Ines, ehemals Gundeldingerhof und Rollerhof), danach kam Jayesh Kumar (Jay’s) und dann Hugo Buser.

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