Das Vorstandsgremium der Stadiongenossenschaft St. Jakob-Park hatte es abgenickt: Der FC Basel überweist ihr pauschal 3,8 Millionen Franken und erhält dafür das Recht, das Stadion in eigener Regie zu vermarkten. Dazu bezieht der Club weiter Dienstleistungen von Basel United, der Genossenschaftstochter, die bisher auch die Vermarktung verantwortete.

Anfang April wurde die Neuigkeit der Öffentlichkeit präsentiert, am 1. Juli sollte das neue Regime starten – und bis dann sollten die festgelegten Eckwerte in einen Vertrag gegossen sein.

Doch diese Vereinbarung steht nicht, seit Juni stocken die Verhandlungen. Exponenten von Basel United stellten höhere Begehrlichkeiten. Ein entsprechendes Schreiben wurde verfasst, doch der Präsident Thomas Meyer weigerte sich, dieses zu unterschreiben, weil es nicht den getroffenen Abmachungen entsprach.

Das Schreiben wurde dennoch abgeschickt – und Meyer legte seine Ämter Ende Juni nieder. Diese Version der Geschichte wird von verschiedenen Quellen bestätigt.

Recherchen zeigen, dass die höheren Begehrlichkeiten an den FC Basel wohl weniger mit dem Finanzbedarf der Genossenschaft für den Stadionunterhalt zu tun haben als vielmehr mit der betriebswirtschaftlichen Schräglage von Basel United.

Wie sich diese in Zahlen ausdrückt, bleibt Firmengeheimnis. Der interimistische Verwaltungsratspräsident Daniel Egloff sagt: «Basel United veröffentlicht seinen Jahresabschluss nicht.»

Basel United lebte mit Geschäft vom Joggeli

Basel United ist ein Kind des langjährigen Präsidenten Stephan Musfeld. Die Vermarktungs- und Dienstleistungsfirma war der operative Teil der Stadiongenossenschaft, der Eigentümerin des St. Jakob-Park.

Solange die Genossenschaftsvorstände mit VIP-Eintrittskarten bedient wurden, gab es für sie keinen Grund, nicht abzunicken, was Musfeld ihnen vorschlug. Basel United engagierte sich, wo sich Musfeld engagierte: Dieser baute das Eishockeystadion, Basel United übernahm die Vermarktung.

Musfeld baute das Oldtimer-Silo Pantheon, Basel United übernahm die Vermarktung. Es hält sich das Gerücht, alleine für das Recht, das Pantheon vermarkten zu dürfen, sei ein sechsstelliger Betrag geflossen.

Und gemäss mehreren Quellen resultiert aus dem Engagement in der Eishalle jährlich ein Verlust von rund 200 000 Franken. Und auch die kurzfristige Vermarktung der Pferderennbahn Schänzli soll Furchen in der Buchhaltung hinterlassen haben.

Konkret: Basel United lebte bisher vom Geschäft mit dem St. Jakob-Park. Oder aus Sicht des FC Basel: Der Fussballklub finanzierte das Selbstbedienungsunternehmen Basel United.

Meyer hatte die Büchse der Pandora geöffnet, als er mit dem FC Basel den Vermarktungsdeal einging – die Geister der nun klaffenden Finanzierungslücke lassen sich nunmehr schwer bändigen.

Sorgenkind Eishalle

Kritisch wird die Situation vor allem für die Eishalle St. Jakob-Arena, die nach Branchenbeobachtern von Anfang an ein Zuschussgeschäft war. Auch der Neustart im Catering scheint nicht zu funktionieren; der erst einjährige Vertrag wird erneut verhandelt.

Gesprächsbedarf hat auch Matthias Preiswerk, Verwaltungsratspräsident des EHC Basel, des Hauptmieters der Eishalle. Er klagt, von den Veränderungen bei Basel United habe er vor allem auf dem Latrinenweg erfahren.

Im Interesse aller plädiere er für eine Entflechtung zwischen der Eishalle und der Fussballarena. Ambitionen, künftig in der Eishalle zu wirken, werden dabei dem neuen Management der St. Jakobshalle nachgesagt.

Ein Geschäftspartner prophezeit, Basel United werde ein Geschäftsfeld nach dem anderen verlieren. Egloff ist optimistischer: «Ich gehe davon aus, dass alle Mitarbeitenden weiterarbeiten oder sonst vom FC Basel übernommen werden.»

Das Feld lichtet sich allerdings ganz von selbst: Marketingprofis und die Sprecherin Andrea Roth haben bereits zum FC Basel gewechselt, der bisherige Geschäftsführer, Thomas Ullrich, ist weg, der Finanzchef hat auf September gekündet.

Die Arbeit bleibt bei Egloff, dessen Hauptberuf eigentlich die Führung von Basel Tourismus ist – und der das Amt so rasch wie möglich wieder abgeben will.

Wenig Unterstützung wird Egloff vom neuen Genossenschaftspräsidenten Markus Lehmann erwarten können. Der Versicherungsmakler betont nämlich, wie wichtig im Sinne der Corporate Governance eine getrennte Führung sei.