Flughafen
Der Euro-Aiport sagt «Aadje» Swiss, willkommen Skywork

Am Sonntagabend um 22.40 Uhr landet zum letzten Mal ein Swiss-Linienflug von London City in Basel. Swiss zieht sich damit wie angekündet, vollständig aus Basel zurück und bietet keine Direktflüge mehr an.

Stefan Schuppli
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Sie verlässt Basel: Noch bis vor kurzem warb Swiss am Euro-Airport mit einem Grossplakat . Martin Töngi

Sie verlässt Basel: Noch bis vor kurzem warb Swiss am Euro-Airport mit einem Grossplakat . Martin Töngi

Martin Toengi

Allzugross ist der Schaden für das Bedienungsbild des Euro-Airports nicht. Easyjet und andere Fluggesellschaften bieten heute ein relativ dichtes Netz an direkten Flugverbindungen. Was fehlen wird, ist Prag und vor allem: London City. Oder vielleicht doch nicht? Insider wollen wissen, dass die Berner Fluggesellschaft Skywork gesetzt sei. Dort wird dies aber nicht bestätigt. Geflogen werden soll die Strecke Bern–Basel– London City–Basel–Bern mit einer Saab 2000. Auch die britische Airline Flybe, die in London City viel verkehrt, war in der Diskussion. Der Londoner Stadtflughafen hat wegen seiner Nähe zur City unbestreitbare Vorteile.

Eine schwierige Beziehung

Der definitive operative Rückzug der Swiss von Basel ist das Ende einer langen und schwierigen Beziehung, die bis in die Gründerzeit der Swiss-Vorgängerin Swissair zurückgeht. Diese entstand 1931 durch die Fusion der Zürcher Ad Astra und der Balair. Rund 70 Jahre später sollte sich die Geschichte wiederholen: Nach dem Grounding der Swissair war es ihre Basler Tochtergesellschaft, die Crossair, welche die Basis der neuen Gesellschaft Swiss wurde. Auch die in den 50er-Jahren gegründete Chartergesellschaft Balair wurde im Zuge der dauernden Restrukturierungen im Swissairkonzern wegrationalisiert.

Trotz aller Versprechungen bei der Gründung der Swiss war Basel bestenfalls ein Mauerblümchendasein gegönnt. Natürlich gab es Zwischenhochs. Zwischen Ende 1998 und 2000 flog Swissair die einzige Langstrecke ab Basel: New York/Newark. Doch die für die Basler Pharma gedachte tägliche Verbindung war im Prinzip nur eine Reaktion auf ein Projekt eines potenziellen Konkurrenten, der eine Full-Businessclass-Boeing auf dieser Strecke einsetzen wollte. Die Strecke wurde aber nur halbherzig beworben. Auf dem Swissair-Werbeflyer für Passagiere aus den USA wurde das Angebot nach Basel schlicht nicht erwähnt.

Schwieriges Umfeld

Ein Mitarbeiter der Swissair von damals sagt heute zur BZ: «Ich glaube nicht, dass das vergessen wurde. Das geschah mit Absicht. Ein Swissair-Verantwortlicher hatte mir damals gesagt: «Nur en Passagier ab Züri isch en guete Passagier.» Dahinter stand natürlich auch der Gedanke, dass Passagiere über das Drehkreuz Zürich geleitet werden sollen, was betriebswirtschaftlich gewiss auch Sinn macht. Tatsächlich wurde das Umfeld für die traditionellen Fluggesellschaften schwieriger. Als in den 70er- und 80er-Jahren der Flugverkehr liberalisiert wurde, erhielten sie Konkurrenz, die Monopole fielen, und damit die Preise.

Aber gerade dies bot neue Chancen. So konnte sich auch, wenn auch gegen dauernden Widerstand der Swissair, die Crossair entwickeln. Die Basler Fluggesellschaft wurde zum Pionier der Regionalfliegerei, die auf Strecken mit relativ geringem Passagieraufkommen flog und dank der günstigen Kostenstruktur kleinere Flugzeuge betreiben konnte. Die Regionalflughäfen wurden aufgewertet. Auf dem Euro-Airport wurde sogar ein Umsteigekonzept erstellt, das Eurocross. «Das waren 48 Verbindungen, die täglich ein- bis dreimal geflogen wurden. Und es war ein gutes Geschäft», sagt Crossair-Gründer Moritz Suter. Basels Vorteil waren die kurzen Umsteigezeiten, ein klarer Vorteil gegenüber Zürich. Die 1978 gegründete Crossair hatte in ihren besten Zeiten rund 4500 Angestellte.

Das Grounding der Swissair

Das Grounding der Swissair riss auch die Crossair in den Strudel. Denn ein ordentlicher Teil des Crossair-Verkehrs waren Zubringerflüge für die Swissair. In der Not wurde die Crossair zum Rettungsboot der Swissair. Zuerst übernahm sie den Europaverkehr, dann die Langstrecken. An der ordentlichen Generalversammlung der Crossair wurde die Namensänderung in Swiss International Airlines beschlossen.

Die Swiss hatte einen schwierigen Start, sie schrieb Verluste. Sehr bald wurde an den Ästen gesägt, in Zürich wurde das Eurocross als Konkurrenz wahrgenommen. Im Februar 2003 kam es zum Kahlschlag. Swiss baute unter anderem Direktflüge ab Basel nach Marseille, Bilbao, Sevilla, Kopenhagen Helsinki und Stockholm ab. Damit war auch kein Umsteigeverkehr mehr möglich, das Eurocross war Geschichte.

Wiederbelebungsversuche

Vor rund vier Jahren gab es Versuche der Swiss, den Verkehr ab Basel zu verdichten, und zwar zu günstigen Preisen. Damit wollte der Expansion von Easyjet und anderen «Lowcost»-Fluggesellschaften entgegentreten. Das Konzept wurde aber zu wenig konsequent durchgezogen. Mit Sicherheit waren auch die Sitzplatzkosten der «Jumbolinos» – eines der wenigen Relikte bei der Swiss aus Crossairs Zeiten – im Vergleich zu den grösseren Airbussen der Konkurrenz, zu hoch. Swiss versucht jetzt in Genf mit einem ähnlichen Konzept gegen Easyjet anzutreten, allerdings mit Airbus-Flugzeugen.

Heute ist von der damaligen Aufbruchkultur der Crossair nichts mehr zu spüren. Sichtbar sind noch die in die Jahre gekommenen Jumbolinos (die durch die Bombardiers C-Series ersetzt werden) und der Iata-Code LX, der weder mit Luxemburg noch mit Kreuz zu tun hat. Gemäss Moritz Suter sei die Buchstabenkombination Zufall. «Sie war gerade frei.»

Moritz Suter fliegt mit Easyjet

Der Markt der Region Basel hat sich in der Folge sehr gut arrangiert. Die Passagierzahlen ab Basel sind so hoch wie noch nie, das Bedienungsbild, geprägt durch Easyjet, deckt die wichtigen Destinationen ab. Die Passagiere haben sich längst an das «Billigmodell» gewöhnt, das ja mittlerweile auch etwas aufgeweicht ist: Gegen Aufpreis gibt es Gepäckaufgabe, Sitzplatzwahl und Sitze mit mehr Beinfreiheit. Selbst Crossair-Gründer Moritz Suter fliegt Easyjet und lobt das Konzept.

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