Fan-Artikel
Der FC Basel expandiert in die virtuelle Welt

Das Millionen-Geschäft mit Trikots und Schals stagniert, obwohl der Online-Handel in den letzten Jahren stark gewachsen ist.

Sébastian Lavoyer
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Die Zürchern haben dem FCB den Rang im Online-Handel abgelaufen

Die Zürchern haben dem FCB den Rang im Online-Handel abgelaufen

Zur Verfügung gestellt

Noch im Frühjahr 2015 lag GC vor dem FCB. Nicht sportlich, versteht sich, sondern bezüglich der Einnahmen aus dem Online-Verkauf von Fan-Artikeln. So sagte es Marketing-Boss Martin Blaser damals gegenüber der Fan-Publikation «Schreyhals». Und Blaser muss es wissen, er war vor seinem Wechsel ins Joggeli im 2013 während 13 Jahren für die Vermarktung verantwortlich bei den Grasshoppers. Unterdessen hat der FCB den Zürchern aber auch im Online-Handel den Rang abgelaufen, mutmasst Blaser.

Obschon das Sortiment unter dem Berner in Basler Diensten gestrafft wurde, gibts im Online-Shop noch immer praktisch alles zu kaufen, was das Fan-Herz begehrt oder begehren könnte: von A wie Autospiegel-Fussballschuhe bis Z wie Zahnbürste. Es gibt Produkte für Kinder, Frauen, Männer und selbst Tiere.

Einnahmen stagnieren

Im Fach-Chinesisch nennt man den Verkauf von Fan-Artikeln Merchandising. Genaue Zahlen hierzu veröffentlicht der FC Basel aber nicht. Aus den Geschäftsberichten ist nur ersichtlich, wie sich die kumulierten Einnahmen aus Merchandising und Lizenzgebühren entwickelt haben. Zwar sind diese seit 2009 deutlich gestiegen, in den letzten Jahren stagnierten sie auf einem Niveau von knapp über 3,5 Millionen Franken (siehe Statistik). «Dass die Einnahmen nicht weiter gewachsen sind, liegt auch daran, dass zum Beispiel die Trikotpreise deutlich gesunken sind», sagt Florian Hamann, Leiter Merchandising und Lizenzen.

Guter Absatz im Raum Zürich

Während die Verkäufe im Fanshop beim Stadion in etwa konstant geblieben sind, haben die Verkäufe im Online-Shop stark zugenommen. Heute mache der FCB circa 15 Prozent seines Umsatzes über das Internet. Aus der ganzen Schweiz kriegt der FC Basel Bestellungen. «Gerade auch im Raum Zürich setzen wir ganz anständige Mengen ab», sagt Hamann.
Logisch, dass die Zahlen immer auch vom sportlichen Erfolg abhängen. Gerade bei internationalen Spielen können die Umsätze in die Höhe schnellen. Blaser spricht von mehreren zehntausend Franken an einem Champions-League-Abend (siehe Interview). Daneben steigen die Verkäufe von Fan-Artikeln auch an Weihnachten, beim Trikotwechsel Mitte Jahr oder bei einem Meistertitel oder Cupsieg in die Höhe.

Trotz der breiten Palette an Produkten für FCB-Anhänger sagt Florian Hamann: «Das Trikot ist ganz klar die Nummer 1.» Und deutlich am beliebtesten war im letzten Jahr das Leibchen von Basels Spielmacher Matias Delgado – egal, ob im Stadion- oder im Online-Shop.

Nette Preise gegen ein paar Infos

Längst kann man den FCB nicht mehr nur im Stadion erleben. Auf Myfcbasel können Fans exklusive Preise gewinnen. Aber natürlich profitiert auch der Klub.

Wir leben im Zeitalter von Facebook, Twitter und Instagram, im Zeitalter der Communities (A. d. R. Online-Gemeinschaften). Jedes Unternehmen hätte am liebsten eine eigene Community. Es geht um Bindung, Informationen über und Austausch mit den Kunden.

Auch der FC Basel macht hierbei keine Ausnahme. Im Dezember 2015 lanciert, haben sich bis heute über die Homepage rund 20 000 Personen auf Myfcbasel herumgetrieben, wie Thomas Berweger, Community-Manager beim FCB, sagt. An den Umfragen auf der Fan-Plattform würden regelmässig mehrere Hundert Fans teilnehmen. Der FCB will seinen Anhängern dort Mehrwert und Unterhaltung bieten. «Sehr beliebt ist Mytipp», sagt Berweger. Ein Quizspiel rund um Klub und Stadt. Wer richtig antwortet, kann sogenannte Spins gewinnen und mit diesen beim Spiel «Spin the Ball» exklusive Preise wie beispielsweise ein Treffen mit einem Spieler.

Die Wünsche der Fans

Auch können die Anhänger auf der Plattform von Rabatten auf ausgewählten Fan-Artikeln profitieren. Im Gegenzug gewinnt der Klub Informationen über die Wünsche und Vorstellungen der Fans, macht Umfragen zum Beispiel dazu, wie man ins Stadion kommt – Bus, Tram, Auto. «Aber in erster Linie geht es uns darum, den Fans etwas zu bieten, nicht etwas von ihnen zu bekommen», behauptet Berweger. (sel)