Am Mittwoch ist die Beschaffung des schwedischen Kampfjets Gripen erneut in die Schlagzeilen gerückt. Aus einem geheimen diplomatischen Briefwechsel wurde ersichtlich, wie Schweden bei der «Bewerbung» ihres Kampfjets vorgehen soll («Die Nordwestschweiz» vom Donnerstag). Ausserdem soll Bundesrat Ueli Maurer Hilfe aus Schweden bei der Ja-Kampagne zum Kauf des Kampfflugzeuges gebeten haben. Über die Beschaffung von 22 Gripen wird in der Schweiz am 18. Mai abgestimmt.

Es geht um viel Geld. Der Bund rechnet mit Kosten von rund 3,1 Milliarden Franken, wobei 2,2 Milliarden Franken an den Saab-Konzern gezahlt werden. Im Gegenzug soll die Schweizer Industrie bei der Anschaffung Aufträge im Wert von 2,5 Milliarden Franken erhalten.

Jetzt ist der umstrittene Vogel, genauer ein 1:1-Modell desselben an der Muba ausgestellt. Das macht nicht allen Freude. «Es ist auf keinen Fall Aufgabe der Muba, politisch Werbung für den Gripen zu machen. Und das tut sie mit der Ausstellung», sagt Ständerätin Anita Fetz (SP, BS) gegenüber der bz.

Und auch ihre Ratskollegin Christine Egerszegi (FDP, AG) findet das problematisch. «Propaganda», sagt sie. Etwas milder gesinnt ist Ständerat René Imoberdorf (CVP, VS). Imoberdorf, der dem Gripen anfänglich skeptisch gegenüberstand, ist der Meinung, dass der Hersteller Saab im Vorfeld der Abstimmung zurückhaltender sein sollte. «Der Abstimmungskampf muss in erster Linie von den politischen Parteien, Befürwortern und Gegnern geführt werden, und nicht von der Herstellerfirma», sagt er gegenüber der bz. Aber letztlich findet er die Ausstellung der Gripen-Modelle legitim.

Das findet naturgemäss auch die Muba, welche sich lediglich als Plattform für Hersteller sieht, die Produkte verkaufen wollen.

Ähnlich sieht es Regierungsrat Christoph Brutschin. Er ist auch Verwaltungsrat (VR) der Messe Schweiz. «Was im Detail an den Ständen ausgestellt ist, ist den Ausstellern überlassen. Wir können auch nicht einem Waschmaschinenhersteller vorschreiben, dass er ein Modell nicht zeigen darf», sagt er. «Ich wusste davon nichts. Aber das ist auch in Ordnung. Entscheidungen über einzelne Stände und das, was sie ausstellen, werden nicht auf der Flughöhe VR oder Eigner gefällt. Am Ende müssen sich die Armee und Saab überlegen, ob das förderlich oder kontraproduktiv ist für ihr Anliegen.»

Erstmals hat der Gripen F Demonstrator, der am Mittwoch in Emmen eingetroffen war, den Hangar verlassen. Das Flugzeug soll nächste Woche am Fliegerschiessen auf der Axalp teilnehmen und Sicherheitspolitikern vorgeführt werden.

Gripen F Demonstrator in Emmen

Der Hersteller selbst, Saab, windet sich. «Um unser industrielles Kooperationsprogramm zu unterstützen, nehmen wir an der Muba teil, wollen Leute treffen und Fakten darlegen. Es ist wichtig zu zeigen, worüber wir sprechen.» Saab-Sprecher Sebastian Carlsson weist gegenüber der bz auf die von Saab eingegangenen vertraglichen Verpflichtungen hin. Er will die Gripen-Präsenz nicht als politische, sondern als industrielle Veranstaltung verstanden wissen. «Es ist uns wichtig, nicht Teil der politischen Debatte zu sein oder diese zu stören», schrieb Saab kürzlich in einem Communiqué. Am Ski-Weltcupfinale und an der BEA in Bern sei Saab jedoch nicht mit von der Partie, dies «nach sorgfältiger Evaluation».