Grundsätzlich werden Investitionen in den binationalen Euro-Airport (EAP) vom Flughafen selbst finanziert. Grosse Ausgaben in die aviatischen Infrastrukturen aber, die subventioniert werden müssen, werden paritätisch von Frankreich und der Schweiz getragen; bei der Vergabe der Aufträge indes schneiden Schweizer Betriebe schlecht ab.

Laut Vivienne Gaskell, EAP-Mediensprecherin, gab es in den drei Jahren von 2009 bis 2011 jedes Jahr Ausschreibungen für zwischen 35 und 45 Millionen Euro. «Davon gingen rund zehn Prozent an Schweizer Unternehmen», teilt sie mit. Dies variiere jedoch nach Jahr und Projekt.

Für Interessen des Flughafens da

Im vierköpfigen Verwaltungsratausschuss, der mit zwei Schweizer und zwei französischen Vertretern besetzt ist, ist dies bisweilen Thema. «Unsere Hauptaufgabe ist es, die Interessen des Euro-Airport wahrzunehmen und nicht, primär dafür zu sorgen, dass Schweizer Unternehmen Aufträge erhalten – obwohl wir natürlich ein Interesse daran haben», erklärt Andreas Büttiker, Direktor Baselland Transport AG, der den Kanton Baselland in dem Gremium vertritt. «Bei personalintensiven Arbeiten sind die französischen Anbieter im Vorteil, da das tiefere Lohnniveau in Frankreich sowie der Wechselkurs durchschlägt. Bei komplexeren Aufträgen, die ein qualifizierteres Wissen verlangen, haben in der Regel Schweizer Firmen Vorteile», fährt Büttiker fort.

Geringer Spielraum

Basler Vertreter im Ausschuss ist Regierungsrat Christoph Brutschin. Büttiker wie Brutschin setzen sich dafür ein, Qualität bei der Auswertung der Bewerbungen höher zu bewerten. Da der Preis im Kriterienkatalog für die Auftragsvergabe aber 40 bis 50 Prozent ausmache, sei der Spielraum gering, so Brutschin. «Bei gleicher Qualität ist der Preisunterschied oft massiv.» Er verweist darauf, dass es zwar Eingaben von Schweizer Unternehmen gebe, diese aber in der Minderheit seien. An fehlender Information kann dies nicht liegen, denn die Aufträge werden in den Kantonsblättern ausgeschrieben.

Brutschin wie Büttiker betonen, dass die Vergabe nach klaren Richtlinien erfolge. «Die Vergabepraxis ist stark reglementiert und läuft absolut fair», urteilt Büttiker, der zudem betont, wie wichtig es sei, dass der Wettbewerb spiele. Da die Bewerbungen in französischer Sprache erfolgen, sei klar, dass jeder Schweizer Betrieb eine Güterabwägung mache, ob sich eine Bewerbung lohne.

EU-weite Ausschreibungen

Einkäufe über 150000 Euro müssen laut Vivienne Gaskell binational ausgeschrieben werden, Liefer- und Dienstleistungsaufträge ab 400000 Euro nach Ordnung der EU. Das Gleiche gelte für Arbeiten ab fünf Millionen Euro. Die Auswahl, welches Unternehmen zum Zug kommt, erfolge durch einen vierköpfigen, paritätisch besetzten Ausschuss.

«Ich würde mir natürlich wünschen, dass der Auftragsanteil der Schweizer Betriebe grösser ist», sagt Büttiker. Christoph Brutschin betont: »Es ist wichtig, dass der EAP beidseitig gut abgestützt ist.» Als Problem wird der geringe Schweizer Anteil an Aufträgen allerdings derzeit weder vom Gewerbeverband Basel-Stadt noch von der Wirtschaftskammer Baselland bewertet. Etwas anders tönt es bei der Handelskammer beider Basel. Martin Dätwyler, Geschäftsführer Wirtschaftspolitik, urteilt: «Ich finde das bedauerlich. Aber es ist klar, dass die Vergabekriterien erfüllt sein müssen. Schweizer Unternehmen sind wohl gegenüber den französischen oft nicht konkurrenzfähig.»