Es ist eine wunderschöne Parkanlage. Ein Ort der Trauer zwar, aber auch der Erholung. In den hunderte Meter langen Alleen können sich die Spaziergänger auf dem Friedhof Hörnli auf eine Bank setzen und die Stille geniessen. Die Vielfalt an Flora und Fauna auf der 53 Hektar weiten Fläche ist eine Pracht. Die Basler Stadtgärtnerei ist dafür verantwortlich, dass der Friedhof zu jeder Saison in Sachen Parkpflege ein schönes Bild abgibt.

So kümmern sich die rund 28 Mitarbeiter der Stadtgärtnerei auf dem Hörnli auch um den Grabschmuck. Von den knapp 30 000 Gräbern sind es mit etwa 19 000 65 Prozent, die sie während des ganzen Jahres bepflanzen, die Blumen giessen und Unkraut jäten. Die restlichen 35 Prozent gestalten einerseits die Angehörigen der Verstorbenen oder private Firmen. Dies wohl, damit individuelle Wünsche der Angehörigen umgesetzt werden können. Patrick Goepfert, der für die Pflege des Friedhofs am Hörnli zuständig ist, hat mit seinen Leuten vor erst wenigen Tagen den Herbstschmuck auf den Gräbern angelegt.

Pflanzen müssen farbresistent sein

Dieses Jahr sind es rote, rosa und weisse Calluna sowie gelbe Erika Arborea. Die beiden Pflanzen können einiges an Wetterumschwung ertragen. Sie sind pflegeleicht, nicht pilzempfindlich und farbresistent, erklärt Goepfert. «Unser unbedingtes Ziel ist, dass die Erika bis zu Weihnachten rot leuchten.» Gehen einige bis dahin kaputt, werden sie ausgetauscht.

Die meisten Angehörigen engagieren die Basler Stadtgärtnerei mit Pauschalaufträgen. Das heisst: Für 157 Franken wird ein Urnen-Reihengrab, für 211 Franken ein Erd-Reihengrab drei Mal im Jahr – zur Frühlings-, Sommer- und eben Herbstsaison – bepflanzt. Für Familiengräber sind die Preise höher, es komme auf die Grösse der Fläche an. Zudem werden diese während der Wintermonate mit Tannenästen bedeckt. Meist bestellen die Angehörigen den Pauschalauftrag für zehn Jahre, danach werden gut 40 Prozent nicht mehr verlängert.

Neben den Pauschalaufträgen führt Goepfert mit seinem Team Einzelaufträge aus – vor allem im Frühling und Sommer. Im Herbst sei die Grabpflege für die Angehörigen wohl mit weniger Aufwand verbunden, führt er aus. Damit die Gärtner kein Durcheinander bekommen, steckt neben jedem Grabstein ein kleiner roter oder weisser Pfosten als Merkmal. Rot heisst Einzelauftrag – sprich: Sonderbepflanzung. Weiss heisst pauschal – sprich: derzeit eben Erika und Calluna.

Wie auf jedem anderen Friedhof gibt es auf dem Hörnli Gemeinschaftgräber. Da sich die Friedhofskultur in einem starken Wandel befindet, werden die Verstorbenen immer häufiger dort begraben. Dies unter anderem weil die Grabpflege für die Angehörigen weniger belastend ist. Sie können Verantwortung abgeben, wie Goepfert ausführt.

Auf dem Feld der Gemeinschaftsgräber sind die Angehörigen selber für den Grabschmuck verantwortlich. Am Rande des Feldes stellen sie Töpfe, Kränze, Kerzen oder Laternen auf. «Wir reinigen zwei bis drei Mal in der Woche die Platten vor dem Feld. Die Angehörigen müssen sich also bewusst sein, dass wir Blumen, die verwelkt oder Kerzen, die runtergebrannt sind, wegnehmen.» Manchmal würden die Grabbesucher die Blumentöpfe ausbessern, «grenzwertig», sagt der 50-jährige Gärtner.

Bei den Kindergräbern und auf der Wiese, auf der die Sternenkinder begraben werden, seien die Regeln nicht so streng.

Kampf gegen Frost und Schnee

Für die Herbstbepflanzung, die immer um Allerheiligen abgeschlossen wird, knieten die Gärtner etwa drei Wochen über den Gräbern. Diese Pflanzen-Setzung sei die angenehmste, erklärt Goepfert. «Im Frühling kämpfen wir mit Frost, Nässe oder sogar Schnee und im Sommer ist es je nachdem heiss.» Im Frühling zieren Stiefmütterchen, Vergissmeinnicht oder Tulpen die Gräber und es wird darauf geachtet, dass an Ostern alles geschmückt ist. Im Sommer pflanzen die Gärtner unter anderem Begonien.

Natürlich gebe es Reklamationen, auch weil Rehe, die nachts über den Friedhof wandern, oder Krähen die Blumenpracht immer wieder zerstören. Oder weil Angehörige andere Blumen bevorzugt hätten. «Es gibt Besucher, die wissen, wann wir welches Feld bewirtschaften. Sie kommen vorbei und wünschen sich eine bestimmte Farbe einer Pflanze.» Ist das Grab noch nicht bewirtschaftet, nimmt Goepfert, der seit zwölf Jahren als Hörnli-Gärtner tätig ist, Rücksicht auf deren Wünsche.

Die Pflanzen, die die Friedhofs-Gärtner setzen, werden zwei Jahre im Voraus bestellt. 38 000 Stück Erika und Calluna hat Goepfert in diesem Jahr an Herbstflora bestellt. Im Sommer benötigt er 280 000 und im Frühling 300 000 Stück. Derzeit wird auf dem Hörnli ein neues Grabfeld angelegt.

Nach der Bestattung dauert es etwa sechs Monate, bis Goepfert und sein Team mit dem Grabschmuck beginnen können. «Die Erde darf sich nicht mehr bewegen, sie muss sich zuerst setzen.»