Sie sind wunderschön, faszinierend, elegant. Wenn man sie durch eine dicke Scheibe im Zolli beobachten kann. Leise schweben die Quallen durchs Wasser, ziehen leuchtend die Blicke des Publikums an. Sie sind eines der Publikumsmagnete im Vivarium.

Auch Tierpfleger Adrian Babics ist fasziniert von den Tieren mit den weiss-bläulichen Schirmen. Und Berührungsangst hat er keine. Locker taucht er seine Hand ins Wasser und legt sie unter den Schirm einer Aurelia Aurita, einer Ohrenqualle. Damit deren Gift auf der Haut brennt, müsse man die Qualle mit dem Körper streifen. «Die Haut in der Handfläche ist dicker und nicht so empfindlich, wie zum Beispiel die am Unterarm.»

Adrian Babics hat sich sein Hobby zum Beruf gemacht. Im Vivarium kümmert er sich seit fünf Jahren um die Zucht der Quallen.

Adrian Babics hat sich sein Hobby zum Beruf gemacht. Im Vivarium kümmert er sich seit fünf Jahren um die Zucht der Quallen.

Babics hat sich mit der Pflegearbeit im Basler Vivarium einen Kindheitstraum erfüllt. Bereits als Achtjähriger habe er für Fische geschwärmt. Das Interesse an Quallen sei mit der Zeit gewachsen. Und gipfelt jetzt darin, dass er im Zolli – dem einzigen Quallenzucht-Zoo in der Schweiz – die Aurelia Aurita und die Spiegeleiqualle züchtet. Neben Basel sind auch die Zoos in Berlin und Wien bekannt für die Quallenzucht.

Die Polypen werden gestopft

Die Fortpflanzung geschieht bei den Quallen auf verschiedene Arten: abwechselnd geschlechtlich und ungeschlechtlich. Eine weibliche Qualle gibt ihre Eier, die männliche Qualle ihre Spermien ins offene Wasser ab und im Meerwasser finden diese sich. Daraus entsteht die ungeschlechtliche, festsitzende Lebensform, der Polyp. Er vermehrt sich so auf sexuelle Art durch Sprossung und es entsteht wieder ein Polyp. Oder der Polyp produziert über die Bildung von Knospen wiederum Quallen.

Babics hantiert auf die letztere Art. So werden die nur millimetergrossen Polypen in einem ersten Schritt mit Salinenkrebsen «aufgefüttert». Kurzum: gemästet. Dann «stresse» man sie so lange, bis sich schliesslich Ephyralarven in Form von Scheiben vom Polyp ablösen, die dann zu reifen Medusen heranwachsen. In freier Natur beginnt dieser Prozess aufgrund eines Umwelteinflusses – zum Beispiel durch die Veränderung der Wassertemperatur. Wie viele Ephyralarven sich jeweils lösen, kann Babics nicht sagen. Züchten tut er sie ein bis drei Mal im Jahr.

Futter gibts im anderen Becken

Dass er seine Quallen liebt, ist nicht zu übersehen. Vor allem die Spiegeleiqualle mit ihrem weisslichen Schirm, der spiegeleigelben Erhöhung und den Armen, die in violetten Verdickungen enden, gefällt dem gelernten Schlosser, der sich auch um die Korallen kümmert. «Die Spiegeleiqualle ist wunderschön. Aber man darf nicht von der ‹schönsten› Qualle reden. Jedes Tier hat seine eigene Schönheit.»

Die Quallenzucht ist natürlich nicht die einzige Arbeit, die Babics täglich hinter der Vivariumkulisse verrichtet. Am Morgen kontrolliert er mit seinen Kollegen sämtliche Aquarien im Vivarium, unter anderem darauf, ob tote Fische zu verzeichnen sind. Später wird die Infrastruktur geprüft, Aquarien geputzt und die Tiere gefüttert.

Damit Babics’ Quallen allerdings zu ihrer Mahlzeit, zu den Salinenkrebsen, kommen, müssen sie zuerst das Becken wechseln. Der 35-Jährige fischt jede einzeln mit einem Netz aus dem Wasser und trägt sie in einem Eimer in einen anderen Stromkreis. Der Grund ist simpel: «Die vielen Salinenkrebse verschmutzen das Aquarium. Würden wir die Quallen zur Fütterung im Becken lassen, in dem die Zolli-Besucher die Tiere beobachten, müssten wir dieses dauernd schrubben.»

Die Liebe zum Wasser

Zwischendurch kann sich Tierpfleger Adrian Babics von seinen Lieblingstieren trennen und kümmert sich um die Nashörner. «Nashörner sind auch tolle, liebe Tiere.» Er freut sich aber darauf, bald wieder ins Vivarium zurückzukommen. «Ich liebe Tiere im Wasser. Wasser ist ein schönes Element.» Babics hat sich sein Hobby zum Beruf gemacht. Bei ihm zu Hause stehen auch zig Aquarien und sein Wissen über die Lebewesen in den Weltmeeren habe er durch seine Leidenschaft für sie entwickelt. «Fische sind meine Passion. Aber man weiss längst nicht alles über sie. Man kann nie alles wissen.»

Die Quallen seien mit ihrem bewährten Lebenssystem komplett fertig entwickelt. «Die Quallen sind perfekt. Sonst würden sie ja nicht schon seit über 550 Millionen Jahren leben. Und sie werden uns sicherlich überleben.»