Es gibt die Angler, die am Ufer stehen und ihre Köder ins Gewässer auswerfen. Es gibt die Fischer, die mit ihrem Booten in den frühen Morgenstunden aufs Meer hinausfahren. Und es gibt den Galgen-Besitzer Christian Trachsel. Seit 22 Jahren gehört ihm das Holzhäuschen unterhalb der Schleuse auf Kleinbasler Seite. Gefischt hat er schon als Bub – und davon geträumt, eines Tages einen Galgen zu besitzen, auch.

Der Galgen, ein langer Arm als Vorrichtung, um ein grosses Netz im Wasser zu versenken, hängt links vom Häuschen in den Bäumen fest. Trachsel kurbelt kräftig am Rad, um ihn zu lösen, schwenkt das Netz langsam über den Rhein und lässt es ins Wasser tauchen. Und zwar hinter der Wehr, einem Holzzaun, der das Rheinwasser vor dem Netz bremst. Trachsel wartet ein paar Minuten – «eine Zigarettenlänge» –, bis er es wieder aus dem Wasser hebt. Nun kann er zählen, wie viele Fische ihm ins Netz geschwommen sind. Er komme natürlich hierher zum Fischen, aber «das, was ich hier tue, ist Zufallsfischerei».

Ohne Vitamin B gehts nicht

Die Ausbeute seines Fangs aus dem Rhein ist jeweils nicht riesig. Forellen, Hechte und Zander legt er aber gerne auf den Grill. «Das Schöne am Fischen ist ja, dass man die Tiere beim Fangen nicht verletzt. Wenn ich sie also nicht möchte, werfe ich sie einfach wieder zurück in den Rhein.» Derzeit lässt er seinen Fischergalgen lieber über dem Boden hängen, denn beim aktuellen Wasserstand von gegen 800 Zentimeter hat er keine Chance, Fische zu fangen.

Bevor sich Trachsel den jetzigen Galgen gekauft hat, besass er einen anderen oberhalb der Schleuse. «Dort habe ich aber nie etwas gefangen, weil das Wasser zu tief ist.» Um sich überhaupt einen Galgen unter den Nagel reissen zu können – es gibt nur gegen 60 Stück am Basler Rheinufer –, braucht es ein grosses Beziehungsnetz. «Man muss Leute in Fischerkreisen kennen und man braucht Vitamin B.» Was die ganze Sache zusätzlich erschwert, ist, dass die Galgen durch Vererbung lange innerhalb der Familie bleiben. Eine Prise Glück und Zufall spielen auch eine Rolle. Zudem gibt es eine Auflage vom Kanton, denn der Boden am Rheinufer gehört dem Staat: Galgen-Besitzer kann nur werden, wer in Basel wohnt. Fischergalgen in Basel wurden 1954 aufgrund des Kraftwerks in Birsfelden gebaut.

Genauso wichtig wie das Fischen selbst ist für Trachsel die gesellige Seite, den sein Galgen mit sich bringt. Zusammensein, Grillieren, Jassen. In seinen wenigen Quadratmetern sieht es denn auch gemütlich aus. Ein Holztisch mit einer Eckbank, ein Kühlschrank und eine Geschirrkommode. An der Wand hängen ein Jassteppich und ein Poster, auf dem alle Schweizer Fische gezeichnet sind.

Ausbauen ist verboten

Trachsel gibt sein kleines Idyll nicht mehr so schnell her: «Einige haben ein Gartenhäuschen, andere eine Ferienwohnung im Wallis. und ich habe meinen Galgen.» Im Winter trifft sich die Familie zum Fondueessen, denn während der kalten Jahreszeit ist Fischen wegen der Schonzeit verboten. Machen, was er möchte mit seinem Holzhaus, darf der 60-Jährige natürlich nicht. Der Galgen untersteht einem Galgenhausgesetz. Darin steht, dass er nicht grösser als ein Gartenhäuschen sein darf. Ausbauen ist also Tabu. Auch für Trachsel, dem einer der Kleinsten gehört.

Auch wenn Christian Trachsel vor allem die Gemütlichkeit in seinem Galgen geniesst, ist er leidenschaftlicher Fischer. Deswegen bereitet es ihm Sorgen, dass es in Basel fast keinen Fischernachwuchs mehr gibt. Seine beiden Kinder haben das Fischerbrevet, aber «die meisten Jungen spielen heute lieber Fussball».