Hektik herrscht am Universitätsspital Basel (USB). Die zwei Notfallteams, die in lebensgefährlichen Situationen eingreifen, stossen an ihre Grenzen. Eines ist für den OP-Bereich (grüne Zone), eines für den restlichen Bereich (weisse Zone) zuständig.

Tausendmal musste im vergangenen Jahr das Notfallteam aus dem OP-Bereich in der weissen Zone aushelfen. Die Folge: Mehrere Operationen mussten verschoben – meist um ein paar Stunden, seltener Tage. Alleine in der weissen Zone stieg die Anzahl Fälle des Notfallteams zwischen 2015 von 1931 auf knapp 2600 im vergangenen Jahr.

Das hängt nicht nur damit zusammen, dass sich mehr Patienten im Unispital behandeln lassen. Luzius Steiner, Chefarzt der Anästhesiologie, sagt, dass ausgerechnet der medizinische Fortschritt dem Unispital zu schaffen mache. Bei einem Hirnschlag etwa könnten die Patienten heute bis zu 24 Stunden notfallmässig behandelt werden; vor wenigen Jahren setzte man die Notfallteams auf diesem Gebiet lediglich sechs Stunden ein.

Noch wurden keine dringende Operationen verschoben

In einem jüngst publizierten Ratschlag der Basler Regierung heisst es zudem: «Der Notfallbetrieb des USB im Allgemeinen und die teils hohe Komorbidität der Patientenschaft im Speziellen bringen eine deutlich höhere Inzidenz an lebensbedrohlichen Notfällen mit sich als in anderen Institutionen.» Zudem würden viele Patienten mit «hochgradig erschwerter Mitwirkung» zugewiesen, was den Notfallbetrieb belaste und ein aufwendiges Sicherheitsdispositiv erforderlich mache.

Das absorbiert. «Noch», sagt Steiner, «ist es zum Glück nicht zu Verschiebungen dringlicher Operationen gekommen, weil zu wenige Notfallkräfte vor Ort gewesen wären.» Momentan befindet man sich noch in der Situation, die planbaren Eingriffe etwas nach hinten zu verschieben. Die Operationen von Armbrüchen oder Schenkelhalsfrakturen etwa. Das Unispital unterteilt bei der Dringlichkeit von OPs in Kategorien.

Weder Patienten der Notfallkategorie 1 (sofortige Operation nötig) noch die Notfallkategorie 2 (Operation innerhalb von sechs Stunden nötig) hätten bisher posteriorisiert werden müssen. Steiner sagt: «Die Überlastung hat noch nicht zu gefährlichen Situationen geführt. Zum Glück mussten auch noch nie Operationen unterbrochen werden, weil unsere Notfallteams einen anderen Fall zu behandeln hatten.»

Personalsituation habe sich grundsätzlich verschärft

Steiner sagt aber auch, dass sein Team Überstunden angesammelt habe. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Notfallteams seien jung und zögen sich bisweilen Sportverletzungen zu – gelegentlich komme es auch zu Schwangerschafts- und Mutterschaftsausfällen. «Die Lücken werden dann aus dem restlichen Kollektiv der Anästhesiepflege und Ärzte geschlossen, was aber dort zu Überzeit führt», sagt Steiner. «Wir befinden uns nicht in der Komfortzone», räumt der Chefarzt Anästhesiologie ein.

Hanna Bay von der Gewerkschaft Vpod hat noch nichts Konkretes über die Notfallteams gehört. Wiederbesetzungen von Vakanzen seien teilweise schwierig und dauern je nach dem sehr lange, unter anderem da sämtliche Stellen vom Spitaldirektor genehmigt werden müssten. Sie sagt, die Personalsituation im Unispital habe sich grundsätzlich verschärft.

Auf der Notfallstation sei es schwierig, ausgeschriebene Stellen zu besetzen. «Das kann auch damit zu haben, dass es sich rumgesprochen hat, dass der Stress hier besonders gross ist.» Bay bereitet allerdings die allgemeine Tendenz beim Personal im Gesundheitswesen Sorgen. «Seit der Einführung der Fallpauschalen hat der Druck stark zugenommen», sagt sie.

Doch in diesem Fall hat das USB das Problem erkannt. Gemäss dem jüngsten Ratschlag des Regierungsrats zu den Gemeinwirtschaftlichen Leistungen «prüft» es derzeit, ein zweites Notfallteam im weissen Bereich vorzuhalten. Dafür brauche es rund 16 Vollzeitäquivalente – oder zwei Millionen Franken. Vom Kanton verlangt das USB hierfür künftig eine Million Franken jährlich. Denn das Geld für die Notfallteams würde nicht über die Krankenversicherung abgegolten.