Seit Wochen fiebere sie diesem Tag entgegen. Mit überschwänglichen Emotionen und Lampenfieber. Als Fabia Zindel ans Mikrofon tritt, um ebendiese Worte ihrem Publikum mitzuteilen, hat sie anfänglich einen trockenen Mund. Flattrige Nervosität ist ihr ebenso deutlich von den Lippen zu lesen, wie ihre Freude, den diesjährigen Kulturpreis entgegenzunehmen.

Seit zwanzig Jahren am Werk

Die Stadt Basel ehrte gestern Montag im Rathaus mit dem 20 000 Franken dotierten Kulturpreis zum ersten Mal eine Vertreterin der Kreativwirtschaft – eine Unternehmerin, der es gelingt, die Grenzen zwischen Design und Kunst aufzuheben, die Ästhetik mit Handwerk zu nähren.

Seit zwanzig Jahren arbeitet Fabia Zindel für ihr Label Matrix. Unter diesem Namen entwirft und produziert sie Textil- und Flächendesign, das in unterschiedlichen Kunstgattungen zum Vorschein tritt: in der Architektur, im Film, der Kunst und Mode.

Fabia Zindel und Ursula Leuenberger raklen in der Matrix Druckerei, Redesign von Karin Holzfeind.

Fabia Zindel und Ursula Leuenberger raklen in der Matrix Druckerei, Redesign von Karin Holzfeind.

Stadtbekannt und international gefragt ist die 47-Jährige für ihre mit Siebdruck bedruckten Foulards, die jedem Träger und jeder Trägerin «Glanz und Wärme» schenken, wie der Möbeldesigner Kuno Nüssli in seiner Laudatio sagte. Ihr ausgeklügeltes Design aus geometrischen Mustern und unverkennbaren Farbenkombinationen ist mittlerweile ein fest bestehendes Markenzeichen geworden. Auch die Regierung schmückt sich gerne mit ihren Foulards und beschenkt Gäste wie Eveline Widmer-Schlumpf oder die spanische Königin Letizia mit Matrix-Textilien. Jedes Stück, das Zindel designt, bedruckt sie individuell in ihrer Siebdruckwerkstatt an der Bachlettenstrasse.

Fabia Zindel hat am Ausstellungs-Projekt «Matrix 20 Reloaded» mitgewirkt.

Fabia Zindel hat am Ausstellungs-Projekt «Matrix 20 Reloaded» mitgewirkt.

Der Grossratssaal als Fankurve

Als Regierungspräsident Guy Morin der Künstlerin den Preis übergeben will, hebt das Publikum plötzlich unzählige Matrix-Schals in die Höhe. Der Grossratssaal sieht für einen Augenblick aus wie die etwas farbenvielfältigere und elegantere Muttenzerkurve. Die Preisträgerin berührt dieser Jubel. Feierlich sagt sie am Ende: «Mit euch gehe ich gerne in die Verlängerung.»