Strafgericht
Der Freizeitpark-Betrüger muss für drei Jahre hinter Gitter

Das Umleiten von herkömmlichen Anlagegeldern in riskante Projekte ist strafbar: Ein ehemaliger Geschäftsführer, der auf Sizilien ein Freizeitpark à la Disneyland eröffnen wollte, muss nun auch mit hohen Ersatzforderungen leben.

Patrick Rudin
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Ein Pferdetram im Eurodisneyland in Paris (Archivbild).

Ein Pferdetram im Eurodisneyland in Paris (Archivbild).

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Er hat Anlagegelder von Kunden unerlaubt als Risikokapital verwendet: Das Basler Strafgericht sprach am Donnerstag einen 47-jährigen Mann wegen mehrfacher Veruntreuung und Geldwäscherei schuldig. Das Dreiergericht verhängte eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 2,5 Jahren, davon muss er sechs Monate absitzen.

Von einem Hochstapler in Deutschland hatte er rund drei Millionen Franken an Kundengeldern akquiriert, den Anlegern war die Sache als sicheres Investment verkauft worden. Tatsächlich jedoch war ein 600 Millionen-Freizeitpark auf Sizilien geplant, die dafür nötigen Gelder kamen aber nie zusammen.

Gerichtspräsident Dominik Kiener erwähnte in seiner Urteilsbegründung, es sei schon abenteuerlich, ohne einen Investor im Rücken ein solches Projekt zu stemmen. Andere Freizeitparks seien über die Jahre gewachsen oder hätten einen solventen Konzern im Rücken. Frei erfunden sei die Sache allerdings nicht gewesen, das Projekt habe durchaus existiert.

Hohe Rückzahlungs-Forderung

Allerdings hatten verschiedene Anleger des deutschen Hochstaplers ihre Gelder jeweils direkt auf das Schweizer Bankkonto der Promotionsfirma überwiesen, jeweils Beträge zwischen 50'000 und 150'000 Franken. Die Begründung dafür war, dass die Anlagen auf «der Korrespondenzbank gespiegelt» werden müssten.

Das Geld ist definitiv futsch: Zivilrechtlich verdonnerte das Gericht den Mann auch zur Rückzahlung von rund einer Million Franken an die Gläubiger. Die Mehrzahl von ihnen (die weitere rund zwei Millionen Franken verloren haben) hatten allerdings gar keine Forderungen gestellt, zumal sie ohnehin nicht mit einer Rückzahlung rechnen: Der Mann gibt an, heute mittellos zu sein und kaum mehr für seine Familie sorgen zu können.

Von der Urteilseröffnung am Donnerstag wollte sich der im Raum Zürich wohnhafte Mann gar dispensieren lassen, weil er nicht wisse, wo er das Geld für die Bahnfahrkarte hernehmen solle. Das Gericht blieb aber hart: Er musste sich den Schuldspruch anhören. Dominik Kiener räumte ein, der Angeklagte selbst habe nicht in Saus und Braus gelebt, dennoch habe er genau gewusst, dass die Anleger nicht in Risikokapital investieren wollten. Das Zurücktransferieren der deutschen Gelder zum Kauf der Markenrechte eines deutschen Fussballklubs sei schon fast ein Musterbeispiel für Geldwäsche, meinte Kiener.

Auch die beteiligte Grossbank habe bei der ganzen Sache keine gute Figur gemacht, befand das Gericht. Allerdings habe der Angeklagte monatelang explizit von der Bank verlangte Unterlagen zurückgehalten, und in gewissen Dokumenten sei auch die Bank über den Anlagezweck der Gelder auch getäuscht worden. Der 47-Jährige kann das Urteil noch weiterziehen. Der Hochstapler aus Deutschland muss sich zu einem späteren Zeitpunkt auch in seiner Heimat noch vor Gericht verantworten.