Zwischennutzung

Der Fondue-Turm steht diesen Winter nicht in Basel

Das beliebte und viel besuchte Winterprojekt Tour Vagabonde findet in diesem Jahr nicht statt.

Das beliebte und viel besuchte Winterprojekt Tour Vagabonde findet in diesem Jahr nicht statt.

Shift-Mode gibt der «verhindernden Haltung der Nachbarschaft» die Schuld daran, dass der «Tour Vagabonde» dieses Jahr nicht in Basel steht. Recherchen der bz ergeben, dass für die beliebte Fondue-Beiz gar keine Bewilligung beantragt wurde.

Der Winter steht vor der Tür, und er wird in diesem Jahr ein klein wenig kälter werden. Nicht meteorologisch, eher in Bezug auf die seelische Wärme, die im letzten Jahr beim Besuch der Gaukler-Fondue-Beiz Tour Vagabonde aufgetankt werden konnte. Es ist wohl das bisher beliebteste Projekt in der Hafen-Zwischennutzung am Klybeckquai, das Gastronomie-Erlebnis war auf jeden Fall plötzlich in aller Munde, und die meisten Besucher waren voll des Lobs für die Mischung aus leckerem Fondue und auflockender Troubadour-Stimmung.

Seit Donnerstag ist klar: Der «Tour Vagabonde» wird in diesem Jahr nicht mehr in Basel stehen. Doch wer ist schuld daran? Die Anwohner und das Amt für Umwelt, schreibt der Verein Shift-Mode, der für die Zwischennutzungen im Hafen verantwortlich ist, in einer Medienmitteilung. Genauer: «Das beliebte und viel besuchte Winterprojekt kann wegen der verhindernden Haltung der Nachbarschaft und dem für Zwischennutzungen gesetzlich engen Spielraum nicht stattfinden.»

Die Anwohner ihrerseits reagierten prompt mit einer Gegendarstellung und wehren sich dagegen, dass sie bezüglich des Fondue-Turms als Verhinderer dastehen. Martin Brändle von der Wohngenossenschaft Klybeck sagt: «Wir haben nichts gegen ein solches Angebot, sondern begrüssen diese Form der verträglichen Zwischennutzung sogar ausdrücklich. Ich war zwar selbst nie im Tour Vagabonde, habe aber mehrfach gute Rückmeldungen erhalten, auch aus der Anwohnerschaft.» Dass Shift-Mode nun auf den Anwohnern herumhacke, stelle den Verein in ein schlechtes Licht. «Ich kann mir sogar vorstellen, dass die Verantwortlichen den Tour Vagabonde gezielt nicht stattfinden lassen, weil sie wissen, dass es ihr einziges Projekt mit Breitenwirkung ist», sagt Brändle.

Herzblut fürs Lieblings-Projekt

Dagegen wehren sich Katja Reichenstein und Thomas Brunner von Shift-Mode ausdrücklich. «Der Tour Vagabonde ist mit Abstand das schönste Projekt, das wir bis jetzt im Hafen realisiert haben. Wir haben uns monatelang in Freiwilligenarbeit dafür eingesetzt, dass es im letzten Winter stattfinden konnte, und haben alles gegeben, dass der Gaukler-Turm auch in diesem Jahr wieder nach Basel kommen kann», sagt Reichenstein. Brunner fügt an: «Wir können es uns schlicht nicht leisten, nochmals eine Lärmklage zu riskieren, deshalb muss der Fondue-Turm als erstes Projekt abgesagt werden; weitere werden folgen, falls sich der Kanton nicht deutlich für solche Formen der Zwischennutzungen einsetzt.» In Fribourg, wo der mobile Tour Vagabonde herkommt, könne das Konzept seit über 20 Jahren ohne Probleme durchgeführt werden; in Basel hingegen sei der Zelt-Turm aufgrund seiner Bauhülle nicht gesetzeskonform.

Noch spezieller an der ganzen Sache ist, dass sich Shift-Mode nicht in letzter Konsequenz für die Wiederdurchführung des Angebots eingesetzt hat, wie Recherchen der bz ergeben. Der Verein hat nämlich beim Amt für Umwelt gar kein Gesuch für diesen Winter eingereicht, wie Amtsleiter Matthias Nabholz auf Anfrage bestätigt. Mehr noch: «Eine Zwischennutzung wie der Tour Vagabonde wäre grundsätzlich bewilligungsfähig, aber wenn kein Gesuch eingereicht wird, dann können wir auch kein Gesuch bewilligen.»

Über diese Aussage staunen die Shift-Mode-Verantwortlichen. «Wenn das so ist, werde ich am Montag bei Herrn Nabholz im Büro stehen und eine Bewilligung beantragen», verspricht Brunner. Doch für diesen Winter wäre das zu spät, denn die Vagabonde-Betreiberin Marie-Cécile wird ihren Gaukler-Turm in diesem Jahr in Fribourg aufbauen. «Ich wäre sehr gerne erneut nach Basel gekommen, aber wenn wir an einem Ort Probleme verursachen, dann gehen wir anderswo hin», sagt sie. Was bleibt, ist der Trost, dass das Fondue-Beizli in diesem Jahr in Fribourg zu stehen kommt, also weniger als 90 Minuten Zugfahrt von Basel entfernt; die Baslerinnen und Basler können sich ihr Stückchen Seelen-Wärme also auch in diesen Winter holen.

Halt einfach nicht gleich vor der eigenen Haustür, sondern ein Stückchen weiter süd-westlich.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1