Rutschmadame
Der Extremismus des Wohlstands

Martina Rutschmann
Martina Rutschmann
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Rutschmadame: "Wie gern ich im Pelz meiner Hündin stecken würde!"

Rutschmadame: "Wie gern ich im Pelz meiner Hündin stecken würde!"

Keystone/DPA/UWE ZUCCHI

Wie gern ich im Pelz meiner Hündin stecken würde! Krise gibt es für sie nicht, einzig die Basler Hundefreunde durften sie eine Weile nicht im Elsass besuchen. Die Grenze ist wieder offen, das Leben bellt weiter wie zuvor. Meine Hündin bekommt folglich auch nicht mit, was die Menschen aus der Krise lernen könnten. Sie weiss nicht, dass das Potenzial riesig wäre, aber auch Menschen lieber weiter bellen wie zuvor. Was kümmert einen die zerrüttete Welt, wenn Zürich Basel angreift? «Basel ist nicht die Welt», titelte die «NZZ am Sonntag». Von der «saturierten Stadt» ist im Text die Rede, in der alles bachab geht. «Geht’s noch, wir sind Pioniere!», wettern die einen, während die anderen frohlocken: «Wir wissen schon lange, dass mit diesem rot-grünen Gemüse kein Blumentopf zu gewinnen ist.» Aber keiner kommt auf die Idee, zu sagen: Vielleicht ist Basel wirklich träge geworden, was können wir dagegen tun? Es ist der Wohlstandsextremismus, der hervorgekrochen kommt, obwohl wir uns in der heftigsten Krise befinden, welche die meisten von uns wohl je erlebt haben. Zu wenig heftig?

Meine Hündin erlebt Basel wie eh und je. Wenig grün, viel grau, eine Stadt eben. Wenn die Menschen über deren angebliche Saturiertheit streiten, verlangt Miki ein Knöchlein und verzieht sich. Sie weiss nicht, dass die Diskussion kaum über die Frage hinauskommen wird, ob Basel schläft. Denn die nächsten Probleme stehen schon vor der Tür – da bleibt keine Zeit, das grosse Ganze anzuschauen, Visionen zu entwickeln. Es sind Bettlerbanden, die für Unmut sorgen. Das Bettelverbot für Einzelpersonen gilt nicht mehr, für Rechte sind linke Sozialromantiker schuld, Linke werfen Rechten Unmenschlichkeit vor. Es ist das ewige Herumgeschrei, ein Paradebeispiel des hiesigen Wohlstandsextremismus’. Klar nervt es, angebettelt zu werden. Anderseits betteln diese Menschen kaum zum Spass. Was tun?

Wie gern ich im Pelz meiner Hündin stecken würde. Ich bekäme von den ergebnislosen Diskussionen nichts mit – und würde vielleicht sogar lieb angeschaut werden, wenn ich nach einem Knöchlein betteln würde, um mich an einen ruhigen Fleck verziehen zu können.

Denn was nützt mir die Unruhe und das Gebell, wenn danach alles bleibt, wie es immer war?