Dreck und Lärm

«Der Druck wird stärker»: Sauerei am Rheinbord, Kleinbasler Ufer soll entlastet werden

Sauerei und Lärm nehmen nach Wochenenden wie diesen am Rheinbord deutlich zu. Klar ist, dass der Rhein in Basel an Beliebtheit weiter gewinnt. Jetzt sieht auch die Politik Handlungsbedarf: Die Menschen sollen sich in Zukunft aber besser verteilen.

Sie trinken, sie vergnügen sich – und sie produzieren haufenweise Abfall. Die Baslerinnen und Basler, die sich an heissen Tagen wie gestern Sonntag zu Hundertschaften am Kleinbasler Rheinufer versammeln, räumen längst nicht alle ihre Hinterlassenschaften weg.

In der Tat fällt an sonnigen, warmen Tagen tonnenweise Abfall an. Allein am neuen Rheinuferabschnitt bei der Kiesschüttung unterhalb des Schaffhauserrheinwegs räumt die Basler Stadtreinigung nach solchen Tagen und Nächten rund 500 Liter Abfall weg. Eines der Hauptprobleme bilden neben dem Lärm und dem üblichen Müll die Scherben. Deshalb prangen neu Schilder am Rheinufer, die vor Scherbenverletzungen warnen.

Verteilen statt massieren

Doch mit Warnschildern allein ist es nicht getan. «Der Druck aufs Kleinbasler Rheinufer wird weiterhin wachsen», sagt SP-Grossrat Thomas Gander. Er war unter anderem auch bei der Projektentwicklung der Veranda Pellicano am Birsköpfli beteiligt, hat also Erfahrung mit der Beliebtheit der städtischen Flussabschnitte. Und er sieht Handlungsbedarf: «Dieser Druck muss vom unteren Kleinbasel weggenommen werden.»

Dabei erachtet Gander durchaus auch Massnahmen am oberen und am Grossbasler Rheinufer als notwendig, um die Menschen besser zu verteilen, «auch wenn das einige Anwohner nicht gerne hören mögen». Klar sei bereits jetzt, dass die Attraktivität des Rheinbords in den kommenden Jahren für die Bevölkerung weiter zunehmen werde und sich die Aufenthaltszeiten mit den heisser werdenden Sommern verlängern, vor allem in den Abendstunden.

Oder schlicht den Tarif durchgeben

Diesen Sommer wird im Rahmen der Kampagne #Rhylax ein Team aus soziokulturellen Animateuren patroullieren. Zudem gelten die Runden Tische zum Rheinufer, an denen unter anderem Behörden, Anwohner und Gastro-Betreiber beteiligt sind, als Erfolgsmodell. Angesichts der Besucherströme sind allerdings repressive Massnahmen besonders spätnachts wegen aggressiver Alkoholisierter mit Risiken verbunden.

Dennoch: Der Kanton soll seine eigenen Vorschriften auch am belebten Rheinbord durchsetzen, sagt Daniel Seiler, Vizepräsident der Basler FDP und Präsident der Kleinbasler Sektion. Natürlich werde das für die Kantonspolizei «nicht ganz einfach, aber die Gesetze müssen eingehalten werden, sonst brauchen wir sie nicht», so Seiler. Insofern sei die Sache mit dem Verteilen der Menschenmenge auf mehrere andere Rheinabschnitte durch «künstliche Aufwertung» keine einfache Lösung, «denn auch Anwohner haben ein Recht auf Ruhe und Ordnung». Nötigenfalls müsse eben der Tarif durchgegeben werden, wie etwa am Birsköpfli in Birsfelden. Dort gilt ab 22 Uhr ein radikales Betretungsverbot.

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