Eva Herzog hat einen Kuchen gebacken. Nun ja, nicht ganz alleine, aber sie war zumindest oberste Leiterin der Backstube. Einen 232-Millionen-Überschuss-Kuchen. Um diesen Betrag zu gut war die jüngste Rechnung der Finanzdirektorin, nicht zum ersten Mal.

Kein Wunder, gieren nun von links bis rechts alle danach. Und das Schöne daran: Dieser Kuchen wird für einmal nicht eingefroren, als Reserve für magere Zeiten. Nun werden Mäuler gestopft, er hat eine Steuersenkungszuckerglasur. Aber ganz so einfach ist das nicht.

Herzog will erst abwarten, wie die Nachfolgerin der Unternehmenssteuerreform III aussehen wird. Steuerreform 17 soll sie heissen. Das Dessert gäbe es später, irgendwann. Ihre Strategie: Wer die Süssigkeit zuerst isst, hat später keine Lust auf Beigemüse wie Senkungen der Unternehmenssteuern. Doch nach dem x-ten fetten Jahr wollen nun alle Parteien endlich etwas von diesem Überschuss sehen.

Am ungeduldigsten sind die Bürgerlichen. «Jetzt», sagen sie, «jetzt ist Zeit für die Diskussion über Steuererleichterungen für natürliche Personen.» FDP, LDP, CVP und SVP haben klare Vorstellungen, wie dieser Kuchen verteilt werden soll: Sie wollen den Steuerfuss um einen Prozentpunkt senken. Wer mehr Steuern bezahlt, soll zukünftig mehr profitieren.

«Unfair!», schreien die Linken und wetzen ihrerseits die Messer. Am liebsten wollen sie zwar auch jetzt (um-)verteilen, aber doch nicht so ganz, vielleicht noch ein bisschen abwarten, bis ihre Regierungsrätin eine neue Steuerreform ausgearbeitet hat, die sie dann wohl nicht bekämpfen werden.

Auch werden die Forderungen noch nicht geeint vorgetragen. Soll der Freibetrag für Steuern erhöht werden, damit hauptsächlich die Einkommensschwachen entlastet werden? Oder eine Kombination, sodass der (sehr unterschiedlich definierte) Mittelstand auch ein Stück abkriegt? Oder soll das Geld gar nicht verteilt werden, sondern in neue Projekte gesteckt werden? In einen Fonds vielleicht, für Opfer der Digitalisierung? So zumindest blickte ein Ratsmitglied schon mal in die Zukunft.

Gleich von zwei Seiten an die Torte ran will die CVP. Neben der Senkung des Steuerfusses hat sie im Wahlkampf medienwirksam die Krankenkassen-Initiative gestartet. Diese soll jenen den Abzug einer Grundprämie von den Steuern ermöglichen, die nicht von Subventionen profitieren.

Die Sozialdemokraten wiederum würden gerne die Prämienverbilligung erhöhen. Ohne über weitere Streitpunkte wie etwa die Entlastung von Familien gesprochen zu haben: Auf dem Menü steht erst mal der Gang durch zähe Grundsatzdiskussionen.

Sollte Ueli Maurer tatsächlich noch in diesem Jahr eine neue Vorlage ausarbeiten, und sollte das Parlament dann nicht wieder Jahre darüber streiten, und sollte das Volk diese dann auch annehmen, und sollten die hiesigen Parteien bis dann nicht vorpreschen, ja dann könnte die Bevölkerung so ab 2019, eher aber 2020 von Steuererleichterungen profitieren.

Vielleicht aber zerfleischen sich die Parteien schon jetzt angesichts dessen, was da auf dem Tisch steht, unter der Glasglocke. Bringen Vorstösse ins Parlament, zu denen die Regierung berichten muss, die in Abstimmungen dann bekämpft werden.

Angesichts der knappen Verhältnisse und des brisanten Themas scheint es sogar realistisch, dass die unterlegene Seite das Referendum ergreift und das Volk über die Form seiner Entlastungen entscheidet. Steuererleichterungen rücken dann in noch weitere Ferne, während Jahr für Jahr die Staatskasse überquillt. So oder so: Wer auf baldige Steuererleichterungen hofft, isst derzeit hartes Brot.