Basel
Der «Drecksack» kam gut an: Organisatoren ziehen eine positive Bilanz

Die Organisatoren der «Drecksack»-Kampagne, die diesjährige Littering-Kampagne von Kanton und Firmen, habe eine positive Bilanz ihrer dreimonatigen Aktion mit Fastfood-Transport- und Entsorgungssäcken gezogen. Eine Wiederholung ist ungewiss.

Martina Rutschmann
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Hauptpreis-Übergabe: Mathias Boehm (l.) von der Pro Innerstadt und Marc Etterlin vom Amt für Umwelt und Energie.

Hauptpreis-Übergabe: Mathias Boehm (l.) von der Pro Innerstadt und Marc Etterlin vom Amt für Umwelt und Energie.

Roland Schmid
«Drecksack»-Kampagne zieht Bilanz

«Drecksack»-Kampagne zieht Bilanz

Roland Schmid

Man könnte meinen, ein kleiner, grüner Plastiksack habe im Eiltempo die Basler Welt verbessert respektive sauber gemacht. Voller Euphorie berichtet Pro-Innerstadt-Geschäftsführer Mathias F. Böhm von der Aktion «ein Drecksack macht sauber», die nun nach drei Monaten beendet wurde – und gemäss Böhm ein Erfolg war, der alle Beteiligten «positiv überrascht» hat. Entsprechende Zahlen liegen allerdings keine vor, die Verantwortlichen verlassen sich allein auf die Beobachtungen der Mitarbeiter von der Stadtreinigung.

2016

Ein Verbot für Wegwerf-Plastiksäcke soll frühestens Anfang 2016 umgesetzt werden. Das Parlament hat Ende 2012 ein Verbot der «Raschelsäcke», die in Grossverteilern aufliegen, beschlossen – und eigentlich hätte es Anfang 2015 in Kraft treten sollen. Die Umsetzung verzögert sich allerdings, da diese Regelung bei den Betroffenen kontroverse Positionen auslöst.

Was diese seit Mitte Mai gesehen haben: viel grüner Plastik in Form von kleinen Säckchen. Wo sie das gesehen haben: vorwiegend in für Abfall vorgesehen Behältern wie öffentlichen Mülleimern oder Containern. Und in welcher Form: meist gefüllt mit Unrat, allem voran Take-away-Verpackungen. Insofern kann wohl tatsächlich von einem Erfolg gesprochen werden, denn das Ziel der Aktion bestand darin, Menschen in ihrem Umgang mit Müll zu sensibilisieren. Konkret: Die Idee der Arbeitsgemeinschaft Basler Littering-Gespräche war es, die Stadt sauberer zu machen. Weniger herumliegende Pizzaschachteln und Flaschen, mehr Disziplin.

Rheinbord als Vorzeige-Schauplatz

Insgesamt 820 000 «Drecksäcke», wie die grünen Beutel korrekt heissen, gingen über Laden- und Take-away-Tische. Im Gegensatz zu den durchsichtigen «Raschelsäcken», die Grossverteiler gratis zur Verfügung stellen (siehe Box), diente das grüne Pendant jedoch nicht als Einkaufstüte und war deshalb nicht zu jeder Tageszeit verfügbar; sondern dann, wenn Menschen mit dem Ziel Essen kauften, dieses im öffentlichen Raum zu verzehren. Also vorwiegend mittags und abends.

Ob der eine oder andere «Drecksack» allerdings trotzdem als Einkaufssäckchen diente, kann nicht ausgeschlossen werden, da wie erwähnt keine Zahlen vorliegen. Die Arbeitsgruppe geht aufgrund der Beobachtungen der Stadtreinigung aber davon aus, dass die Botschaft verstanden wurde und der Sack in erster Linie als praktischer Müllsack für die leere Kebab-Schachtel und die verschmutzte Serviette wahrgenommen und genutzt wurde.

Dem stellvertretenden Leiter der Stadtreinigung, Marc Etterlin, wurde von seinen Leuten zugetragen, dass sich die Littering-Situation insbesondere an den neuralgischen Orten verbessert habe. Namentlich am Rheinbord sei morgens weniger Müll herumgelegen als in anderen Jahren, was teilweise allerdings auch auf das schlechte Wetter zurückgeführt werden könnte, räumt Etterlin ein. Die Aktion wertet auch er als positiv. Von einem «guten Ansatz im Kampf gegen Littering» spricht auch Matthias Nabholz, neuer Leiter des Amts für Umwelt und Energie. Ihm ist das Thema unter anderem darum vertraut, weil vier seiner Mitarbeiter als Littering-Botschafter respektive Abfall-Kontrolleure unterwegs sind. So gross die Euphorie bei den an der Aktion beteiligten Behörden, Wirtschafts- und Gewerbevertretern auch sein mag – niemand glaubt ernsthaft, dass das Littering-Problem mit der jüngsten Sensibilisierungs-Kampagne aus der Welt geschafft wurde. Aber: «Die Konsumenten haben sich dadurch vermehrt mit dem Thema auseinandergesetzt und allenfalls ihre Gewohnheiten geändert», sagt Mathias F. Böhm.

Die Fachhochschule Nordwestschweiz hat die Aktion begleitet und ist dabei, eine Studie zum Thema fertigzustellen. Zahlen werden auch darin keine zu finden sein, dafür Antworten auf die Frage: Wie haben die Konsumenten die Aktion wahrgenommen? Vorweg kann dazu bereits jetzt gesagt werden, dass der «Drecksack» zumindest einem Teil von dessen Benutzern in guter Erinnerung bleiben wird: Etliche Preise wurden verlost, gestern der Hauptgewinn: ein Fest auf einer Fähre im Wert von 3000 Franken. Die Teilnahme an den Wettbewerben sei insgesamt allerdings «mässig» verlaufen. Ob die «Drecksack»-Aktion wiederholt wird, ist unklar.