Schwingfest 2022
Der FC Basel empfängt Schwinger mit offenen Armen

Der FC Basel hätte das Schwingfest 2022 gerne in seinem Stadion. Und auch der Stadtkanton macht bereits Werbung in eigener Sache.

Hans-Martin Jermann
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Schwinger im Joggeli? Die Verantwortlichen beim FCB sind offen für Neues.

Schwinger im Joggeli? Die Verantwortlichen beim FCB sind offen für Neues.

Keystone

2022 darf die Region Basel turnusgemäss das alle drei Jahre stattfindende Eidgenössische Schwing- und Älplerfest durchführen. «Wenn wir in der Region ein schönes Fest feiern wollen, dann geht das nur im Gebiet St. Jakob», sagte Hanspeter Rickli in der bz vom Donnerstag.

Der ehemalige Liestaler Schwinger ging mit dieser Aussage auf Distanz zum eigenen Kantonalverband, der trotz grosser Widerstände von Bauern und Naturschützern das Eidgenössische 2022 in Aesch durchführen will.

FCB über Wochen ohne Stadion

Im Gebiet um den Basler St. Jakob-Park scheinen die Voraussetzungen zur Durchführung des grössten wiederkehrenden Sportanlasses der Schweiz indes ideal. Doch will die Stadt den riesigen Anlass mit bis 250'000 Besuchern überhaupt? Ist der FC Basel bereit, den St. Jakob-Park 2022 – voraussichtlich im August, wenn die Fussballsaison läuft – den Schwingern zur Verfügung zu stellen? Inklusive Auf- und Abbau sowie allfälliger Arbeiten am Rasen dürfte das Stadion dann für den FCB mehrere Wochen nicht bespielbar sein.

Doch FCB-Sprecherin Andrea Roth sagt fast schon euphorisch: «Selbstverständlich können wir uns vorstellen, diesen traditionellen Event im St. Jakob-Park zu beherbergen.» Sollte das Schwingfest im Joggeli wirklich zum Thema werden, so müssten alle involvierten Parteien – nebst den Schwingern und dem FCB auch der Schweizerische Fussballverband oder die Uefa – betreffend Spielplan und Logistik das Gespräch suchen, damit der St. Jakob-Park als Austragungsort möglich sein kann, wie Roth anfügt. Gesprächsbereit zeigt sich der FCB auch beim Catering, das der Verein im Stadion in der Regel selber betreibt. Dazu Roth: «Wir standen immer wieder vor solchen Herausforderungen, wie etwa die Euro 08, und haben jeweils für alle Seiten eine zufriedenstellende Lösung gefunden.» Auch beim Kanton Basel-Stadt, der die benachbarte St. Jakobshalle, die Eis-Arena sowie die Rasenplätze auf der weitläufigen Sportanlage St. Jakob bespielt, würde man ein Schwingfest «sehr begrüssen», wie Simon Thiriet, Sprecher des Erziehungsdepartements, auf Nachfrage festhält. Der Kanton habe an der letzten Versammlung des Eidgenössischen Schwingverbands, die in Basel stattfand, bereits Werbung in eigener Sache gemacht, sagt Thiriet.

Man respektiere aber die Haltung des Basler Schwingerverbandes, der bei der Durchführung des Schwingfests 2022 den Baselbieter Kollegen und deren Projekt in Aesch den Vortritt lassen will. «Wir werben den Baselbietern den Anlass sicher nicht ab, aber wir unterstützen den städtischen Verband, sollte dieser zum Handkuss kommen.» Klar ist für Thiriet auch: Ein Schwingfest auf städtischem Boden kann, wenn überhaupt, nur im Gebiet St. Jakob stattfinden. Sämtliche anderen Areale wie etwa der Rankhof, wo im Frühling das Baselstädtische Schwingfest über die Bühne ging, wären viel zu klein.

Stadt und Land sollen kooperieren

Für den Baselbieter Schwinger-Veteran Matthias Schütz ist zentral, dass die kantonalen Verbände von Stadt und Land nach dem Standortentscheid am selben Strick ziehen. «Nur so kann die Region diesen Riesenanlass überhaupt stemmen», ist Schütz überzeugt. Er verweist darauf, dass der Schwingsport in beiden Basel in der Bevölkerung weniger stark verankert sei als in anderen Schweizer Regionen; das erschwere die Organisation des Schwingfests: «Im Emmental haben vor drei Jahren ganze Dörfer wochenlang Ferien genommen, um beim Eidgenössischen in Burgdorf mitzuhelfen. Das ist hier undenkbar.»

Schütz teilt zudem die geäusserte Skepsis am Standort Aesch. Die Verkehrsinfrastruktur im Birstal genüge den Bedürfnissen eines Schwingfests bei weitem nicht. Schütz verweist auf die Probleme in Estavayer-le-Lac, wo in zwei Wochen das Eidgenössische 2016 stattfindet. Dort werden wegen begrenzter Schienen-Kapazitäten und der relativ grossen Entfernung der Bahnhöfe vom Festgelände massenhaft Shuttle-Busse eingesetzt. Zudem stehen im Umfeld des Militärflughafens Payerne 55 000 Parkplätze zur Verfügung. Zwischen Aesch und Reinach ist ein derart grosser Parkplatz schlicht undenkbar.