Am Mittwoch hat Zolli-Direktor Olivier Pagan die Partnerschaftskonvention mit der Fondation Prince Albert II de Monaco bekannt gegeben. Im Oktober findet ein Gala- und Benefizanlass mit Anwesenheit von Fürst Albert von Monaco statt. Die Gelegenheit nutzt Pagan, um auf das Mittelmeer und seine Flora und Fauna aufmerksam zu machen.

Das Vivarium des Zoos Basel zeigt seinen Besuchern in fünf Aquarien die Artenvielfalt des Binnenmeeres. Die Geschichte und seine speziellen Bewohner und Zonen werden vorgestellt. «Den meisten Menschen ist nicht bekannt, dass das Mittelmeer ein Juwel an Artenvielfalt und gleichzeitig ein bedrohter Lebensraum darstellt», sagte Thomas Jermann, Kurator Vivarium. 200 Millionen Touristen belasten es jährlich. Mit der Partnerschaftskonvention unterstütz der Zoo ein Schutzprojekt in diesem Lebensraum.

Oase der Artenvielfalt

Drei Zugänge kennt das Meer heutzutage: die Meerenge von Gibraltar, den Bosporus und den Suezkanal. Das war aber nicht immer so. Vor 5,5 Millionen Jahren war die Strasse von Gibraltar geschlossen, was eine rapide Austrocknung des Mittelmeers bewirkte. Nach der «Wiedereröffnung» füllte sich das Becken genauso schnell, dabei sind viele Organismen gewandert und eingewandert, es kam zu Wiederbesiedlungen.

Dieser Prozess führte zur grossen Artenvielfalt im Mittelmeer. Über 6 Prozent aller bekannten Meeresorganismen leben heute in diesem winzigen Meer, das nur 0,32 Prozent des gesamten Ozeanvolumens ausmacht. Die meisten Arten stammen vom Atlantik, es bestehen aber auch Relikte aus ganz alten Zeiten. Der von Menschenhand erschaffene Suezkanal provozierte diverse Einwanderungsgeschichten, die nicht alle «erwünscht» seien und «unabsehbare Einwirkungen auf Fauna und Flora nahmen», so Jermann.

Es gibt Organismen, die nur im Mittelmeer vorkommen. Was hauptsächlich an der Strasse von Gibraltar liegt, da für gewisse Tiere diese Barriere nicht überwindbar ist.

Spezialfall Spiegeleiqualle

Zu diesen endemischen Arten, die nur im Mittelmeer auftreten, gehört auch die Spiegeleiqualle, die ihren Namen ihrer speziellen Form verdankt. Ihre Nährstoffquelle ist unter anderem das Plankton. Gerade dieses ist aber im Mittelmeer aufgrund der Nährstoffarmut sehr rar. Um zu überleben, mussten die Schirmquallen eine Symbiose mit Algen eingehen. Diese Untermieter betreiben Fotosynthese und liefern ihren Wirten dadurch zusätzliche Nahrung.

Die Spiegeleiquallen im Zolli

Die Spiegeleiquallen im Zolli

Neben Spiegeleiquallen lassen sich auch ungewöhnliche Lebensräume im Mittelmeer finden. Sehr berühmt seien die Seegraswiesen, berichtet Jermann. Diesen Posidoniawiesen misst er grosse Bedeutung bei. Es handelt sich um grosse, ausgedehnte Pflanzenbereiche, wo sich Organismen vermehren können. «Solche Flachwassergebiete sind sehr schützenswert.»

Geschlechtswandler vom Litoral

Viele Fische leben nahe den Felsküsten. In 200 Meter Tiefe suchen die leuchtend rot gefärbten Schnepfen- und Eberfische im weichen Bodengrund des Kontinentalschelfs nach Futter. Den rötlichen Schein sieht der Besucher aber nur durch das Kunstlicht, denn mit zunehmender Tiefe verschwindet der rote Spektralanteil im Licht. Diese roten Tiere sind also getarnt. Die meiste Fischerei findet im Schelfgebiet statt.

Etwas bunter zeigen sich der Meerpfau und der Meerjunker. Letzterer wandelt im Laufe seines Lebens das Geschlecht. Ein Männchen befindet sich im Zolli-Vivarium und es fällt gleich durch sein farbenfrohes Schuppenkleid auf. Die Weibchen sind unscheinbarer in Brauntönen gefärbt. Sie sammeln sich um das Männchen und werden dadurch zusammengehalten. Falls das Männchen stirbt, braucht der Zoo nicht ein neues zu beschaffen. Nach einigen Wochen warten, ändert eines der Weibchen seine Farben und wird zum neuen Männlein, das auch die Paarung übernimmt.

Schutzprojekt Mittelmeer

All diese Besonderheiten will der Basler Zoo schützen. Deshalb engagieren sich die Zolli-Verantwortlichen und die Fondation Prince Albert II de Monaco gemeinsam und fokussieren sich dabei auf maritime ökologische Anliegen. Konkret lautet das Projekt «Aires marines protégées» und erhält vom Zoo Basel rund 25 000 Franken.

Olivier Pagan erhofft sich von dieser Zusammenarbeit, dass weitere Schutzprojekte entstehen und diese präventiv gegen Überfischung wirken. Ihm geht es darum, die Besucher für die Artenvielfalt und die bedrohliche Lage zu sensibilisieren.