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Der geplante Uni-Umzug stösst bei Politikern auf grossen Anklang

Politikerinnen und Politiker aus Stadt und Land sehen fast nur Vorteile bei einem Umzug einzelner Fakultäten nach Liestal. Selbst die Uni-kritische Baselbieter SVP würde einen Standort der Universität Basel im Landkanton begrüssen.

Daniel Ballmer
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Bis zu 3000 Jura- und Wirtschaftsstudierende der Uni Basel könnten künftig in Liestal die Vorlesung besuchen. (Archiv)

Bis zu 3000 Jura- und Wirtschaftsstudierende der Uni Basel könnten künftig in Liestal die Vorlesung besuchen. (Archiv)

Nicole Nars-Zimmer

Elisabeth Schneider-Schneiter ist begeistert: «Für die Uni Basel wäre das ein wichtiger Schritt. Ihre Akzeptanz im Kanton Baselland würde sicher gestärkt», sagt die Baselbieter CVP-Nationalrätin. Gestern hatte die bz bekannt gemacht, dass mit der Juristischen und der Wirtschaftswissenschaftlichen gleich zwei Fakultäten nach Liestal umziehen sollen. Einen Grundsatzentscheid hat die Uni bereits gefällt.

Egal, ob in der Stadt oder auf dem Land, ob links oder rechts: Der Entscheid kommt unter den Politikern mehrheitlich gut an. Für die Grünen in beiden Basel ist die Ansiedlung von Instituten in Baselland wichtig für die Stärkung und Absicherung der gemeinsamen Uni-Trägerschaft. Denn im Baselbiet wird diese immer wieder infrage gestellt. Ein Grund sind die maroden Kantonsfinanzen. Ein anderer die Tatsache, dass viele Baselbieter die Uni nicht als eigene Institution wahrnehmen, die es zu stützen gilt. «Ein solcher Schritt stärkt den Goodwill », sagt die Baselbieter Grünen-Präsidentin Florence Brenzikofer. Und die Fachhochschule Nordwestschweiz mit Instituten in Muttenz, Olten oder Brugg zeige, dass eine Hochschule auch mit verschiedenen Standorten in Bahnhofsnähe sehr gut funktionieren könne.

Liestal erfüllt Voraussetzungen

Die sich konkretisierende Idee eines Campus Liestal zeige, dass die Uni wie auch die beiden Kantonsregierungen gewillt seien, Baselland als Trägerkanton jenen Stellenwert zuzugestehen, der ihm zustehe, findet Nationalrätin Schneider-Schneiter: «Das ist ein Schritt in Richtung Partnerschaft, wie sie gelebt werden sollte.»

Lukas Ott ist von der Idee ohnehin überzeugt: Der grüne Stadtpräsident weibelt seit Jahren dafür, dass Liestal Uni-Standort wird: «Die Stadt expandiert stark bei Bevölkerung, Infrastruktur und Verkehrserschliessung.» So erfülle sie längerfristig die Voraussetzungen, um dem Anspruch als Uni-Standort vollauf gerecht zu werden. Der Fortschritt zeige sich aktuell etwa beim Bahnhof. Auch beim öV tue sich einiges. So wird die Zugverbindung Basel-Liestal mit einem Viertelstundentakt der S-Bahn weiter verbessert werden. «Dadurch rücken Basel und Liestal noch näher zusammen.»

Auch der Basler FDP-Präsident Luca Urgese ist grundsätzlich einverstanden: «Wollen wir die gemeinsame Trägerschaft ernst nehmen, sollten wir Baselland bei der Standortwahl angemessen berücksichtigen.» Wichtig sei, dass die Fakultäten nicht standortgebunden sind. «Sonst aber sollte es für die Studierenden zumutbar sein, zehn Minuten zu pendeln.» Hinzu komme die Pflege des regionalen Gedankens, der nicht zu unterschätzen sei. Das sieht Sebastian Frehner ähnlich. «Basel-Stadt hat immer mal wieder die Tendenz, andere Kantone an Institutionen zu beteiligen, dann aber den Lead behalten zu wollen», sagt der Basler Nationalrat und SVP-Präsident. Gerade hier aber sei es richtig und wichtig, Baselland mehr Gewicht zu verleihen.

Selbst für SVP ein richtiger Schritt

Selbst die ansonsten Uni-kritische Baselbieter SVP spricht von einem Schritt in die richtige Richtung. «Das reicht allerdings noch nicht», stellt Parteipräsident Oskar Kämpfer klar. «Es wäre schön, wenn der Universitätsvertrag endlich einhalten würde.» Dieser schreibe vor, dass möglichst noch weitere Kantone in die Trägerschaft eingebunden werden und die Uni-Standorte dann entsprechend verteilt werden. Davon aber sei man noch weit entfernt.

Skeptisch zeigt sich Beat Jans. Für den Basler SP-Nationalrat wäre es sinnvoller, wenn alle Uni-Institute nahe beieinander bleiben. «Aber politisch ist ein solcher Schritt wohl nötig», ist ihm bewusst. Offener gibt sich seine Parteipräsidentin Brigitte Hollinger. Für sie steht der Idee nichts im Weg: «Ich erwarte jedoch, falls die Uni in Liestal Fuss fasst, dass dies ein klares Bekenntnis von Regierung und Bevölkerung für eine partnerschaftliche Universität ist – ohne Wenn und Aber.»

Die Uni-Pläne werden zu einem heissen Zeitpunkt öffentlich: Am 5. Juni stimmt Baselland über Beiträge an die Pensionskassensanierung für die Uni-Mitarbeitenden ab. Die Pläne hätten auf den Abstimmungskampf sicher Einfluss, obwohl kein direkter Zusammenhang bestehe, sagt SVP-Präsident Kämpfer. Erste Umfragen aber stimmten ihn optimistisch, das Referendum dennoch gewinnen zu können: «Ich hoffe nur, dass die Absichten der Uni den Abstimmungstermin dann auch wirklich überdauern werden.»

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