Einkaufstourismus
Der etwas andere Einkaufstourismus am Tag vor Heiligabend

Sehr viele Deutsche und Franzosen trotzen am Sonntagsverkauf vor Weihnachten der Frankenstärke und erledigten in Basel ihre letzten Weihnachtseinkäufe. Die Geschäftsführer sind begeistert vom Shoppingwochenende.

Joël Hoffmann
Merken
Drucken
Teilen
Zwei Advent-Sonntagsverkäufe sollen gesetzlich verankert werden.

Zwei Advent-Sonntagsverkäufe sollen gesetzlich verankert werden.

Martin Töngi

Blechkolonnen vor den Fussgängerstreifen an der Heuwaage. Das Parkhaus ist voll. Autos säumen die Innere Margarethenstrasse. Viele mit Kontrollschildern aus den Nachbarkantonen und sehr viele Deutsche kommen nach Basel – Einkaufstouristen, die dem schwachen Euro trotzen. Tausende Passanten wuseln wie Ameisen umher. Die Temperaturen sind mild, die Strassencafés voll.

Es ist Sonntagsverkauf, und beim Modehaus Vera Moda piepsen die Diebstahlsdetektoren am Eingang. «Immer machst du so einen Mais», spottet der bullige Wachmann. «Ich muss arbeiten», entgegnet die Verkäuferin, hängt draussen ein paar Klamotten auf und rennt wieder rein, verschwindet in der Masse. Den Wachmann bringt das dauernde Gepiepse nicht aus der Ruhe: «Ich sehe ja, wer hier arbeitet, aber es läuft eh keiner mit dem Chip am Diebesgut heraus.»

Detailhandel ist zufrieden

Zwischen dem Rauschen der Stimmen dringen die Gypsy-Klänge eines osteuropäischen Harmonikaspielers kurz hervor und verschwinden wieder. So viele Paare, Familien. Nur wenige schlendern alleine herum. Der Sonntagsverkauf ist ein soziales Happening, ein Familienevent, ein kollektives Kauferlebnis. «Komm, wir holen hier was zu trinken.» «Mein Gott, hier gehe ich ganz bestimmt nicht rein.» Der Coop Pronto am Barfi ist so voll, dass die Schlange vor den drei Kassen bis zum hintersten Kühlregal reicht.

Die Konsumenten putzen sich heraus, sind geschminkt, rasiert, gut gekleidet. Es macht den meisten offensichtlich Spass, sich am Sonntag in übervollen Geschäften zu tummeln und dabei über die vielen Passanten zu stöhnen. Weihnachtliche Klänge draussen vor dem Coop. Beim Vögele versuchen Mädchen mit Querflöte und Gitarre ihr Taschengeld aufzubessern. «Jingle Bells» gepfiffen und begleitet mit geschrammten Akkorden: ein Hauch Heiligabend inmitten des Konsumrausches.

«Super», «Genial», «Einmalig». Die Geschäftsführer sind begeistert vom Shoppingwochenende. «Die Stadt ist so voll wie noch nie», sagt etwa Lukas Schaub, der Geschäftsführer des Pfauen in der Freien Strasse. Auch ihm sind die vielen Auswärtigen aufgefallen. «Food, Spielwaren, Kleider und Parfüm laufen sehr gut», sagt er. Um 13 Uhr, als die Tore aufgingen, warteten schon viele, endlich reinzukönnen. Der zweite Weihnachts-Sonntagsverkauf liegt dieses Jahr besonders gut. Es ist der 23. und die Menschen kaufen am Wochenende die letzten Geschenke ein. «Am Samstag mussten wir sogar die Leute um 18 Uhr regelrecht rausschmeissen», sagt Schaub. Er hätte gerne länger offen haben dürfen.

Regionale Ausstrahlung steigt

Damit ist Schaub nicht alleine, wie Mathias Böhm, Geschäftsführer von Pro Innenstadt weiss: «An solchen Wochenenden hätten wir gerne bis 20 Uhr offen.» Böhm will nicht nur längere Öffnungszeiten, sondern auch ein weiteres Parkhaus, beispielsweise beim Kunstmuseum. «Die Parkhäuser sind alle voll.» Auch ihm sind die vielen Auswärtigen, vor allem aus dem nahen Deutschland aufgefallen. Der Basler Weihnachts-Sonntagsverkauf gewinnt mehr und mehr an regionaler Ausstrahlung. Laut Böhm sei dieses Jahr rekordverdächtig. Den Detailhandel freuts. Nur die Gewerkschaft Unia betont, dass das Verkaufspersonal mehr Lohn wünsche. Böhm entgegnet, dass es Sonntagszuschüsse gebe und die Geschäfte keine Probleme hätten, für den «Sonntagsevent» Personal zu finden.