Der Westflügel des Gebäudes, der ehemalige Elsässerbahnhof, der den SBB gehört, vergammelt. Die Schalter sind seit Jahren geschlossen, der Durchgang zu den Zügen ist ein in die Jahre gekommener, barackenähnlicher Aufbau. «Dieser Ort ist oberlausig», sagt Robert Schiess, Präsident des Basler Heimatschutzes.

Das, obwohl die Planungs-Blockade im Centralbahnhof nach Jahren durchbrochen zu sein scheint: Nach übereinstimmenden Aussagen von SBB-Sprecherin Lea Meyer und Baudepartement-Sprecher André Frauchiger ist der SBB-Bebauungsplan für den Centralbahnhof, der vom Kantonsparlament bewilligt worden war, Ende Mai in Kraft getreten.

Bebauungsplan wegen Einsprachen blockiert

Der Bebauungsplan war wegen Einsprachen blockiert. Künftig haben nun die SBB die Möglichkeit, im Bahnhof die zugelassenen Nutzungen für Gastronomie, Shopping, Lagerung oder für die Bahninfrastruktur umzusetzen und die dafür nötigen Projekte zu entwickeln. Im Bereich Westflügel zum Beispiel besteht schon lange ein Projekt für eine Aufwertung des Gebiets beim Elsässerbahnhof mit neuen Läden und Restaurants. «Bis im Frühjahr findet eine Testplanung zum Basler Westflügel statt», sagt Meyer.

Dass dieses Projekt rasch umgesetzt wird, ist aber unwahrscheinlich. Es besteht ein Hindernis: Bis Ende Jahr wollen die SBB ihren Rahmenplan für den Bahnknoten Basel ausarbeiten. Dieser Plan soll aufzeigen, wie die Bahnanlagen ab der Grenze der französischen Bahn SNCF und der Deutschen Bahn bis Pratteln in den nächsten zwanzig bis dreissig Jahren ausgebaut werden könnten.

Zwei neue Perronanlagen geplant

Um den Mehrverkehr der nächsten Jahre auffangen zu könnten, sind zum Beispiel in Basel zwei neue Perronanlagen vorgesehen. Auch die künftigen Projekte der S-Bahn etwa mit einem Schienenanschluss des EuroAirports oder die Ausgestaltung des Bahnhofs St. Johann sollen im Rahmenplan umrissen werden.

Da der SBB-Rahmenplan abgewartet werden muss, geht weitere Zeit für die Entwicklung anderer Projekte des Bahnhofs verloren, und dies, obwohl in zehn Jahren mit 170000 Personen rund ein Drittel mehr Reisende täglich den Centralbahnhof als heute passieren werden. So ist zum Beispiel die Passerelle quer über den Geleisen bereits heute viel zu klein.

Erst nach einer Studie mit verschiedenen Varianten wollen die SBB zusätzliche «Querungen» planen, die aber erst etwa im Jahr 2022 eröffnet werden können.

Notlösung geplant

Als Notlösung planen die SBB immerhin zwei nicht überdeckte Treppen an die Geleise 14/15 und 16/17 bei der Margarethenbrücke anzubringen, um so dem Strom der Reisenden auch dorthin zu kanalisieren. SBB-Sprecherin Meyer erklärt, dass gegen das Baugesuch der Treppen keine Einsprachen erfolgt seien. Sie ist darum optimistisch: «Auch wenn wir noch keine Verfügung des Bundesamts für Verkehr erhalten haben, sind wir zuversichtlich, dass wir noch im Herbst mit dem Bau der beiden Treppen beginnen können», sagt Meyer.

Nicht nur Reisende im Bahnhof haben zu wenig Platz. Es mangelt im und um den Bahnhof an Veloparkplätzen. Mit dem Ja zum Bebauungsplan hat der Grosse Rat deshalb die Forderung verknüpft, dass die SBB im Centralbahnhof 700 zusätzliche Velo-Parkplätze realisieren müssen. Das ist allerdings kein einfaches Unterfangen.

Die Bahn hat gegen die Forderung Rekurs eingelegt. Mittlerweile haben die Behörden und die SBB eine Lösung gefunden. Gegenüber dem «Sonntag» bestätigt Sprecherin Meyer, dass die SBB ihren Rekurs im Mai zurückgezogen haben. «Wir beabsichtigen, rund 200 Veloparkplätze vor das Dienstgebäude Ost zu platzieren und rund 500 gedeckte Parkplätze unter dem Bahnhof zu bauen.»

Die Tatsache, dass die Bahn unter dem Motto «Kundenfreundliche Grossbahnhöfe» für neun Millionen Franken auch kleine Massnahmen für einen besseren Kundenfluss auf Perrons und Schalterhalle realisieren, zeigt aber, dass die Bahnhofs-Planung nicht ganz feststeckt. «Der Bahnhof muss sich weiterentwickeln – die Blockade muss überwunden werden», sagt Conrad Jauslin, Präsident der überparteilichen «Gruppe Bahnhof», die sich heute wie ein S-Bahn-Projekt «Pro Herzstück» nennt.