Zwischenruf
Der fasnachtspolitische Sündenfall aus dem Supermarkt

Ein hiesiger Grossverteiler preist seine Fasnachtskiechli wohl eher den Zürchern als den Baslern an.

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Das Corpus Delicti.

Das Corpus Delicti.

Faschings-Chüechli

Noch 44 Tage bis zum Morgestraich. Langsam, aber sicher kann sich auch der grösste Fasnachtsverweigerer nicht mehr vor der Erkenntnis drücken, dass die Drey scheenschte Dääg bevorstehen. Doch mitten in Blaggedden-Verkauf und Vorfasnachtsveranstaltungen platzt ein hiesiger Grossverteiler mit einem kulinarischen Affront der anderen Art. Als «Fasnachtschüechli» wird das allerseits geschätzte Gebäck im breitesten Zürcher Dialekt angepriesen und für die mittlerweile sesshaft gewordenen Pendler aus dem grossen Kanton auch sogleich noch als «Faschingsgebäck» ausgewiesen.

Made in Blätzbums

Nun sollte eigentlich jedem bewusst sein, dass die Basler Seele bei kaum einem Thema derart empfindlich reagiert, wie wenn es um die Terminologie rund um die Fasnacht geht. Davon kann jeder, dem schon einmal ein Begriff wie Konfetti, Maske oder Abzeichen über die Lippen gerutscht ist, ein Liedchen trommeln und pfeifen. Das Schlimmste am Chüechli-Gate: Die Verantwortlichen können sich nicht einmal in die übliche Ausrede der Unkenntnis der hiesigen Gepflogenheiten und Redewendungen retten. Produziert wurde Corpus Delicti nämlich in unmittelbarer Nähe – in Blätzbums. Ein Dorf, welches ebenfalls für sich in Anspruch nimmt, eine Fasnacht durchzuführen. Es bleibt eine letzte Hoffnung. Die «Chüechli» haben eine kurze Haltbarkeitsdauer. Bis zum ersten «Vorwärts, Marsch» gibt es noch die Möglichkeit zur Korrektur. (HYS)