Lächelnd betritt er den Raum und nimmt am Kopf der Tafel Platz. Er verschüttete etwas Wasser: Ein Missgeschick, «Mist», weggewischt. «Guten Morgen. Ich werde Ihnen heute Red und Antwort stehen.»

Einen Tag Zeit hat sich Regierungsrat Hans-Peter Wessels ausbedungen. Jetzt will er Stellung nehmen. Das Urteil der Scharfrichter aus der Geschäftsprüfungskommission (GPK) war von einer für hiesige Verhältnisse seltenen Härte. Die Öffentlichkeit wartet gespannt auf die Reaktion, «Tele Basel« überträgt sogar live.

Doch die Reaktion bleibt aus, die Pressekonferenz bleibt weitgehend inhaltsleer. Stattdessen verkam sie zu einer Wesselschen Wesensschau.

Flankiert ist er lediglich von einer Dame aus seinem Medienteam. Sie sitzt einfach da, die Fragen koordiniert er. Nennt jeden einzelnen Journalisten bei dessen Namen. Er hat mit fast allen schon einmal zu tun gehabt. Etwas, das er anderen Magistraten voraushat.

Einen nach dem anderen fordert er auf, Fragen an ihn zu stellen. Alle siezen ihn, obwohl ausserhalb von diesem Raum und dieser Zeit viele auf Du und Du mit ihm sind. Auch das etwas, das andere Regierungsmitglieder anders handhaben.

Ton wird zunehmend schärfer

Die Öffentlichkeit will ein Schuldeingeständnis. Die Basler Journalisten sind erpicht, ein Stück herauszubrechen. Niemand will sich abspeisen lassen von den wohlüberlegten Worten des Verkehrsdirektors. Der statt eines Eingeständnisses Verständnis zeigt. Verständnis für die GPK. Verständnis für die Rücktritte von Blumenthal und Rüst. Verständnis für den zunehmend schärferen Ton der Medien.

Es sei keine Pressekonferenz, es sei ein Mediengespräch. Doch auch das ist es nicht. Es ist der Versuch eines guten Dutzends Menschen, einen Block Granit in die Enge zu treiben. Glatt geschliffen ist er auf allen Seiten von den vielen Malen zuvor, in denen er sich der Öffentlichkeit hat erklären müssen.

Auf etwas verzichtet er aber bei diesem Auftritt: Sein schallendes Lachen, mit dem er Grenzen zu sprengen vermag, dröhnt nicht durch das Gewölbezimmer, in dem vor wenigen Wochen Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann schon nichts sagte. Jenes Lachen, auf das er auch dann zählen konnte, wenn er doch eigentlich mit dem Rücken zur Wand stehen sollte. Etwa, als er vergangenen Herbst die Wiederwahl im ersten Wahlgang deutlich verpasste.

Im Gegensatz zur heutigen Einheit der Medienschaffenden ist sein Ton ruhig. Die Journalisten wiederum verbergen ihren Zorn über die leeren Worte kaum. Er hingegen bleibt kontrolliert. Ein Journalist wird deutlich, ärgert sich über die Kommunikation an diesem Morgen, von dem sich alle mehr versprochen hatten. Eine kurze Pause, dann folgen die gleichen Phrasen wie zuvor.

Der einstige Direktor des Hochleistungsrechenzentrums der ETH spult seine Sätze ab.
Wenn er von seinen Fehlern spricht, lässt er Vieles im Bereich der Interpretation. Er sagt: «Natürlich kann man sagen, dass…» oder «Für mich klingt eine Weisung anders».

Es ist vielleicht das Bemerkenswerteste an seinem Umgang mit Kritik: Er lässt sie nie objektiv, nie absolut erscheinen. Der GPK-Bericht? «Die Kommission legt das so aus.» Die angeschuldigten Kompetenzüberschreitungen? «Meine Optik ist eine andere.» Sein Bewusstsein, dass ihm viele in der Öffentlichkeit den Rücktritt wünschen? «Das war schon vorher so.»

Kritik an ihm ist selten mehr als einfach eine Meinung, die man haben kann. Er übernehme die politische Verantwortung – doch wofür, ist man sich nicht sicher.

Nur einmal bröckelt die Fassade.

  

«Es geht mir nicht gut»

Nur einmal bröckelt er. Die Frage nach seinem Gemütszustand gegen Ende der fast eineinhalb Stunden dauernden Inquisition droht ihn kurz aus dem Konzept zu bringen. «Es geht mir nicht gut», sagt er freimütig. Die Vorwürfe setzen ihm zu, wird da plötzlich deutlich und die Distanz zu ihm wird kleiner. Die Zusprüche über sein Handy bestärkten ihn in seinem Handeln, er fühle sich getragen.

«Nächste Frage, wer will noch?», bedeutet er mit einem Handzeichen. Und ganz zum Schluss, da muss er sogar kurz lachen. Er will einen Spruch machen, hält dann aber inne und kontrolliert sich: «Nein, das wäre jetzt nicht angepasst.»

Ein Missgeschick, «Mist», weggewischt.