Wilson Kipketer, was führt Sie nach Basel?

Wilson Kipketer: Ich präsentiere hier die Organisation Peace and Sport, mit welcher ich zusammenarbeite, und ich erkläre, was Sport alles bewirken kann. Auch erzähle ich meine eigene Geschichte.

Und die wäre?

Sport hat mein Leben verändert. Geboren wurde ich in einem kleinen Dorf in Kenia. Dann bin ich nach Dänemark gezogen. Heute arbeite ich teils in Kopenhagen, teils in Monte Carlo. Neue Kulturen zu verstehen und zu respektieren - das habe ich als Sportler gelernt. Denn der Sport ist immer das verbindende Element, welches vieles und viele zusammenführt und zusammenhält.

Weshalb hilft der Sport, dass sich verschiedenste Nationen verstehen können?

Im Sport muss man nicht die gleiche Sprache sprechen, man muss nur das gleiche Spiel spielen. Dafür muss man dieselben Regeln verstehen und einhalten. Auch wenn man sich an einem Wettkampf nicht versteht und verschiedene Hintergründe hat: Alle haben ein Ziel und konzentrieren sich auf den Wettkampf. Das gilt für den Spitzensport, aber auch für die Fans. Sport funktioniert wie ein Netzwerk oder ein starker Magnet: Er bringt die Leute zusammen. Da Sport verbindend ist, muss man versuchen, Frieden mithilfe des Sports zu bilden.

Ist dies einfacher, als Konflikte mit politischen Mitteln zu lösen?

Politik bringt die Leute oft auseinander. Der Sport macht das Gegenteil: Durch ihn lernt man die Gegner und die Mitspieler kennen. Zwar gibt es Gewinner und Verlierer, der Weg dahin ist aber ehrlicher und fairer.

Es gibt aber auch Unschönes aus der Sportwelt, etwa Doping.

An jedem Ort, in jeder Situation gibt es Gefahren. Es liegt bei jedem einzelnen, eine Botschaft auszusenden. Dass Leute zusammengebracht werden, überwiegt im Sport. Die Frage, ob alles fair abläuft, soll nicht dominieren. Ich sage immer, dass man das Positive vor Augen haben muss. Und immer ein Lachen im Gesicht mittragen soll.

Ist das die Botschaft, die Sie als Sprecher von Peace and Sport überbringen?

Um erfolgreich zu sein, muss man fokussiert bleiben, egoistisch sein, akzeptieren können und immer eine Lösung finden. Ich sage den 75 Sportlern, die ich betreue, immer wieder, dass sie vielen Leuten Hoffnung geben. Kinder sehen zu Dir hoch, Fans fiebern mit. Spitzensportler sind Unterhalter. Da muss man die Würde haben, denjenigen ganz normal und oft zu begegnen, welche einen Traum haben und selbst so erfolgreich werden wollen wie Du.

Sie sprechen an, dass Spitzensportler für Kinder ein Vorbild sind.

Es ist das Wichtigste, den Kindern mit der eigenen Geschichte Hoffnung zu geben. Das verstehen wir unter gemeinsamem Wirken von Sport und Frieden. Wenn man einen grossen, schönen Baum möchte, muss dieser gute Wurzeln haben. In die Höhe spriessen kann nur, was genügend Wasser bekommt. Unsere Kinder brauchen die bestmöglichen Lehrer, die es auf der Welt gibt. Und da taucht die Frage auf: Wer sind die besten Lehrer? Sind es diejenigen in der Schule oder diejenigen zu Hause? Für mich ist die Antwort eindeutig: Es sind die Mütter. Wir müssen ihnen den Respekt entgegenbringen, den sie verdienen und die Frauen stärken, damit sie die gleichen Möglichkeiten haben und die Kinder bestmöglich aufwachsen können.

Sind sich Spitzensportler ihrer Vorbildfunktion genügend bewusst?

Es sollte schon mehr gemacht werden. Denn durch den Sport kann so viel vermittelt werden. Erfolg muss hart erarbeitet werden. Alles, was man anstösst und erreichen will, muss aus eigener Überzeugung kommen. Wer ein Ziel erreichen will oder auf der Welt etwas ändern möchte, muss das aus eigenem Antrieb tun.

Wie bleibt Ihnen der Schweizer Mittelstreckenläufer André Bucher in Erinnerung?

Ich erinnere mich gut an André Bucher. In Sidney musste er mit einer grossen Enttäuschung zurecht kommen. Er wurde da im Finallauf über 800 Meter geschubst. Ob man gestossen wird oder sonst etwas passiert: Im Moment kann man sich beschweren. Danach muss man darauf achten, dass es kein zweites Mal passiert. Es spielt eigentlich keine Rolle, was man tut: Wenn man das Gefühl hat, es ist nicht gut genug, muss man es einfach besser machen.