Nachfolge

Der Geheimplan der Basler SP: Wie die Partei die Regierung weiter dominieren will

Um Krach mit den Frauen zu vermeiden, soll SP-Nationalrat Beat Jans erst später bei den Regierungsratswahlen zum Handkuss kommen. (Archiv)

Um Krach mit den Frauen zu vermeiden, soll SP-Nationalrat Beat Jans erst später bei den Regierungsratswahlen zum Handkuss kommen. (Archiv)

Eine Nachfolgerin für Hans-Peter Wessels? So könnte bei der SP-Nomination im April der grosse Krach mit den Frauen vermieden werden. Ausserdem würde man das Dilemma Jans elegant lösen – denn Brutschin soll nochmals kandidieren, um später Platz für den Nationalrat zu machen.

Bei den Genossen steigt die Spannung. Bis Ende Jahr soll entschieden werden, wer seinen Hut in den Ring wirft für die Vakanz(en) im Regierungsrat. Momentan warten alle auf die Entscheidung von Christoph Brutschin. Während Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels bereits angekündigt hat, nicht mehr für eine weitere Amtszeit kandidieren zu wollen, hat sich der Vorsteher des Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt Bedenkzeit bis Ende Jahr ausbedungen.

Brutschins Entscheid wird eine Reihe von weiteren Fragen nach sich ziehen: Etwa diejenige nach der Geschlechtervertretung. Mehrere Exponentinnen hatten bereits angemeldet, dass es nach zwölf Jahren mit einer Frau und zwei Männern in der Regierung für die SP nun Zeit sei, das Geschlechterverhältnis umzukehren. Zumal das Verhältnis aktuell auch in Bundesbern zwei zu eins ist. Wenn Brutschin nochmals antreten will, dürfte es für männliche Kandidaten sehr schwierig werden.

Brutschin würde nahtlosen Übergang garantieren

Ebenfalls nicht ausser Acht gelassen werden, darf das grössere Bild. Die Basler SP steckt mitten in einer grossen Personalrochade. In den vergangenen Jahren trat rund einer Drittel der kantonalen Parlamentarier zurück. Im Herbst wurden zwei der drei Sitze im Bundeshaus neu besetzt. Mit der gleichzeitigen Wahl von Tanja Soland begann bei der SP der Generationenwechsel in der Regierung. Dass Soland den Sprung in die Exekutive bereits im ersten Wahlgang geschafft hat, ist für Parteipräsident Pascal Pfister «ein starkes Zeichen. Es ist die Bestätigung, dass die guten Resultate der vergangenen Jahre nicht nur an den Personen, sondern auch an unseren Inhalten liegen.»

Gleichzeitig sei ein «Urgestein der Basler Sozialdemokratie» wie Brutschin natürlich nicht so einfach zu ersetzen, weiss auch Pfister. Denn auch wenn die Basler SP momentan auf einer Erfolgswelle schwimmt: Ein Zugpferd wie Brutschin auf dem Regierungsticket wäre die sicherere Ausgangslage als mit zwei Neuen und einer frisch ins Amt Gewählten anzutreten. Auch regierungsintern würde der politische Silberrücken für Konstanz und eine Fortsetzung der bisherigen rotgrünen Politik sorgen.

Gespräche dieser Zeitung mit einer Reihe Parteivertretern zeigen, dass die Parteispitze zurzeit ein Lieblingsszenario hat: Brutschin macht weiter, tritt aber in der nächsten Legislatur zurück.

Für Jans stimmt das Timing momentan nicht

So könnte bei der Nomination im April der grosse Krach mit den Frauen vermieden werden. Ausserdem würde man das Dilemma Jans elegant lösen. Denn nachdem der langjährige Nationalrat auf den geplanten Wechsel in den Ständerat zugunsten von Eva Herzog verzichten musste, liebäugelt Beat Jans immer unverhohlener mit einem Regierungsamt. Als Nachfolger von Wessels stimmt aber das Timing nicht. Einerseits ist da wieder die Frauenfrage. Andererseits würde er sich angreifbar machen, wenn er wenige Monate nachdem er als Nationalrat bestätigt wurde, bereits Wechselgelüste hegt. Bei einer Kandidatur in zwei, drei Jahren würde dagegen das Timing passen. Zumal dann mit Sarah Wyss noch eine junge Frau für ihn in den Nationalrat nachrücken könnte.

Das Nachsehen haben bei diesem Szenario mehrere SP-Politiker, die ebenfalls Ambitionen auf den Job als Regierungsrat hegen. Denn sie müssten zuerst hinter den Frauen und dann hinter Jans anstehen.
Bisher hat erst Grossrätin und Gewerkschafterin Kerstin Wenk ihr Interesse an der Nachfolge von Wessels angemeldet. Nachdem im Herbst die Kandidatinnen für Ständerat und Regierung parteiintern ausgejasst waren und von der Basis nur noch beklatscht werden mussten, sollen dieses Mal aber die Delegierten entscheiden, so Pfister: «Ich wünsche mir nicht, dass es im April nur eine Kandidatur gibt», sagt er.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1