Bethesda
Der Fall, der die Region bewegte – obwohl es ihn vermutlich nie gab

Eine Frau mit Wehen sei vom Bethesda abgewiesen worden, schrieb die «Basler Zeitung». Überwachungskameras entkräfteten den Vorwurf, sagt das Spital.

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Das Bethesda-Spital.

Das Bethesda-Spital.

Juri Junkov

Was die Hochschwangere im Bethesda-Spital erlebt hatte, zog Wellen der Entrüstung nach sich. Anfang Juli war sie an einem Mittwochabend mit Wehen eingetroffen in der Erwartung, im Privatspital ihr Kind zur Welt zu bringen. Sie ist schon seit längerem im Bethesda angemeldet, doch beim Empfang heisst es, dass derzeit Aufnahmestopp herrsche. Sie muss mit einem Taxi in ein anderes Spital fahren. «Diese Nacht wird mir für immer in Erinnerung bleiben», sagt sie danach. «Ich wünsche keiner Frau, dass sie das erleben muss.»

Der Fall wurde Ende Juli von der «Basler Zeitung» beschrieben. Doch gab es ihn überhaupt? Spitaldirektor Thomas Rudin sagte, es sei ein Shitstorm über die Spitalverantwortlichen eingebrochen. Deshalb sah sich das Spital veranlasst, eine Medienkonferenz durchzuführen, nur um eins zu sagen: Die «BaZ»-Geschichte stimmt nicht. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien befragt und die Videoüberwachung zur fraglichen Zeit konsultiert worden. Doch «wir können nicht nachvollziehen, wie und wo in besagter Nacht von uns eine Frau abgewiesen worden sein soll», sagte Rudin.

Den Aufnahmestopp gab es tatsächlich

Die Geschichte war gleichwohl nicht frei erfunden. Tatsächlich hatte das Bethesda-Spital in besagter Nacht einen Aufnahmestopp verhängt, weil die Gebärzimmer ausgelastet waren. Vier Frauen, die sich mit Wehen angemeldet hatten, war telefonisch mitgeteilt worden, sich in einer anderen Klinik einweisen zu lassen – keine sei aber im Bethesda-Spital aufgetaucht. Selbst wenn dies so gewesen wäre, hätte man sie nicht ohne Abklärungen nach Hause geschickt, betonte der Spitaldirektor.

Man wolle nun das Gespräch mit der Zeitung suchen, sagte Rudin – die Gelegenheit hätte er an der Medienkonferenz ergreifen können, denn gleich zwei «BaZ»-Journalisten waren vor Ort. Diese stellten sich unter anderem auf den Standpunkt, dass mehrere Quellen vom Fall berichtet hatten – nicht nur die betroffene Frau, sondern auch deren Belegarzt.

Nach der Medienkonferenz habe die «BaZ» ihre Quellen mit den Erkenntnissen des Bethesda-Spitals konfrontiert. Daraufhin haben diese eingeräumt, «dass die Betroffene wohl nicht vor dem Bethesda-Spital gewesen, sondern telefonisch über den Aufnahmestopp informiert worden sei», schreibt die «BaZ» in ihrer heutigen Ausgabe. (lsi)